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Der Israelit · 1887-06-02 · Heft 42 (2.6.1887) · page 22

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 42 (2.6.1887)
Date
1887-06-02
Page
– (sequence 22)
Language
German
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762 Mordechat aus dem Sultanate Marokko, der selbst einmal schon als Kaufwan» Timbuktu besucht hatte und der ihm nun ein Cmpfchlungsschreiben an einen Anverwandten in der Stadt Akka mitgab. In Tanger angckommcn, entschloß sich jedoch unser Reisender, durch Marokko und die Sahara bis nach Timbuktu vorzudringcn und um dieses Ziel zu erreichen, nahm er zu folgender List seine Zuflucht. 6t cngagirte mit der Hilfe des österreichischen Konsuls einen armen dort wohnhaften Schcris ((yiiM des Propheten Mohamcd) dem er eine Belohnung von 1200 Francs zusagte, wenn er ihn glücklich nach Timbuktu und wieder zurück zur Küste bringe. Zwischen Beiden wurde ein diesbezüglicher Vertrag abgcschlopen. Ter Schcris mußte sich für einen mohanrcdanischcn Heiligen ausgebcn, der eigentlich nur zu diesem Zwecke nach der Sahara und Timbuk:u geht, um seine Glanbensbrüder daselbst zu besuchen und ihre religiösen Verhältnisse durch den Augenschein kennen zu lernen. Selbstverständlich führt ein so großer Mann auch eine große Dienerschaft mit sich und kann er sich sogar auch den Genuß gönnen, da es seine Mittel erlauben, einen eigenen türkischen Leibarzt mit sich zu nehmen. Letztere Rolle wurde nun Tr. Lenz übertragen, der sich zu diesem Bchuse ganz wie ein Türke kleidete und auch einen arabischen Flamen annahm. Bei Tag spielte nun Tr. Lenz die Nolle eines Untergebenen, der auf jedes Wort aufmerksam lauschte, das sein Gebieter spricht. In der Nacht wurden die Nöllen gcrvcchselt, und nun mußte der Schcris die Befehle seines Gebieters cntgcgcnnehmen. Von Tanger begab sich die kleine Karawane nach der Residenzstadt Fez, wo Tr. Lenz die Ehre hatte, vom Sultan Sidi Muley Hassan, dem übrigens diese ganze Verabredung bekannt war, in Audienz empfangen zu werden, der ihm dann auch ein Haus zum Aufenthalte anwies, das aber nicht in der Mcllah iIudcnviertel) lag. Bisher pflegte nämlich der Sultan, wenn ein angesehener Christ nach Fez kam, denselben ins Iudenvrcrtel daselbst zu schicken, wo ihm dann irgend cirr Reicher Quartier, hie und da auch die Kost geben «rußte, ohne auch nur Einen Kreuzer als Entlohnung dafür zu erhalten. Ter Sultan ersparte so, dem Fremden Gastfreundschaft zu erweisen und brauchte er auch nicht, um dessen Leben besorgt zu sein, da er sicher war, daß man ihn im Iudenvicrtel nicht ermorden werde. Noch der deutsche Asrikareiscndc, Freiherr v. Maltzan, mußte mir dcni ihm vom Sultan bei einem Juden angewiesenen Quartier vorlieb nehmen. In neuester Zeit aber hat der Sultan unweit von seinem Palaste eigens ein Haus erbauen laffen, in dem er die Christen, wenn sie Fez besuchen, eiuquartiert und das unter militärischer Bewachung steht. Don Fe; begab sich Tr. Lenz nach der weiter südlich gelegenen zweiten Residenzstadt Marakcsch (Marokko), wo er bei einem Beamten des Sultans absticg. Hier empfing er den Besuch mehrer jüdischer Kaufleute, die ihn insrändigst baten, sie nach Timbuktu mitzunehmcn, wohin sie europäische Waarcn bringen wollten, um sie dort zu verkaufen. Dr. Len; sollte dafür einen Antheil an dem Gewinnste haben. Tiefe Idee war eine sehr kluge von den Juden, denn Tr. Lenz reiste nicht nur unter dem Schutze eines Enkels des Propheten, sondern führte auch einen ihm vom Sultan ausgestellten Schutzbrief mit sich, und konnte daher Jedermann. der ihn begleitete, sicher sein, daß ihm die marokanischen Behörden allen möglichen Schub und jede geforderte Hilfe Therl werden lajjcs. Tr. 2cn% der jedoch die von ihm angenommene Rolle eines Leibarztes des Schcrifs nicht aufgcben wollte, mußte dieses Ansuchen der Juden, so leid cs ihm auch that, zurückwciscn. und so auf den Genuß, bei der Reise durch die Wüste, die nahezu vierzig Tage andauerte, eine größere Gesellschaft, um sich versammmelt zu scheu, verzichten. In Marakcsch traf unser Reisender die Juden in einem höchst traurigen Zustande und haben sie dort nicht einmal eine ordentliche Synagoge, sondern nur kleine armselige Bethäuser. Tenn einmal fehlt cs kn dem Iudenvicrtel. wo Hunderte von Familien zusammengepfercht leben, an einem geeigneten Plabc zum Bau einer Synagoge und dann wollen auch die dortigen Juden keinen Prachtbau aunühren aus Furcht, sie könnten sonst die Habsucht des Sultans und den Neid der Bevölkerung erregen. Auch ihre Wohnhäuser in Marakcsch sind elendigliche Bauten und sind die Gasscnfcnstcr in denselben kaum einen Fuß hoch und breit, so daß nur wenig Luft und Licht durch dieselben in die Wohnzimmer dringen kann. (Glasscheiben gibt cs gar keine im Iudenvicrtel, und bestehen die Fenster blos ans einem hölzernen Gitterwcrk. Don Marakcsch ging Tr. Lenz nach Taradunt am Arlasgebirge, welche Stadt zwar noch zu Marokko gehört, wo aber die Autorität des Sultans nur wenig mehr rcspectirt wird. Ter dortige Statthalter wies ihm ein an das Judcnvierlel anstoßendes Haus als Absteigequartier an. Aber schon einige Stunden nach seiner Ankunft dort, hatte die Bevölkerung erfahren, daß ein Christ kn iürer Mine weile — solange Tr. Lenz aus marokkanischem Boden weilte, wahrte er sein Incognito nicht allzustreuge — und sic begann daher sein Haus zu

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