Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 42 (2.6.1887)
- Date
- 1887-06-02
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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745 Israckite Universelle* und M. wo den Hausarmcn des Verstorbenen. Oesterr.-Hngar. Monarchie. Wien, 27. Mai. In der heutigen Abcndsivung des Abgeordnetenhauses legten die Antisemiten, konform mit den heute Vormittag cingcbrachtcn Petitionen, einen direkten Antrag aus Erlassung eines AntiscmitcngcsckcS vor. Ter Antrag wurde jedoch nicht genügend unterstützt und kann nichtweiter verhandelt werden: er wurde nur von 10 Abgeordneten, und zwar von sechs Antisemiten, dem Demokraten Lueger und zwölf.klerikalen untcrstüvt, während 20 Abgeordnete nothwendig sind. Tie Antisemiten rufen: Traurig! Pfui! — Wien, 27. Äai. Ans der Brandstätte der Pariser Komischen Oper wurden die Leichen des Wiener Bankiers Emil Tcssaucr und Iran gefunden und erkannt. Emil Tcssaucr, Ehcf des hiesigen Bankgeschäfts Deffaucr u. Eomp. uud Bruder des Direktors der Depositenbank Adolf Deffaucr, ist Jahre alt, ein gebürtiger Franlsurtcr und seit sechs Jahren mit Frau Ida gcb. Biach. einziger Tochter Michael Biach's, dcS Gesellschafters der Erportsirma Biach ü. Eomp. vcrhciralhct. Sic hinterlasscn drei Kinder im Alter von ein bis fünf Jahren. Sic unternahmen eine BcrgnngnngSrcisc nach Paris, nachdem Tcffancr am ersten Mai den Haupttreffer der Krcditloofc mit 150,000 fl. gewonnen hatte. Prcsrbnrg, 27. März. Heute Abend fand vor dem Hanse des Kaufmannes Icllinck ein Erccst statt, welcher dadurch entstanden war, das; Iellinck sich mit der Magd Antonie Bugits einen unzcitigen Scher,; erlaubte, worauf diese einem Gastwirthe erzählte, Icllinek habe sic abfchlachtcn wollen, was von dem Gastwirth wieder weiter erzählt wurde. Es kam in Folge dessen zu Ansammlungen vor dem Hause Icllinck's, welche bis 11 Uhr Nachts undatierten. Stadthauptmann Kozfchnba. Bürgermeister Mergel und Polizci-EommissärKntfchcra intcrvenirten. Tie Polizeiwache erwies sich als unzulänglich. Es mußte eine Eompagnic der Eadettcufchnle und eine halbe Eompagnic des 72. Infanterie-fliegimcntS hcrangczogen werden, welche mit gefälltem Bcijonnctc den Play säuberten. Wach-Infpcctor SchwingenlchLög!. der sich in Eivilkleidnng befand, erhielt dicbei einen leichten Bajonncrmch in die Hüfte. Tie Behörde hat die umfanendstcn Borsichrsmaßnahmen getroffen, um eine Wiederholung dcS ln- »cffcs zu vereiteln. — Ferner wird gemeldet: Um!2 Uhr Mittags zog ein Haufe Arbeiter und Arbcitcrinncn zur Wohnung des Kaufmannes Iellinck und warf dcffcn Fenster ein. Tie Sichcrheitswache, welche unter Anführung des Stadthauptmann-Stell- Vertreters Kutschers cinschritt, stellte die Ordnung alsbald wieder her. Für den heutigen Abend wurden die umfassendsten Maßnahmen zur Hintanhaltung weiterer Ausschreitungen gctrosscn. DaS Militär ist in den Kasernen cousignirt. — Aus dem Platze vor dem Geschäfte Ielliuck's in der Vorstadt Blnmenthal fanden AbcudS S H(jr erneuert große Ansammlungen statt, ohne daß es jedoch za. AnSschrcstuligeil kam. Tic Menge wurde durch die Polizei zum Anscinandcrgchcn aufgefordcrt, und gelang cS ohne Anwendung von Gewalt, den Platz uud die angrenzenden Gassen zu säubern. Prcstbnrg, 2». Mai. lieber die Straßenerzcffe, deren' Schauplatz in den letzten Tagen Preßbnrg gewesen, berichtet die Prcßbnrgcr Zeitung: „Ter erste Exzeß nahm am 20. ds.!. etwa um 8 Uhr Abends, seinen Anfang. Einige junge, kaum der Schule entwachsene Bursche provozirtcn auf der Straße cincri Lärm. Nach und nach kamen größere Mcnschenmaffen, so daß binnen kurzer Zeit die Passage in der Palffy- und Walloncrgaffc vollständig gehemmt war. In ruhiger Weise forderte Sladthauptmann-SleUvertretcr Kucscra das Publikum auf, sich zu zerstreuen. Die Antwort auf Aufforderung war, daß faustgroße Steine gegen die Gcwölblhür und Fenster der Zcllinek'schen Wohnung flogen. Ta zu befürchten stand, daß die Menge sich zu größeren Ausschreitungen hcrbcilaffen könnte, verstärkte Herr Kucscra die Polizeimannschaft, war jedoch, als alles dies ohne Erfolg blieb, gcnölhigt, Militär zu rcgnirircn. Polizei und Militär säuberten die Straßen, verfügten die Sperrung sämmtlichcr Wirthshänser, worauf nach und nach wieder Ordnung geschaffen wurde. — lieber das Entstehen dcS Krawall cS knrsircn verschiedene Versionen. Eine lautet dahin: Das bei Icllinck bcdicnstclc hübsche Dienstmädchen Antonie BukitS sei eines TagcS in den Keller gegangen die Gänse zu schoppen, als ihr Icllinck nachschiich und Anträge machen wollte, auf welche jedoch das Mädchen kreischend davon eilte. Tie Fama hatte sich dieses Gerüchtes allsogleich bemächtigt, man erzählte sich, daß cs nicht nur Icllinck gewesen sei, welcher dem Mädchen nachgeschlichcn, sondern noch drei bärtige, mit Messern bewaffnete Juden, , welche einen rituellen Mord beabsichtigten 2c. Eine andere Version schildert die Ursache des Exzesses folgendermaßen: Am 20. Mai Abends kamen angeblich mehrere Soldaten in das Geschäftslokal Icllinck's, begehrten Schnaps