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Der Israelit · 1887-06-06 · Heft 43 (6.6.1887) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 43 (6.6.1887)
Date
1887-06-06
Page
– (sequence 10)
Language
German
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mid Wüchsen der KindeSscele beobachten oder fiar nach uiifcriu Willen beherrschen imblciifciiV Wissen wir ganz bcsrinunt im Voran-:', ob nicht doch schlimme folgen für unsere Binder daraus erwachsen können V Stömrteit wir darum durch einen Machtsprnch bewirken. dab in jeder grüneren Gemeinde eine jüdische Schule bestände mit unsere .Umder dadurch der Norhrvendigleit enthoben würden, am Ladbar die öffentlichen Lchnlen .zu besuchen, so würden wir dies als einen idealen Zustand ansehcn, durch den die meisten Schwierigkeiten für die religiöse Erziehung unserer Jugend beseitigt wären. Jüngst ging die Nachricht durch die Blätter, dast in der Ncichshauptstadt Berlin die Gründung eines jüdischen Gymnasiums bcabsichiigt sei. Wenn dies thatsächlich zur Aussührung gelangen sollte und andere Ltädte dem Beispiele Berlins folgen würden, so wäre dies schon als der Beginn einer neuen Aera zu begrünen. Einstweilen jedoch gehören derartige schöne Wünsche und Pläne in das Gebiet der Zukunftsmusik; wir müssen mit gegebenen Verhältnissen rechnen, und wie diese liegen, müssen wohl, wie schon gesagt, in den meiste^ jüdischen Gemeinden die.minder heutzutage am Labbat die Lchnlen besuchen, und cs fragt sich, welches Gegengewicht wir besitzen oder schaffen können, damit ihnen aus dieser A'olhwcudigkcit kein Schaden erwächst. In erster Linie ist dies der gediegene religiöse Unterricht. Mehr als je hat jeder, dem cs ernst darum zu thun ist, seine minder dem echten unverfälschten Ittdcnlhmn voll und ganz z» erhalten, heute die Pflicht, dieselben frühzeitig hin.zusühren znm Borne der heiligen Lehre, damit sie ans diesem trinken und Liebe und Begeisterung für ihren Glauben schöpfen; das wird sie dann auch wappnen und stählen gegen alle Stürme des Lebens, sic auch gai»; besonders schütze» gegen die Angriffe, denen ihre religiöse Ucberzcugung schon im Schulteben ausgesetzt ist. Wird es auch schwer, in einer Zeit, wo die Zlcbcrbürdung der Jugend" die vielbesprochene tagtägliche 5t läge bildet, auch noch die Zeit für einen gründlichen mnsasscndcn Unterricht im Hebräischen zu sinden, so lägt sich bei gutem Willen doch gar Vieles erreichen; die Ucdcrzcngnng von der Nolhwcudigkcit ist heute, glaube ich, allgemein vorhanden; wenn nur die Ausdauer und Energie überall noch dazu kommen, wird die allgemeine Kräftigung jüdischen Geistes und Lebens nicht ausbleibcn. — Ein guter Fond von jüdischem Wissen, eine aus Mcmitiiiü der heiligen ReligionSgcsetze begründete religiöse Neberzengung wird auch am besten den reUgiösc» Sknu und die religiöse Pflichttreu; unserer jungen Leute in der Zeit, da diese fcca Militärdienste obliegen muffe», schützen. Der jung; Mann, der die religiösen Vorschriften kennen m banim mit Verständnis üben und lieben gelernt hat. wird, wen» er während der Zeit seines Miijtärdicnstes auch manches religiöse Gebot zu übertreten gezwungen ist, doch der Versuchung widerstehen, sich für die Tauer in religiöser Beziehung lässig oder glckchgiltig zu .zeigen; er wird auch währender Militär',eit sich die größte Mühe geben, so weil cs ihm mir irgendwie möglich ist, alle religiöser: Vorschriften zu halten; wenn er in den bürgerlichen Berus znrsickgckehrt ist, wird er nicht weniger streng als vor der Zeit seines Militärdienstes jedes einzelne religiöse Gesetz mit Genauigkeit erfüllen; nur da jedoch, wo die religiöse Pflichterfüllung gewohnheitsmäßig und ohne innere Ueberzeugüng geübt wird, liegt die Gefahr nahe, da» eine einmalige oder zeitweilige Hebcrtretnng dauernde Gleichgiltigkeit zur Folge hat. nur da gilt das Wort .-irre 17 f»snr r3 Durch echt gemüth- und weihevolle Feier des Sabbat in der Familie muffen wir dann in zweiter Linie den nachtheiligen Einfluß, den möglicherweise der Schulbesuch am Sabbat ausüben kann, auszngleichen suchen. Tie Familie ist schließlich doL der mächtigste aller Erzrchirngsfaktoren; Der gewal tigerr Macht des Familienlebens komnrt doch nichts gleich, und der Zauber, der in der Feier des Sabbat im Familienkreise, der ganz besonders in den pocflcvollen und das Gemüth so eigenartig rrgrei scndcn Frcitagabeudstundcn liegt, tilgt alle Wcrktagsgcdäuken, welche die Kinder aus der Schule mit nach Haufe bringen. Wachen wir daher ängstlich darüber, daß sic diesen Zauber ganz und ungekj schwächt eurpsindeu und genießen, daß'sie die festliche Sabbalstimmuug, rer: kennen lernen und j ihr nie cmsremdct werden. I Mehr als bei beiden erwähnten Gelegenheiten j machen sich die Gefahren für die Heiligung des Sabbat beim Eintritt in den Beruf, vor 'Allem in den geschäftlichen Beruf geltend, weil hier die materiellen Aachlhcilc, die ja häufig mit der Rücksicht aut die Beobachtung des Sabbat verbunden sind, schwer ins Gewicht fallen. Tie Klage, daß junge Leute, die ein Geschäft erlernen wollen, und noch mcdr solche, die die Lchrlingszeit hinter sich haben und sich nun selbst ihrLrod im geschäftlichen Berufe erwerben wollen, schwer Häuser sinden, die am Sabbat geschloffen sind oder die ihnen den Sabbat frei geben, sind allgemein und bekannt; sie sind der wunde Punkt in dem jüdische» Leben der heutigen

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