Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 41 (26.5.1887)
- Date
- 1887-05-26
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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726 zwungen, sich auch außerhalb des Synagogengcbictes Düsseldorf Unterstützung zu erbitten. Diese Ausdehnung des Vereins machte eine Umgestaltung und Aenderung der Ladungen nothwendig. Nach einigen geschäftlichen Mittherlungen wurden die Satzungen des neuen (Entwurfs durchberarhen, und da die Versammlung nicht so zahlreich besucht war, um beschlußfähig zu sein, sollen diese Vorschläge der demnächst stattfindenden Generalversammlung zur Annahme vorgelegt werden. (Wie man uns mitthcilt, ist in religiöser Beziehung: Feier des Sabbats, rituelle Beköstigung ec. nicht vllichtmäßig gesorgt; cs soll uns freuen, wenn die Leitung des Vereins diesem Gerüchte widersprechen kann und wird. — Sied.) England. London. Tic beiden „Missionsgesellschasten zur Bekehrung der Juden" haben im vergangenen Jahre wiederum eine überaus große Summe und zwar 47)000 L. (‘»00,000 3Jf.) verausgabt, um damit einige arme Iudenseelen zu retten. Wie viele wirkliche Noch und großes Elend hätte mit diesem Gelde gelindert werden können! — London. Ter Jahresbericht der Jew's Free- School weist eine Schülcrzahl von 2100 Knaben und 127.0 Mädchen auf. Tie große Einwanderung aus Nußland und aus Deutschland ausgcwicsencu russischen (Glaubensgenossen bewirkten im verstoffcnen Jahre eine beträchtliche Zunahme derselben. Feuilleton. Wlchaet. vtzählung von <£. «ohn. ^criaii« von (MabrieL (Fortsetzung.) Siebcnunddreißigstes Kapitel. Tic Fricdcnsnnterhandlungen, welche jetzt östcrreichischerscits von dem Grasen Giulau und Fürsten Lichtenstein miidem französischenMinislcr,FürstcnTallcnrand, gepflogen wurden, waren plötzlich ins Stocken gcrathcn. Kaiser Franz konnte sich nicht entschließen, die exorbitanten Forderungen. die Napoleon durch seinen Minister neuerlichst stellen ließ, zu bewilligen, und Napoleon durch seine Erfolge und seine günstige Position übcnnüthig gemacht, wollte jene nicht ermäßigen, und die Situation hatte eine so gefährliche Phisiognomie angenommen, daß man jeden Augenblick erwartete, der Waffenstillstand werde gekündigt, der Krieg von Neuem mit großer Energie eröffnet werden. Unter solchen Umständen konnte Michael nicht daran denken, sich einen noch so kurzen Urlaub zu erbitten, sich mit seiner Verlobten trauen zu lassen. Endlich war cs der Ausdauer und der Zähigkeit der österreichischen Unterhändler gelungen» günstigere Bedingungen zu erlangen. Sie hatten dem Fürsten Talleyrand iu der entscheidenden Schlußkonserenz die noch vorhandenen Hilfsquellen der österreichischen Monarchie auseinandergefctzt, auf die Armeen, welche unter den Erzherzogen.Karl und Johann in Ungarn standen, hingewicsen und namentlich die großen vom Kaiser Napoleon selbst anerkannten Fcldhcrrntalcnte des Erstercn betont, und Tallcnrand entschloß sich (Thiers behauptet in seinem Gcschichtswcrke, ohne hierzu Napoleons Genehmigung cingeholt zu haben, was aber vollkommen unglaublich erscheint) seine Forderungen namentlich in Bezug auf die ursprünglich geforderte Kriegscontributiön wesentlich zu ermäßigen, und am 26. Tccembcr 1805 wurde in Preßburg der Friedens- Vertrag unterzeichnet. Man war übereingekommen, daß die französischen Truppen binnen fünf Tagen die Residenz verlassen, binnen zwanzig den Inn überschritten haben sollten. — Mit der Nachricht des Friedensschlusses langte in Brünn auch Napoleons Befehl an. die Truppen sollten in kleinen Tagesmärsche» die österreichischen Staaten verlassen. Nun erbat sich Michael Klein den so sehnlich erwünschten, mehrtägigen Urlaub und fuhr, von Herrn und Madame Goudchaud begleitet, nach Boskowitz, wo der dortige Rabbiner. Rabbi Moscheh Ungar, die Trauung in der größten Stille vornahm. Bevor das neuvcrulählte Paar Mähren verließ, kehrten sic nochmals nach W. zurück, um vor ihrem Scheiden noch die Gräber ihrer Lieben zu besuchen. Napoleon hatte von der von Oesterreich erhobenen Kriegscontribution von 40 Millionen, zwei, unter den Offizieren jedes Grades von dem Marschall bis zu Lieutenant herunter, verthcilcn lassen, und war auch auf den General Klein eine namhafte Summe entfallen. Tiefer hatte bcschlopen, das Ehrengeschenk wohlthärigen Zwecken zu widmen. Er ließ den Vorsteher der Judengemeinde und den neuen Bürgermeister, den ehemaligen Rath Weckelsbach rufen, und übergab ihnen einen großen Betrag zur sofortigen Verthcilung an die Armen ihrer durch die schweren Kricgszeiten hart bedrängten Gemeinden. Ucberdies überreichte er dem jüdischen Gemeiudevorsteber eine von der Generalin, Sara Klein, geborene Brack, gefertigte Schenkungsurkunde, über das ihr eigcnthümlich gehörende, von ihren Eklem