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Der Israelit · 1887-06-02 · Heft 42 (2.6.1887) · page 23

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 42 (2.6.1887)
Date
1887-06-02
Page
– (sequence 23)
Language
German
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erstürmen, um ihn zu ermorden. Unser Reisender konnte sich jedoch noch glücklicherweise in die .Kasbah (Euadclle) retten, wo ihm dann der Gouverneur für einige Tage Gastfreundschaft gewährte. Tic Juden in Taradunt sprechen noch Spaniolisch. das aber von einem Spanier schwer verstanden wird. Tr. Lenz traf dort sehr oft ehrwürdige alte Rabbiner, die nach der barbarischen Landcssitte durch die Stadt bannst auf dem holperigen, spitzigen und Heiken Strastcnpslastcr gehen mutzten, während sie ihre Schuhe in den Händen mit sich trugen, um sic beim Betreten des Judcnvierlcls sogleich wieder anlcgen zu können. Gin wahres Jammerbild für das Auge eines europäischen Reisenden! Hierauf gelangte Tr. Lenz in das Gebiet des Merhabnt (Heiligen) Sidi Ben Hascham, der sich vor einigen Jahren von seinem Gebieter, dem Sultan Sidi Mulen Hasiau, losgcsagt und sich zum Fürsten der Provinz Wad ausrufe» hat lassen. Tic Haupstadt dieses Gebietes hcistt Iller, die von solchen Fanatikern bewohnt ist, dast Tr. l'cn* cs vorzog, brausten vor der Stadt ein Zeltlager aufschlagcn zu lassen, als im Innern derselben zu wohnen. Gleich nach seiner Ankunft dort nbcrschickte er dem genannten Landcsfürstcn einige kostbare Geschenke, die dieser aber barsch znrückwrcs mit der Motivirung, dast der Reisende seine Geschenke vielleicht später besser werde verwenden können. In der Wirklichkeit aber wollte er von einem Ehristcn, denn als solcher hatte sich Tr. Lenz bei ihm anmeldcn lassen, kein Geschenk anrrchmen. Später erschien sogar Sidi Ben Hascham persönlich vor dem Lager. besichtigte dasselbe von allen Seiten und warf dabei einige verächtliche und grimmige Blicke auf Tr. Lenz, woraus er wcklcrrirt. Sidi Be« Hascham hatte sogar einige seiner Getreuen beauftragt, den Christen nächllichcrwcise .zu überfallen und ab.znschlachkcn; dieser Mordplan wurde jedoch noch beizeiten entdeckt und vereitelt. Tr. Len; dachte gar nicht daran, dast auch unter einem solchen wilden und fanatischen Bolke Juden leben sollten. Gr sollte sich jedoch getäuscht haben. Als er nämlich schon reisefertig war, da erschienen mehrere Inden mit ihren Frauen und Kindern inr 2ager. um ihn zu begrüßen und sich ihm als Anverwandte des schon genannten Rabbi Mordcchai Abi-Zcrnr vorzusrellcn. Tic eigentliche Familie des Letzteren wohnt in der weiter südlich gelegenen Stabt Akka, die aber Tr. Len; gar nicht berührte. Tie Juden in Iller sind stark von der heistcn Sonne gebrannt, sie tragen sich gewöhnlich alle blau. Auf dem Kopfe tragen sie ei» schwarzes Leder- oder Sammtkäppchen. da der Turban ihnen strengstens verboten ist. Auch von diesen Anverwandten dcS Rabbi Mordcchai wollten sich einige der Karwane unseres Reisenden anschlicsten, was aber dieser wieder entschieden ablchnen mußte. Bon hier an, wo nun bald auch die Wüste beginnt, traf Tr. Lenz keine Juden mehr an, bis nach seiner Ankunft in Timbuktu. Tort stellte sich ihm nämlich eines Tage? ein Zaraf (Geldwechsler) vor, erbot sich, ihm einige Münzen umzntauschcn und thcilte ihm zugleich mit, dast er ein Jude sei. Tr. Lenz übergab ihm nun ein Fünffrancsstück zum Wechseln, das in Timbuktu den Werth von 5000 Äaurimuschel» — der gewöhnlichen Scheidemünze in der Sahara — hat, und erhielt er dafür 45O0 solche Muscheln ans die Hand gezählt. 5OO Muscheln zog der Zaraf als seine Gebühr davon ab. Er thcilte dann unscrm Reisenden mit, daß er nur erst nach großen Anstrengungen vom S)al)ia (Bürgermeister) von Timbuktu — diese Stadt bildet eine Art Republik — die Erlaubnis; erhalten habe, hichcr zu kommen und sich hier zu ctablircn. Mit ihm käme» noch zwei andere Juden nach Tiurbuktu. Sie gedenken indcst nur noch eine kurze Zeit hier zu bleiben und dann wieder nach Marokko, von woher sic kamen, zurückzukehren. Seinen Rückweg von Tirnbuktti nahm Tr. Len; durch das Scncgalgcbict, das grösttcnthcils schon zu Frankreich gehört und in dem keine Inden wohnen. Er schiffte sich daun in St. Louis nach Bordeaux ein. Bon dem oben erwähnten Empfehlungsschreiben des Rabbi Mordcchai, das mit jüdischen Lettern geschrieben wurde, Härten wir gerne wortgetreue llcbcrscvuttg geliefert, wenn cs uns nur möglich gewesen wäre, die in demselben vorkommende» barbarischen Worte und uraghrcbinischen (marokkanischjüdischen) Ausdrücke zu enträthseln. Ter Inhalt desselben besieht jedoch darin, dast er unser» Reisenden, „der nur deutsche Worte spricht, vn «■pr ns) ssrc seinem Bruder Rabbi Iizchak Abi- Zcrnr in Akka auf's Wärmste empfiehlt und bittet er ihn zugleich, dem Fremden, der »ein berühmter Arzt ist (".'22 2'22 *rrr) und nach Akka geht,* mit Rarh und That an die Hand zu gehen. Interessant ist e-^anch daraus zu ersehen, dast die Juden in der Sahara Deutschlandeine Eorrumpirung des Wortes «rrr«, neunen. Tiefe Bezeichnung für Tcutschland haben dieselben wahrscheinlich aus Spanien nach der Sahara mitgebracht.

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