Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 41 (26.5.1887)
- Date
- 1887-05-26
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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722 und in erster Reihe mag die jüdische Lesscutlichkeit hierbei des Führers der Bewegung gedenken. deS Herrn Rabb. Tr. Hildesheimer, der mit rastlosem Eifer durch Wort und That seine Kräfte feit vielen Monaten bis eine Stunde vor Beginn der Plenarsitzung vom Mittwoch in den Dienst der gemeinsamen Sache freudig gestellt bat. Mögen alle jene Männer sich in dem erhebenden Bewußtsein reich belohnt finden, zu einem Kiddusch liäschern sondergleichen bcigetragcn zu haben. Alle unsere Glaubensgenossen aber möge der glänzende durch gemeinsame Mühen erfochtene Sieg an die ewig wahre Geschichte von jenem Pferlbündel erinnern. das geschlojicn eine unbczwinglichc Widerstandskraft verleiht, gelöst aber vor dem leisesten Windhauche zerstiebt. Bl. Berlin. 22. Mai. Ter deutsche Reichstag hat ein für unser religiöses Leben überaus bedeutsames Kunftburtergesetz bcschloycn, durch da» in Zukunft zahllose unbewußte Ucbcrtretungen de» ReligionsgesetzeS verhütet werden dürsten. Tie mit Fett gemischte, also rituell streng verbotene Kunstbutter wird von jetzt ab den Namen „Margarine" tragen. — Ta» Leiden des Herrn Rabbiners Tr. Frankl hat sich leider in bedenklichster Weife verschlimmert. Ter allgemein geachtete und beliebte Prediger steht in dem blühenden Alter von Jahren. Möge seine Natur den Sieg über die tückische Krankheit erringen! — Ter berühmte Rechrslehrer Prof. Tr. Ltto Stodbe in Leipzig, der Berfaycr der vonrcnlichcn „Geschichte der Inden in Deutschland" und Mitglied der historischen Eommijiion de» D. I. G. B. ist am N«. d. im Alter von 55» Jahren verstorben. — Frau Nanni Goldberger, die erst jüngst von der .Kaiserin mit dem Lniscnordcn geschmückte Vorsteherin verschiedener humanitärer Anstalten der jüdischen Gemeinde, verstarb gestern im Alter von 60 Jahre». Papenburg. Am 72. Mai fand hiersclbst die Einweihung unserer ncnerbanten Snnagoge statt. Dieselbe vollzog Herr Landrabbincr Dr. Buchholz aus Emden. Tie äußerste gediegene Wcihercde, welche wohl l Stunden währte, fcsiclte alle Zuhörer aufs Höchste. Unter den Letzteren befanden sich auch eine bedeutende Anzahl unsrer christlichen Mitbürgers die sich auch in anderer Weise an unserem Feste betbeiligten, indem sie alle Gebäude, durch welche sich der Festzug bewegte, mit zahllosen Flaggen geschmückt harter!. Der Einweihung schloß sich um 3 llhr ein Festmahl an, welches die Fcststimmung erst zur Geltung brachte. Verschiedene Toaste, welche der Herr Landrabbiner mit dem auf unseren erhabenen Kaiser eröffnete, wurden während der Tafel auSgebracht. England. Bonbon, 13. Mai. Bei deu am 8. d. stattgehabten Wahlen der: „United Synagogues of London" wurden auch zwei Deutschen au» Frankfurt a. M. Ehrenämter zuertheilt. Herr Jakob Schwarzschild wurde in da» Eomite der Noltinghill Synagoge gewählt, während Herr Hermann Meyer in da» Eomile der Tukes-Place-Synagoge und in den Eouncrl der „United Synagogues" kam. — Feuilleton. Die KonverMin. Friedrich Rott. (Fortsetzung.) Alcrandcr übersetzte und erläuterte die Hagadah, mit unverhohlenem Interesse lauschte die Gouvernante seinen Worten. Doch als er eine» der ungesäuerten Brodc cntzweibrach. c» in eine Serviette einschlng und ans einen Moment ans die Schulter hob, und daml zu seiner jüngsten Schwester gewendet. sagte: „Sichst Tu, Fini, so sind die Kinder Israel aus Aegypten gezogen." Ta fuhr Marina zusammen und starrte den Sprechenden an, und dann preßte sic die eine Hand an die Stirne, a!» wolle sic mit aller Macht ihr Erinnerungsvermögen anfpannen. Dieselben Worte, begleitet von dieser selben Bewegung, haue sie einst vernommen — vor vielen, vielen Jahren — das wußte sic mit Bestimmtheit. Aber wo? — wo? — Fester noch preßte sie die Hand an die Stirne — wo halte sic diese Worte vernommen? — Im Kloster nicht, dcsss war sie sicher — aber wo denn sonst? — Unwillkürlich glitt ihr Blick über den Tisch. Terarrige Silbergerärhe hatte sie nie gesehen — aber solche ungesäuerten Brode sah sie nicht zum ersten Mal vor sich — doch vermochte sie sich nicht zu entsinnen, wo sie sie gesehen. — Noch immer baue sie die Hand an die Stirne gepreßt, dann aber ließ sie sie hinnnrergleiren. daß sic die Augen bedeckten, als wolle sie hiedurch ihren Blick zwingen, zurückzuschaucn über ihr ganzes vergangenes Leben. —