Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 43 (6.6.1887)
- Date
- 1887-06-06
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
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135 in seinem Hanse gemauerte und verkalkte Grui ben, in denen er das Oel mehrere Monate, bis es klarer wird, anfbewabrt. Die meisten Oelkäu-! ter liaben gleichzeitig eine Seifenfabrik, ein ' grosser Theil des Oels wird im Lande für die | Seifenfabrikation verwandt, ein grosser Theil j jedoch in Fässer verpackt und für die verschiej denartigsten Zwecke exportirt. Man spricht da- von. dass in Spanien dieses Oel gereinigt und - geniessbar -gemacht wird, doch erscheint dies j kaum glaublich, da nach allen Angaben in den; Lehrbüchern Oel, das von vornherein bitter war, | überhaupt nicht, und verdorbenes Oel auch j wahrscheinlich nicht geniessbar zu machen ist; j es ist desshalb anzunehmen, dass alles Oel, das | aus Palästina exportirt wird, nur zum Brennen i und zum Bestreichen von Gelassen und Masehi- | neu gebraucht wird, l’nter den Getreidekäufem giebt es einige Juden, unter den Seifefabrikanten und den Inhabern der (Mexportgeschäfte - nicht einen einzigen: im letzten Jahre hat ein I grosses, reiches Geschäftshaus in Odessa be-; gönnen, Oel aus Palästina zu kaufen. Die Oel- ' bereitung in G riechen Land und Italien ist; eine bedeutend bessere, nur im Xothfalle wendet j man sich nach Palästina. Während früher Tekoa : und Itegew am meisten Oel geliefert, finden; sich jetzt die meisten Oelbättme in der Gegend . von Sichern auf dem „ephraimitischen Gebirge“, i doch auch auf den „Bergen Judas“ und den Niederungen sind viele Oelbäume und besonders in den Dörfern, in denen christliche Besitzer Eigenthum haben, wie in Bethlehem, Beth- gola, Enke rem, Kam Iah und Lud; Gali- : läa hat auch heute noch einen Reichthum an : Oel und die besten und vorzüglichsten Oelbäume. I Um die Ölindustrie des Landes zu heben! und möglichst grossen Gewinn ans derselben -j ziehen zu können, muss man vor Allem Folgenj des beachten: j Es giebt zwei vollständig von einander gej schiedeneOelarten,Speiseoel und Brennoel. j Das in Palästina bereitete Oel ist, wenn es auch j zur Xoth genossen werden kann, doch durch die Art seiner Herstellung als Brennoel zu betrachj ten und wird auch unter dem Namen .Brennoel** j exportirt. Es ist desshalb, wenn das Oelgeschäft j in Wahrheit ein Ernährungszweig für die jüdische Bevölkerung werden soll, nöthig, dass die- . selbe die Oelbereitung aufs Gründlichste erlernt,; damit sie so reines, klares Oel wie das Pro- : venceoel nach Europa zu senden vermag und gestatten wir uns desshalb auf die Bedingungen, j unter welchen gutes Oel bereitet werden kann, j etwas näher einzugehen. j Von dem guten oder Speiseoel giebt es auch j zwei Arten; das erste nennt man .junges Oel“,! das zweite .Kräuteroel“. Nicht alle Oliven sind s zum Speiseoel zu gebrauchen; manche sind unreif I und ihr Oel wird bitter, manche sind faul und! ihr Oel wird schlecht; man nimmt desshalb zum guten Oel nur ganze Oliven, die nicht mit Stöcken von den Bämnen abgeschlagen, sondern mit der Hand gepflückt sind. Die Olive selbst besteht aus vier Theüen: der Schale, dem Fleisch, den Kernen und dem Samen; eine mittelgrosse Olive bat ungefähr zwei drittel Fleisch und ein drittel Körner und Samen. Das Oel wird von jedem Theile der Olive gewonnen, doch ist das aus dem einen Theile an Quantität und Qualität anders als das ans einem anderen Theile der Oliven. So hat man z. B. feM gestellt, dass wenn man dieselben in einzelne Theile zerlegt, 10,(XX) Pt. Fleisch und Schale, 5640 Pf. Oel und 4360 Abfall, ” Oel und 6426 Abfall, 1225 Oel und 8175 Abfall ergeben. Der Unterschied in der Qualität zeigt sich z. B. darin, dass das Oel aus dem einen Tucils bitter und trüb, aus dem anderen klar und süss, das aus dem einen hart, aus dem anderen leicht gewinnbar-ist, das eine leicht einen üblen Geruch erhält, das andere nicht, man nimmt desshalb zu «lern .jungen Oel* weder die Kerne noch den Samen, sondern nur das Fleisch. . Für die Oelbereitung gelten folgende Regeln: 1. Je weniger man die Oliven presst, je mehr der Saft von selbst herausfliesst, desto besser wird er. 2. Je wärmer die Oliven, während sie gepresst werden, sind, desto mehr aber schlechteres Oel ergeben sie. Man presst desshalb das gute Oel nur kalt und belastet die Presse nur wenig, oder presst sie überhaupt nicht in der Presse, sondern verfährt folgenderliiassen: Man pflückt die Oliven von der Spitze des Baumes mit der Hand ab, trocknet sie fünf Tage in der Sonne, damit sich die Haut vom Fleische und das Fleisch von den Kernen löst, schält sie mit Vorsicht ab, dass keine Fäden von der Haut an dem Fleische hängen bleiben, nimmt die Kerne heraus und zerstösst das Fleisch alsdann in einem Mörser. Dies legt man hierauf In leinene Tücher, dreht die beiden Enden derselben um sich selbst, bis das Oel herausfliesst, das den Namen Junges Oel“ erhält. In dem Fleische ist dabei noch viel Oel zurück geblieben. das Fleisch wird in die Presse gelegt, belastet und das lierausfliessende Oel ist die zweite Art des Speiseoels. Endlich wird es zum dritten Mal warnt gepresst; das sich jetzt ergebende Oel wird jedoch nur als Brennoel oder Schntieroel verwandt. Das Junge Oel“ ist sehr thener und erfordert sehr viel Arbeit Gutes Oel wird desshalb noch in anderer Weise bereitet, bei der man es nicht so genau nimmt, nicht erst die Oliven