Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 44 (9.6.1887)
- Date
- 1887-06-09
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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790 ripfte ist, kann der Verein mit Genugthuung verzeichnen/ dast M Zöglinge verblieben und das Probejahr glücklich übcrstandcu haben. Es bezeugen dies die Berichte der Gutsbesitzer, von welchen die besten Zeugnisse des Kleines und der Anstelligkeit den Zöglingen erthcilt werden. Tic Zahl der an näher gelegenen Gemeinden gewährten Schnluntcrstützungcn hat gegen die im Borjahrc zugenommen und wurden 24 Gemeinden mit dem Betrage von 2:niQ fl. unterstützt. Tie Zahl der Mitglieder hat sich in letzteren Jahren in erfreulicher Weise um 1 MTü Mitglieder vermehrt, an denen besonders ungarische, mährische und schlesische Gemeinden participiren. Rühmend hcrvorzuhcdcn ist die Rührigkeit der Filialen von Triest und Ezernowiv, welche dem Vereine eine große Zahl von Mitgliedern znsührten. Im Vergleiche mit dem Vorjahre ist die Einnahme an Jahresbeiträgen um fl. l U>2.5,0, au Spenden um fl. 1028.50 gestiegen. Tic Ausgaben für Subventionen sind um fl. 2208.1$, jene für Galizien um fl. »U81.57 höher und jene für Handwerkszwcck um st. 4042.01 niedriger. Tic Zahl der Mitglieder der Allianz beläuft sich bei Schluß des Berichtes aus 4.'i'l4. Das Vermögen der Allianz am Schluffe des Berichtsjahres betrug fl. 15,0.000 in Werthpapiercn und st. 20.224.1 $ in Baa.em. Für die Unterstützung der ans Rumänien. MuHlaub und Preusteu anSgewiesenen israelitischen armen Familien wurden namhafte Beträge verwendet. Rach Verlesung des Rechenschaftsberichtes ergriff einer der Luster der „Allianz,- Herr Alcrander Schars, das Wort. Wenn er auch zugedcn möchte, dast die Leistungen der Allianz schätzensn>erth sind, so sehe er sic doch nicht jene hohe Ausgabe, die man von einer isralitischcn Allianz erwartet, entsprechen. Er erinnert die Herren, dast als die „Allianzin Wien gegründet wurde, zu einer Zeit als inan bei uns in Sesterrcich den Antisemitismus nicht einmal dem Ramcn nach kannte, war es das wichtigste Ziel der „Allianzdort, wo Israeliten als solche leiden, ihnen wirksamen Schutz zu bieten. Geben wir uns keiner Täuschung hin. Es ist leider eine traurige Thalsache, dast das Iudcnthum bei uns bedrängter ist als in Rumänien, natürlich in geistiger und moralischer Beziehung. Es sind zwei Momente, die das Indcmhum schädigen. dast nämlich leider ein groster Theil des Leh- | lelstandes dem Antisemitismus huldige.' Ter von unserem Gcldc bezahlte Lehrer erzieht unsere eigenen .flindcr zum-- Anusemitismns. Tie Führer der Antisemitul sind eine rohe, veroitete Bande, sie scheuen es nicht, mit den gemeinsten, schmutzigsten Mitteln gegen eine Ration zu kämpfen, die die ältesten Völker überlebt hat. Die Fehler des Einzelnen lassen sie die Gesammtheit entgelten und legen unwillkürlich Zeugnis; ab. für die hohe Mission u,ld den Werth unseres Volkes, bei welchem cs nicht einmal einen Schlechten geben darf. (Stürmische Bravorufe.) „Run frage ich," fährt Redner fort, „was hat die Allianzdis heute gcthan, um diesen grasten Ucbelständen zu begegnend Ich mache dessen kein Hehl, dast es mein jüdisches Gefühl erregt, rocnn von den 15» jüdischen Vertretern im Reichsrathe bis ans einen einzigen deiner den Muth hat, für die Glaubensgenossen einzutrctcn. Man wird sagen, ne sitzen dort nicht als Juden. Air wenigstens ist das unfastlich. dast ich in meiner Gegenwart incine eigene Mutter beleidigen lassen könnte. Auch im Gcmcindcrath sitzt eine graste Zahl unserer Glaubensgenossen, es hat sich bis jetzt noch 51 einer gefunden, der muthig für feine Glaubensgenossen cingcstandcn wäre. Dieser Aufgabe nachzukommcn ist die Pflicht der „Alliauznud ist 3!ebner gerne bereit rincm vom Vorstande gewählten fünf- oder achrglicderigen Eomitö Rathschläge zur Bekämpfung des hiesigen Antisemitismus zu geben, verzichtet aber im Vorhinein auf eine Wahl in den Vorstand. Tiefe mit Begeisterung aufgcnommcnc Rede fand allgemeine Zustimmung der Versammlung. Herr Wilhelm Wcrtheim drückte dem Vorstände für sein segensreiches Wirken die vollste Anerkennung ans und glaubt, dast die „Allianzindircct dem Antisemitismus cntgcgcnwirke, durch Hebung der Bildung unter den Inden, er vcrthcibigt unsere jüdischen Abgeordneten, welche ungerecht angctlagt sind. Ter Redner wird aber durch Schlustrufe unterbrochen. Sodann ergreift Herr Tr. Marcus Spider das Wort. Er dankt dem Vorstand für die Zulassung der Debatte über den Antisemitismus uud ineint, sich gegen Herrn Wcrtheim wendend, das; der Vorschlag des Vorredners betreffs der indirekten Vetämpfung des Antisemitismus derjenigen Enr eines Arztes gleiche, der einem Schwerkrankcn das Promeniren in freier Luft verordne. (Scfterr. Wochenschrift). Italien. Nom, 5.. Juli. In aller Eile melde ich Ihnen ein wichtiges Ercignist, das gewiß nicht verfehlen nnrd. in ganz Israel Freude und Genuglhuling zu erwecken. Soeben ist hier Tr. Gregory d' Aibela, der jüdische Leibarzt des Sultans von Zanzibar, Said Borgosch cingctrossen, um »lönig Humbert ein arabisches Handschreiben seines