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Der Israelit · 1887-05-26 · Heft 41 (26.5.1887) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 41 (26.5.1887)
Date
1887-05-26
Page
– (sequence 11)
Language
German
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727 ererbte Häuschen, in der dortigen Iudenstadt, an die Iudcngemcinde mit der Bestimmung. daß dieses einem würdigen und dürftigen Talmudgelchrten als Wohnung angewiesen werde. Ter General fügte dieser Schenkung ein Kapital von zwölfhundcrt Gulden hinzu, dessen Interessen, insoscrnc sse nicht etwa für norhwcndigc Reparaturen des Häuschens verwendet worden mußten, dem Stiftsradbincr an dem Todcsjahrestage seiner Murtcr ausgezahlt werden sollten. Dem Bürgermeister übergab er eine Summe von dreihundert Gulden, als Kapital einer Stiftung zur ewigen Erinnerung an seinen unvergeßlichen Lehrer und Gönner, Pfarrer Willibald, mit der Verfügung, daß die Interessen desselben einem armen in W. geborenen Knaben, ohne Unterschied der Eonsession, der mit Erfolg da- Gymnasium besuche, am Todesjahrestage des Pfarrers, als eine Aufmunterung ausbczahlt werden sollten. Michael hätte gerne auch das Grab seines Vaters in Ungarn besucht; aber die kleine Gemeinde an der türkischen Grenze, auf deren Friedhöfe die irdischen Reste seines Vaters ruhten, lag zu weit entfernt, und da er mit der französischen Armee die österreichische Monarchie verlassen mußte, war er zu seinem tiefen Bedauern gezwungen, seiner Absicht zu entsagen. Als der General und die Generali« W. verließen, hatte sich die ganze Einwohnerschaft des Städtchens, der Bürgermeister und der Indeuvorsichcr an der Spitze, versammelt. Jedermann, namentlich jene, welche Michael Klein als Kind oder Knabe, als Aron Bracks Pflegcsohn gekannt hauen, wollten den Mann, welcher eine so wundersame Lebensbahn durchlaufen, sehen, und eine große Mcufchcnmcngc folgte dem eleganten Rciscwagcn bis weit vor die Stadt hinaus. Es waren völlig unschildcrbarc Gefühle, welche die jungen Ehegatte» erfaßten, als sic die Stadt verließen, in welcher Michael seine Knaben- und Iünglingszcit verlebt harte. Jedes Hans, jeder Hügel, jeder Baum, jeder Strauch rief die intensivsten und erschütterndsten Erinnerungen in ihnen hervor, und ihr venlosscncs Leben zog einem Wandclpanorama gleich an ihrem geistigen Auge vorüber. Tiefen Weg war Michael das Erstemal mit seinem todtkrankcn Müncrlcin gezogen, und noch jetzt nach einem rollen Viertcljahrhnndcrt glaubte er all das Entsetzen. die Todesangst, die Hoffnungslosigkeit zu fühlen, die danrals sein arme».Kindcsdcrz mit endloser Wuchr bedrückte. . . . Auf diesem Weg war er kurz darauf hinter der Bahre seiner vielgeliebten unvergeßlichen Mutier geschritten; — auf diesem Wege war er mit Sara feiner Verlobten geschritten und sie waren Lorenz Horneck-Go! - zingcr begegnet — auf diesem Wege war er kurz darauf ein verfähmtcr, vogclfteier, verzweifelnder Mann aus dem Kerker entflohen; und vor etwa einem Monate hatte er auf diesem Wege das verloren geglaubte Glück seines Lebens, seine todtgeglaubte Verlobte wicdergcfunden, auf diesem Wege war — welch' Gegensatz gegen sein erstes Anlangen und seine Flucht! — als sieghafter General cingezogen und nun fuhr er. sein treues, edles, geliebtes Weib an der Seite, ein glücklicher zufriedener Mann, seiner Heimath, seinem Vatcrlande zu. Unwillkürlich hatte Michael — als fürchte er einen lebenslangen Traum geträumt zu haben, aus dem er, erwachen könnte, als fürchte er sein junges herrliches Weib könne ihm, wie ein Traumbild verschwinden, wie ein lata morgrw» in Nichts zerfließen, sie umschlungen und an sich gepreßt, und war in tiefes Schweigen versunken. Sara erkannte in ihren eigenen Gefühlen, waS in der Brust ihres Gatten vorging. Diese waren cigcnthümlich zusammengesetzt. TaS Empfinden des höchsten Glücks rang mit der tiefen Wchmuth für immer von der Stätte ihrer Jugend, ihrem Geburtsorre, wo die irdischen Hüllen ihrer Eltern ruhten, von der Stätte, an die sich die thcnerstcn, die heiligsten Erinnerungen knüpften, zu scheiden. Ter Wagen ivar jetzt an jene Stelle der Straße gelangt, wo sich der Weg zu dem Bes ha chajim adzwcigt. Als sich dieses, auf einer Berglehne liegend, ihren Blicken darbot, befahl Michael dem Kutscher zu halten. Tie beiden Gatten stiegen ans und schritten wortlos dem Friedhofe zu. Ter «General hatte dort seine Mutter, die Generalin ihre Eltern, die ja auch Michaels Pflegecltcrn und Wohlthätcr gewesen, dort ruhen, und Beide beteten mit tiefer Inbrunst an den Gräbern ihrer geliebren Todtcn. „Sara, mein süßes thcurcs Herz", sprach endlich der General „cs muß ja doch, wenn eS uns auch noch so schwer fällt, von dieser weihevollen Stätte geschieden worden! .... Aber cs muß ja nicht für immer sein. Frankreich, mein Vaterland, Deine neue Heimath liegt ja nicht aus der Welt, wenn uns die Sehnsucht wieder hierher zieht, so kehren wir später in ruhigeren Zeiten, die, so'S Gott beliebt, doch wieder einlreten werden, zurück, um die Gräber unserer Lieben zu besuchen.- „C, mein herrlicher, edler Gaue!- rief Sara mit überslrömcndem Gefühlt, „wie dank' ich Dir für dieses schöne Versprechen, das mir Beruhigung in die Seele gießt. Du hast in meinem Herzen

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