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Der Israelit · 1887-06-06 · Heft 43 (6.6.1887) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 43 (6.6.1887)
Date
1887-06-06
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXVllt. Jahrgang. Beilage zu Nr. 43 des Israelit. Leitender Artikel. Die Savöalyeitigttng und die religiöse Erziehung unserer Jugend. Frankfurt a. M., im Mai. Von allen Fragen, die das religiöse Leben in unserer gegenwärtigen Zeit berühre», ist die der Labbathcilignng noch immer die wichtigste; sie ist bcruscn, den Kcnrpunkt aller auf die ungeschmälerte und ungeschwächte (Erhaltung unserer heiligen Religion gerichteten Bestrebungen zu bilden. Gerade dieses wichtigste aller unserer göttlichen Rcligionsgescve, gerade dieses das Prinzip unseres GottcSgcscncs ganz besonders zum Ausdruck bringerrdc Glaubcnsfymbol des Labbataefetzes, von dem in charakteristischer Würdigung das Wort der Weisen gilt: .-.7-,2 .vram 77 rx cy* 17"« «m rx ■wrsn 72 ist ja heute am meisten gefährdet, weil religiöse Unwincnhcit mrd religiöse Gleichgiltigkeit einerseits und mannigfaltige, thatfächliche Schwierigkeiten anderseits eine immer allgemeiner werdende Vernachlässigung desselben herbeiführen. Wenn es aber für den glaubenstreuen Israeliten schon betrübend ist, wahrzunchmcn, wie, namentlich in den grostcn Städten, die Zahl derjenigen, die mit Konsequenz und strenger Gewissenhaftigkeit den Ladbar beobachten, immer geringer wird, wie besonders die Anzahl der am Labbat geschloffen gehauenen (Geschäfte sich lichtet, so must cs für jeden Israeliten, dem die Zukunft unserer heiligen Religion am Herzen liegt, doppelt schmerzlich erscheinen zu beobachten, wie bei unserer Heranwachsenden Jugend immcrmchr die fromme Lchcu, die das ältere Geschlecht noch vor der llebertretung des Labbat zurückzuhaltcn geeignet war, im Schwinden begriffen ist, und wie so oft auch Söhne aus streng - frommen Häusern, wo sie eine religiöse Erziehung genossen haben, nicht vor der Entweihung des Sabbat zurückfchrcckcn. Und es liegt eine liefe psnchogische Wahrheit in dem Satze: rrr-T.-, bzz “£2 '.S'.'O rcrn rx bbr,~rt bz denn wer erst einmal den Sabbat zu übertreten gewöhnt ist, wer erst diesen Grundpfeiler des Judentums nicht festgehaltcn hat, der ist in den allermeisten Fällen für jüdisches Leben überhaupt verloren, der wird, wenn er auch den ernsten Willen dazu hätte, alles Uebrige zu halten, doch sehr bald ein Gottesgescy nach den, andern über Bord werfen. Darum läßt sich die Frage: Wie können wir unsere Kinder religiös erziehend heute einfach in die Form kleiden: Was können wir thun, um unsere Kinder zur strengen Beobachtung des Sabbat zu gewöhnen? Von drei Seiten hauptsächlich drohen unserer Jugend in dieser Beziehung Gefahren; bei drei Gelegenheiten können auch diejenigen, die von Jugend auf an strenge Beobachtung des Sabbat gewöhnt werden, in schädlicher Weise bccinstustt werden: beim Schulbesuch am Sabbat, bei Ausübung des Militärdienstes und endlich ganz besonders im geschäftlichen Berufe. Tie Zahl der jüdischen Gemeinden, die eigene höhere Schulen haben, ist ja bekanntlich außerordentlich gering, und der überwiegend größte Theil unserer Jugend nluß daher heutzutage am Sabbat die Schule besuchen; überall aber müffen cs diejenigen, die studircu wollen und deßhalb das Gymnasium absolviren. Selbst da, wo von Seiteu der Regierung die Dispensation zu ermöglichen ist, wird iu der Praxis doch nicht allgemein oder vielleicht gar nur wenig davon Gebrauch gemacht werden können. Und wen» cs schon schlimm ist, daß die minder dadurch nicht immer regelmäßig dem Gottesdienst beiwohnen können und sic dadurch des mächtigen Einflusses verlustig gehen, den dieser auf das religiöse Gcmüth und auf die Festigung in der religiösen Psiichtübung in hervorragendem Maße auszuüben fähig ist, l'o fällt noch schwerer in die Wagschale, die Einbuße, welche die Sabbalstimmung im Herzen der Kinder und dadurch auch ihre Ehrfurcht vor der Heiligkeit des Labbat erleidet, wenn sic an diesem Tage ebenso, wie die ganze Woche über, in die Schule gehen müssen. Es ist ja wahr. Einzelne werden vielleicht gerade dadurch frühzeitig charakterscst und gegen alle Lerführuugen, die das spätere Leben bietet, gekrästigr, daß sie als Kinder schon die Versuchung vor Auge» haben, daß sie es sehen, wie ihre Mitschüler und so viele ihrer Glaubensgenossen durch Schreiben und Zeichnen den Sabbat entweihen, während sie selbst standhaft und fest bleiben und auch beim Schulbesuch das Gesetz hüten. Doch wer gibt uns die Bürgschaft, daß das böse Beispiel uicht umgekehrt im Herzen unserer Kinder Wurzel schlägt? Können wir das Werden

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