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Der Israelit · 1887-06-02 · Heft 42 (2.6.1887) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 42 (2.6.1887)
Date
1887-06-02
Page
– (sequence 11)
Language
German
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751 seinen Wertb zu verringern vermocht hätte. Noch beule kann Sichrer, der sich mit dem Studium der jüdischen Geschichte eingehend beschäftigt, Stobbe's Werk entbehren, und da dasickbc in populärer Form geschrieben ist, ist es auch für jeden Laien, der sich für jüdische Geschichte intercssirt, ein schäkcnswcrthes Buch. Tic durchaus gerechte und unparteiische Art, mit welcher Stobbc urthcilt, und die edle Wärme, mit welcher er die Rechte der Juden verthcidigt, wirke» besonders wohlthnend. Auch die historische Commission des deutsch-israelitischen Gcmcindebundes, dcr Ltobbe seil ihrem Bestehen angehörte, verliert in ihm eines feiner fachkundigsten und tüchtigsten Mirglicder. Das dritte Heft der von der Commission hcrausgcgcbcnen Zeitschrift enthält eine Abhandlung Stobbe's „lieber die Judcuprivilegicn Heinrichs IV. für Spcicr und für Worms." Serbien. Belgrad, 23. Mai. Sensation erregt, der „Pr." zufolge, ein in Risch stattgcfundcncr nächtlicher Ucbcrsall der Farnilic eines reichen israelitischen Kaufmanns, wobei die Gattin des Kaufmanns errnordet, er selbst, dessen Schwiegermutter und das Dienstmädchen lebensgefährlich verwundet wurden. Letzterem wurde in barbarischer Weise die Zunge hcrausgcschnittcn. Mau glaubt, dasi dcm Verbrechen Glaubcnsgchässigkcit oder ein sonstiger Rache-Akt zu Grunde liegt, weil keine Beraubung begangen wurde. Die Regierung ordnete die strengste Untersuchung an. Feuilleton. Wichaek. Erzählung von L. Nohn, Bcrsasicr von Eabriel. (Schluß.) Es war ein Frühlingstag des Jahres Isis, als der jüdische Friedhof in W. einen ungewöhnlichen Besuch empfing. Gin eleganter mit vier Pferden bespannter Rcisewagen war von der Hauptstraße, den abzwcigcnden Weg bis zum Fuße des Berges gefahren, auf welchem der jüdische Gottesacker lag. Zu der nicht geringen Bcrwunderung des Wächters, der draußen in einem kleinen Häuschen wohnte, entstiegen dem Wagen ein großgcwachscner Herr, etwa in der ersten Hälfte der Vierzig stehend, welchen man trotz feiner bürgerlichen Kleidung an dem aufrechten Gange und der urilktärischen Haltung sofort als Offizier erkennen mußte, eine ele- . gant gekleidete Dame, die obwohl rrach der sprechenden Aebnlichkcit mit den zwei Knaben von etwa 12 und 10 Jahren, die an ihrer Seite gingen, offenbar deren Mutter, doch noch immer von ungewöhnlicher Schönheit war. Die ganze Gruppe stieg den Berg zum Friedhof empor, schritt der Herr an der Spitze durch das Thor und sofort zu jener Gräberrcihe, in welchen die irdischen llcbcrrcste Aron Bracks, seiner Gattin und der Mutter ihres Pflegesohns, Lea Klein, ruhten. Der Wächter war den vornehmen Besuchern in einiger Entfernung scheu gefolgt. Ter Herr sprach, auf die Gräber deutend, einige französische Worte, die der Wächter allerdings nicht verstand, aber da gleichzeitig die Dame den.Kindern deutsch sagte: „Seht Ihr, Arnold und Nathan, das sind die Gräber Eurer beiden Großmütter und Eures Großvaters. mutterseitS." so mußte er sofort erkennen, daß die Fricdhofbesucher nur General Klein und dessen Gemahlin sein konnten, und da der gegenwärtige Wächter Reb Pcrez Holleschau, ein W.er Gcmeindekind war, erkannte er jetzt auch sowohl Michael Klein, mit dem er als Kind in die Schule und in'S Chcder gegangen war, als auch dessen Gemahlin, die Tochter des vor dreizehn Jahren verstorbenen RoschhakoholS. Selbstverständlich wagte er cs aus Ehrfurcht nicht, seine alte Kollcgcnschaft zu einer Ansprache au den General zu benutzen, und blieb fortwährend in respektvoller Entfernung; dagegen öffnete er Aug' und Ohr so weit als möglich, um Alles was vorgrrrg, genau zu sehen und zu hören. Wie er am nächsten Sabbat vor dem Minchagcbcte einem äußerst aufmerksam lauschenden Auditorium im Stmagogcnhosc erzählte, hatte sein ehemaliger Chawer'), Michael Klein, wie er den General kurz mit einem Schmunzeln der Befriedigung bezcichuetc, ein Buch aus der Rocktasche gezogen und nicht nur er und seine Frau, sondern auch die beiden schönen .Knaben, die wie Reb Pcrez bei seinem Leben und sciuer Gesundheit beschwor, so sein und so schön wie Buc Mlochimaussahen, lasen die hebräischen Gebete, wie sic an den Gräbern von Verwandten verrichtet werden, fehlerlos und slicßcud. — Diese Mittheilung aber rief bei dem alten Schammes Reb Oschcr, der schon seit fünf Jahren in den wohlverdienten Ruhestand versetzt worden war, ein mißbilligendes.Kopsschütteln hervor, welches er danrit genügend zu motiviren I) «amnad, Kollege. 2) KönigLtrndrr. Prinzen.

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