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Der Israelit · 1887-06-09 · Heft 44 (9.6.1887) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 44 (9.6.1887)
Date
1887-06-09
Page
– (sequence 3)
Language
German
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783 Hauses ablegt, ist auch der Kaiserin überreicht worden, die nunmehr mit einem Gnadengeschenk von 500 Mark nachstehendes huldvolles Handschreiben an den betreffenden Vorstand gerichtet: *34 habe mit vieler Tbcilnahme die Schrift cntgcgcngcnommen, welche ans Anlaß des fnnfundzwanzigjährigcn Bestehens derKranken-Verpstegungs- Anstalt der jüdischen Gemeinde versaßt worden ist. Ich kenne aus eigener Wahrnehmung die vortrefflichen Einrichtungen derselben und freue Mich, dem Vorstände Meinen Glückwunsch zu dem Gedenktage anssprcchcn zu können, der die Fürsorge der Gemeinde für ihre Kranken in ehrenvoller Weise veranschaulicht. Baden-Baden, den l8. Mai »887. gez.: Angusta." Marbrrrr;,!. Juni. Unsere Antisemiten harten heule in einer Gerichtsverhandlung vor der hiesigen Straskammcr Gelegenheit, die Früchte der wühlerischen Thätigkcit ihres Rcichragsabgcordnercn Böckel in Sachen des Antisemitismus kennen zu lernen und zu studircn. Auf der Auklagcbanl erschien ein junger Barbier Namens Hcllfriech aus Marburg, angcklagt wegen önentlichcr Beleidigung des KaufmannsHrn. S. S t r a u ß aus Marburg. Ter Sachverhalt ist kurz folgender: Am 0. Dezember v. I. Abends fuhr nach Abhaltung einer jener belanulcn Hctzversammlungcn Böckels eine Anzahl angchcitcrtcr Anriscuiitcu von Kirchhain nach llst'arburg. 2m ls'isenbahnkupce trafen sic zwei israelitische Reisende, oben erwähnten Strauß und erneu Herrn L. aus Mannheim, die sie mit gewohntem Anstand alsbald zu infultircn ansingcn. Unter lautem Radau ließen sic ihre bekannten Rufe: „Juden 'raus" u. s. w. erschallen und sagten den Reisenden noch manche andere Schmeicheleien, wobei sich der Barbier besonders heldenhaft benahm. Das Rachfpicl dieser antisemitischen Großthat entwickelte sich, wie bemerkt, heute vor der hiesigen Strafkammer. Ter Angeklagte, welcher selbstverständlich, trotz der erdrückenden Aussagen der beeidigten Zeugen — daß sich auch Gcsiunuugsgcnoffen Böckels fanden, welche anders bezeugten, ist nicht zu verwundern — schlankweg leugnete, wurde durch die Rede des Ersten Staatsanwalt» vollständig überfühtl. Derselbe benutzte die Gelegenheit, in schärfsten Worten über die Bcrwcrstichkcit der ganzen antisemitischen Bewegung sich anszusprechen. Wenn Inden sich irgendwie vergingen, so hätte man zur Ahndung Strafgesetze. Tie antisemitische Bewegung laue sich nicht durch Redensarten wie „Kampf gegen eine fremde Raffe oder fremde Nation" rechtfertigen; die Inden feien keine fremde Nation, sie seien vollberechtigte Bürger des preußischen Staate«, hätten gleiche Lasten und Pstichtcn, also auch gleiche Rechte mit allen ihren Mitbürgern. TaS Vorgehen der Antisemiten fei durchaus zu verdammen. Nachdem der Staatsanwalt noch den Vorgang im Eiscubahnwagen speziell charakterisirt hatte, bcanttagte er eine Getängnißstrafe von mindestens drei Wochen. Auch der Vcrlhcidiger des Angeklagten schloß sich vor Allem den Worten , de» Staatsanwaltes über die antisemitischen Bestrebungen au; wie jener dieselben als „roh" bezeichnctc, erklärte jener sie als die Hetzereien eines „unreifen Mannes." Er bat, bei der Strafbemessung als Milderungsgrund die Aufregung gelten zu lassen, in welche der Angeklagte durch die Aufreizungen dieses Mannes besagten Abend gehetzt gewesen sei. Die Strafkammer erkannte auf eine Verurtheilung des Angeklagten zu. einer 10 tägigen Gcfängnißstrafe, sowie in Kosten des Verfahrens; außerdem wurde dem Beleidigten die Bcfuguiß zugcsprochcn, den Wortlaut des Unheils auf Kosten des Vcrurthcilten zu veröffentlichen. Inowrazlaw, 25. Mar. Dieser Tage wurden die Frau nebst zwei Töchtern und einem vicrjähr. Söhnchcn des vor längerer Zeit aus Gollancs <iu Preußen, Rcg.-Bcz. Brombcrg) ausgcwicscncn Rabbcncrs Faust nach hier transportirt. Nur dem energischen Einschreiten des hiesigen Rabbiners Dr. Kohn und einer Bürgschaftsleistung seinerseits ist cs zu verdanken, daß die unglücklichen AuSgcwicscncn nicht im Polizeigcwahrsam zu übernachten brauchten. Dieselben wurden am folgenden Morgen durch einen Transporteur nach Alcrandrowo an die russische Grenze wcitcrbcförtct. Tort aber weigerte sich die russische Grenzbehörde, das vierjährligc Kind, weil es in Preußen geboren ist, anzunchmcn. Da nun die arme Mutter sich nicht von ihrem Kinde trennen wollte, zog sie cs vor, sammt ihren Kindern wieder am selben Tage nach hier .zurückzukchren, um dann wieder nach Gollancs zu geben. Möglicherweise sicht den Unglücklichen bald wieder dasselbe Schicksal bevor. — Sind denn die grausamen Ausweisungen noch immer nicht zu. (Silbe? (Hamb. Fremden-Bkatt.) Frankreich. Bayonne. Herr Aristide A st r u c. früher Rabbiner in Brüssel, wurde zum hiesigen Lber- Rabbincr gewählt.

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