Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 44 (9.6.1887)
- Date
- 1887-06-09
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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pp (bei den Schätzungen; 3. B. M. E. 27); beim gewöhnlichen Gericht drei Richter und die beiden Parteien sind fünf; das gewöhnliche Richtercollegium besteht aus drei Mitgliedern; auch zwei können richten, wenn die Parteien damit einverstanden: eben so ein Einzelner reim Tn*, wenn er ein be-. wahrter Richter ist. — Gegen diese Lesart jedoch löst sich vieles einwenden, namentlich der von uns im vorigen Kapitel wicdergegebcnc Ausspruch unserer Weisen, Berachoth «1. in welchem kein llnterschicd gemacht wird, zwischen Beten, Richten und Thoralcrncn. Ncbcrall. wo Israeliten mit heiligem Denken und heiligem Thun sich beschäftigen, erleuchtet sie der Abglanz der göttlichen Majestät, und in dem Sinne ist auch unsre Mischnah auszusaffen. Wo zehn Leute sich zusammenfiuden zu heiliger Beschäftigung, mögen sic nun gemeinsam beten, richten oder in der Thora forschen, da heißen sie S\ny, eine Gemeinde Gottes, in der Beziehung, daß Gott Seinen Geist über ihnen walten läßt, wie cs beim Gebete heißt: „Seffnc Tu. o Gott, meine Lippen, auf daß mein Mund Dein Lob verkünde" < Psalm r»l, 17); und in Bezug auf das Rechtsprechen heißt es: „Verleihe Deinem Knechte ein verständiges Herz. Dein Volk zu richten" (l. B. d Kön. l>. 3, V.!*); und in Bezug auf das Thoralernen betet der fromme König: „Lehre mich Verstand und Einsicht, damit ich wahrhaften Glauben schöpfe aus Deinen Geboten" (Psalm 119, «<:).— Wenn nun zehn Männer oder mehr sich znsammensiuden zum gemcinsamcn Gebete, zu einem Richtercollegium oder zum Thora-Lernen, so ist das die höchste Stufe, oder wie unsere Weisen es ausdrückcn (Berochoth <;): „die Lchechina kömmt früher;" das heißt: wenn weniger als zehn zusammen beten, richten oder lernen, so mimen sic erst durch Erweckung der Andacht, durch Eindtingcu in die vorliegende Rechtssache, durch Sammeln derÄusmerksamkeit auf den zu lernenden Abschnitt, den Gottesgein, der auf ihnen ruhen soll, gleichsam herbciführen; wenn aber zehn oder mehr beisammen sind, so wird die Stimmung eine so heilige, daß die Andacht, die Erkcnntniß, die Erleuchtung sie sofort überkömmt, daß also gleichsam die Schechinah, der Abglanz der göttlichen Majestät, vor ihnen da iß: sic finden die göttliche Hilfe und die Zunahme an geistiger Kraft schon vor. ES in selbstverständlich, daß das nur der Fall ist, wenn die zehn Männer sämmtlich von dem Wunsche beseelt sind, in. heißer Andacht z» beten, wahrhaft blecht zn sprechen oder durch die Thora sich belehren zu lauen. So heißt es auch bei der Lffcnbanrng am Sinai: rrr» rarp -yn rx r.ro xsr. „und Mofcheh führte das Volt zu Gott hin." Gott war. gleichsam, schon da und wartete auf die heilige Gemeinde, die da kam, die Thora zu empfangen; das heißt mit andern Worten: unsre Voreltern wurden derart vom Gottcsgeiste beseelt, daß sie all die hohen Lehren, die ihnen vom Sinai herab verkündet wurden, sofort zu verstehen und zu begreifen vermochten, wiewohl sie im „Lernen" noch ganz ungeübt waren, wie uusrc Weisen lehren: 7'3'H 1'3N Pr "ai wo rx zr? in r*:n 11.12 c'2 crö nxm .irpn '53 srr „Und Er verkündete ihnen Seinen Bund: das will lehren, daß jedes Wort, welches aus dem Munde des Heiligen, gelobt fei Er, hervorging, ihnen sofort alles in der Thora Enthaltene, sämurtliche Regeln, Aufsasiungsarten, Vergleichungen, Schlüsse :c. mitthciltc, so daß sie sofort zu *i zu Gonesgelchrten wurden, ohne daß sie dem Stu- Lin'.'.r vorher obgelegcn hätten. — In ähnlicher Weise läßt Gott Seine Hilfe und Gnade denen zu Theil werden, die in größerer Anzahl zum Thoralernen sich zusammenfiuden; Seine heilige Majestät ist schon da, bereit, sie zu belehren und zu erleuchten. (Fortsemmg folgt.) Zeitungsnachrichten und ((orrefpondeuzeu. Deutschland. Mainz» 8. Juni. In de» in unserer belletristischen Beilage vom 2. dss. eulhaltenen Artikel: „Tie Juden in der Sahara und Timbuklu" hat sich, wie man uns jevt aufmerksam macht, ein höchst unliebsamer Druckfehler eingeschlichea. Zum Schluffe heißt cs nämlich, daß es unmöglich war, die „barbarischen" Worte aus dem Empfehlungsschreiben des Rabbi Mvrdcchai zu cuträrhfcin. Sclbstverffändlich sollte cs hier heißen: die „bcrberischen" Worte, da die Juden Marokko's nebst dem Arabischen gewöhnlich auch das Berberische sprechen, eine Sprache, die jedoch in Europa wenig bekannt ist. Berlin, r>. Juni. Ter Vorstand des Krankenhauses der hiesigen jüdischen Gemeinde hat aus Anlaß des fünfundzwanzigiährigen Bestehens der Anstalt eine Denkschrift heraus gegeben, der die „Geschichte der K rank enp fl ege in der jüdisch en G e m c i nd e zu Berlin" eingehend darstcllt. Die Denkschrift, welche ein glänzendes Zengniß von den wahrhaft ausgezeichneten Leistungen der Berliner Krankenpflege und zumal des Kranken-