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Der Israelit · 1887-06-09 · Heft 44 (9.6.1887) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 44 (9.6.1887)
Date
1887-06-09
Page
– (sequence 13)
Language
German
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^ssBssamsma 793 Wir haben schon oben erwähnt, daß G-Hofuf nahe an der Grenze liegt, denn obgleich sich zwischen diesem Städtchen und der wirklichen (Grenze noch zwei Dörfer befinden, so ist Letzteres doch der eigentliche Sitz der Grcnzbchördcn, die den Karawanen auch, und natürlich gegen eine entsprechende Gcldcntschädigung, ein Miliiärgclcitc bis zu dein Grcnzortc des Nachbarstaates mitgcbcn dürfen. Nun ist cs in Arabien, wo das Patriarchalische noch heute vorherrscht, Sine, daß, bevor man den Grcnzort seines Vaterlandes oder jenes Landes, das man erst besucht, verläßt, man sich dem (foiipcnrcur oder Statthalter daselbst vorstellt, um ihm für den bisher erhaltenen Schutz zu danken und sich hie nnd da von ihm zugleich anch eine Empfehlung an seinen Kollegen, den Gouverneur des Grenzortcs oder der Grcnzvrovinz des nächstfolgenden Staate« zu erbitten. Anch erfordert c» der arabische l»un t»m. das; man dann vor dem Gouverncnr nicht mit leeren Händen erscheine, sondern ihm zugleich auch ein Geschenk überreiche, was er dann selbstverständlich erwidert. Unsere Reisenden wurden nun von dem Gouverneur Achmed Sclim Bey, einem kugelrunden, feisten Männchen, das man eher für einen Globus, als für ein lebendes Wesen gehalten hätte, auf's Freundlichste empfangen, nnd lud er sie zugleich ci«, neben ihm Plav zu nehmen. Achmed Sclim saß eben im Hofe aus einer ungcgcrbtcu Ochsen- Haut und lehnte er sich dabei ans zwei Polster aus Zicgcnscllcn. Unsere Reisegesellschaft uiachte nicht viel Umstände, sondern setzte sich gleich neben dem Gouverneur selbst auf den nackten Boden nieder. Sic überreichte hierauf diesem Staatswüldenlrägcr das übliche Geschenk, da« diesmal au» einem Turban für den Hausherrn selbst und einem Fläschchen Rosenöl für dcsicn Frauen bestand. Hieraus baten sic ihn um ein Empfehlungsschreiben au den Emir oder Sultan von Garr oder Hrarr, dem nächsigclcgcucn unabhängigen, arabischen Fnrstcmhnme. „Ist gar nicht nothwcndig," erwiderte schmunzelnd der Gouverneur, „Sc. Hohheit wird noch heute in El-Hofuf crmrcffcn, um hier Pulver und sonstige Munition für seine Armee cinzukaufcn, und werde ich euch dann ihm persönlich auf's Wärmste empfehlen." Man braucht sich jedoch unter dem Sultan von Garr keineswegs einen so gewaltigen Fürsten vorzunellcn, wie cs etwa der türkische Sultan oder der Sultan von Marokko ist, denn in Arabien wird mit dem Titel „Sultan" so hernmgcworfcn, wie in einem europäischen Kaffcchause mit dem „Herr Baron" oder „Herr Doctor." Wer nämlich in Arabien zwei oder drei Dörfer sein eigen nennt, und solche Fürsten gibt cs dort in die Dutzende, läßt sich schon „Sultan" tituliren, mit „Hadhrakkum" (Euere Allgcgcnwart, d. h. Majestät) anrcden und am Freitag für sich, den Landcsfürstcn, in der Moschee bcicn. Auch der Sultan von Garr ist eia solches Duodctzköniglciu. da er im Ganzen vier Dörfer nnd einige Gehöfte fein eigen nennt. Den türkischen Sultan wurde es daher gar nicht viel Mühe kosten, mit vielen dieser arabischen Königkein oder Fürstlcin kurzen Prozeß zu machen und deren Besitzungen seinem Gleiche einzuverleiden; aber die meisten derselben sind Abkömmlinge de« Propheten Mohamcd, und tvürdc daher ein Angriff auf dieselben den ganzen Fanatismus der Araber wachrufen. „kommet daher morgen in der Frühe," sagte der Gouverneur zu der Reisegesellschaft, „nochmals zu mir, und ich werde euch dann persönlich dem Sultan vorstcllcn." Er klatschte hierauf mit seinen beiden Händen, worauf ein Sklave erschiendem er den Auftrag gab, den Reisenden einige Kürbisse und Melonen an» seinem Küchcngartcn zu überreichen. Beim Hcrausgchcn ans dem Gouvernements-, gcbäuvc bemerkten die Reisenden einen großen Bolksanslanf aus der Straße, und als sic nach dessen Ursache fragten, erhielten sic den Bescheid, daß binnen wenigen Minuten der Sultan von Garr mir seinen drei Söhnen und seiner Leibwache feinen feierlichen Einzug in El-Hosus halten werde. Und richtig, schon wenige Minuten nachher. — Pünktlichkeit ist anch in Arabien die Höstichkeit der Könige, — galoppirtc schon ein Reger auf einem feurigen Araber über den Marktplatz von El-Hosnf nnd feuerte schnell nacheinander dreiRcvolverschüsse ab. um so anzuzeigen, daß Se. Majestät nahe. Gleich nachher jagte auch schon der Sultan mir seinem Gefolge aus ihren Pferde» über den Marktplatz. wo er von der dort harrenden Menge mit dem landesüblichen Luln! Lulu! (Hnrrah! Hurrah l) begrüßt wurde. Das ganze Gefolge mit Ausnahme des Sultans, war barfuß, aber über und über mit de» verschiedensten Waffen behängt. Ter Sultan, ein Braun zwischen 40 und 50 Jahren, war ganz weiß gekleidet, während sein Haupt ein grünseidcner Turban schmückte, ein Zeichen seiner Abstammung vom Propheten Mobamed. Zu beiden Seiten seines Sattels hingen mit Silber reichlich belegte Revolver. auf denen das bekannte verschlungene Doppel- Dreieck «Salomo» Siege!) sichtbar war, ein Zeichen, daß diese Waffen von jüdischen Schmieden ange-

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