Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 42 (2.6.1887)
- Date
- 1887-06-02
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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752 glaubte: daß es in Israel nicht Sitte sei. Kinder, deren Eltern noch am Leben, an dem Grab der Großeltern beten zu lasten. Allein da die gesammte Zuhörerschaft entzückt war, daß der französische General seinen Kindern eine jüdisch-religiöse Erziehung gegeben und sie im Hebräischen unterrichten ließ, auch der gegenwärtige französische General, der einst als anspruchsloser Mensch unter ihnen gelebt, den höchsten Stolz eines jeden W.er Gemeindelindes bildete, wurde Reb Oschers kritische Zwischenbemerkung nicht einmal einer Widerlegung gewürdigt, sondern über diese einfach zur Tagesordnung übergegangen und Reb Percz mit stürmischer Ungeduld ausgefordcrt, in seinem intereffanten Berichte fortzufahrcn, und dieser, höchlich geschmeichelt, einmal im Leben zu einer — allerdings nur ephemeren Bedeutung gelangt zu sein, nahm den Faden seiner unterbrochenen Erzählung wieder auf. (5t und sein Weib, haben, wie sie bei den K woros 3) gestanden, solche DechioS gethan4), daß auch die beiden schönen Knaben aus Rachmonis') über ihre Eltern zu weinen begonnen und mir selbst, der ich doch an solche Tinge gewohnt bin, ganz weich ums Herz geworden ist.Es hat sehr lange gedauert und ich Hab' gesehen, daß es ihnen sehr schwer geworden is weg zu gehen, aber wie pflegt man zu sagen: Wenn der Ehasen noch so schön singt, einmal muß man doch aus der Schul gehen. Endlich haben sie sich doch entschlossen und sind langsam fortgegangen. Ich bin hübsch weit von ihnen gestanden, und Hab' mich nit zu muksen noch viel weniger so einen so noblen Herrn an;usprcchen getraut; aber wie er mich erblickt har, geht er gerade auf mich zu und sagt: Tu bist ja Perez Hollaschau, der mit mir in die Schul' gegangen nt? und während er so schön und dcchowed*•) mit mir reden thut, zieht er e prächtige Börse aus der Tasch' — cwaddc hat sic ihm sein Weib, die bekannte Sara gestickt, nimmt zwei goldene Dukaten heraus und quetscht mir sic in die Hand. So soll ich leben und gesund sein; ich Hab' gemeint, daß mich vor Freud' ans der Stelle der Schlag trifft. Ich Hab' ihm wollen die Hand küssen, aber cr hal's nit gelitten und hat mich gefragt: „Kennst Tu mich denn nicht mehr?" und ich schrei. „Sb ich Tich feint’!? Tn bist ja Mccaß Red Michael, der gnädigste Herr Sbergcneral von die Franzosen, und bist bei dem choschewen Reb Aron Brack sichrono liwrocho aufgezogen worden (der gelehrte Leser wird wohl bemerken, daß Reb Perez seinem ehemaligen Schulkollegen wohl dem ihm gebührenden Titel nicht vorenthielr, ohne jedoch hierbei auf das altgewohnte kameradschaftliche Tu zu verzichten) und er har vor Vergnügen, daß ich mich noch so gut auf ihn erinnern thu, obwohl ihm die Thronen in den Augen gestanden sind, doch ein klein Bissel im Stillen gelacht. Wie ich gesehen Hab', daß er gar nit stolz geworden is, Hab' ich schon e Bisl Eourage bekommen, und Hab' ihm gefragt, wie es ihm seit die dreizehn Jahr', wie er mit dem S'zoneZ von hi.T wegmarfchirt ist, ergangen is, und er sagt mir, daß er, weil er bei einer Schlacht schwer am Fuß vcrroundct worden ist. in Pension gegangen ist. Er hat gesagt, daß er von hier aus mit seiner Familie nach Ungarn in die Kehilla reist, wo sein Vater begraben liegt, aber daß er auf seiner Rückreise nach Frankreich einen andern Weg einschlagen und W. nicht berühren wird. Dann hat er sich erkundigt, ob die Stiftung genau gehalten wird, und welcher Lamden fest das ehemalige Haus seines Schwiegervaters bewohnt. Ich Hab' ihm gesagt, daß Alles in schönster Ordnung gehr. — Dann sind sie Alle traurig zu ihrem Wagen hinnntcrgcgangea und haben sich noch, wie sie in den Wagen gesessen sind, so lange cs möglich war, nach dem Des ha chajim mngeschen. Tie feinen, noblen, choschewen Menschen!- Ta nun das Gebet begann, eilten die Leute in die Synagoge, aber Red Perez' Erzählung hatte einen so nachhaltigen Eindruck hcrvorgerufen, daß Reb Joffes Langcrmann, der als Dritter zur Thora ausgerufen wurde, dem General Michael Klein — depen Vatersnamen in W. noch bekannt war, einen Mischeberach machen" ließ und bei diesem Anlässe die für jene Zeit bedeutende Summe von Rena Gulden Wiener Währung-") für die Annen der Gemeinde spendete. Michael und Sara Klein hatten weder Bekannte noch nähere Verwandte in W., und man hat seit jener Zeit dort von ihnen nichts mehr gehört. Eines General Klein geschieht in allen kriegsgeschichtlichcn Werken jener Zeit sehr häung, als eines der tüchtigsten und tapfersten Reitcrführcr die ehrenvollste Erwähnung. 7) Feinde. s) Vom Vorsänger rintn Legen sür ik»n sprechen. 91 *JIq6 dcurigeni O'clfc ttaä 4 österreichische dulden oder etwas weniger a!S sieben Mare. 3) Krädern. 4) Geschluchzt. 5) Mitleid. 6) Mit Achtung.