Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 40 (23.5.1887)
- Date
- 1887-05-23
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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706 feint eitlen und unnützen Dingen, so mackt er sich einer der grössten Sünden schuldig mv, i-urs yv; denn das Thoralernen ist das grösste und wichtigste aller Gottesgebote, da es uns zur Erfüllung aller übrigen Gottesgebote veranlag. Wir wollen diesen Erklärungen noch eine hinzufügen. Ter weise König sagt (Äischle E. tr. B.-».): -.^-2 cjn v.c ’rs „Bis wie lange, Träger, wirst du liegen, wann wirst du ausstehen von deinem Schlafe'i* Tie Erklärer des heiligen Cchriftworts fragen, warum Salomo nicht sagt: bis wie lange, Träger, wirst du schlafen, wann wirst du erwachen von deinem Schlafe? Aber, sagen sie, der weise König spricht hier gar nicht von dem Schläfer, welcher der Natur den schuldigen Tribut zollt, sondern von dem, der wachend im Bette liegt und allerlei lüsternen Phantasien nachhäugt. Ein solcher Zustand ist namentlich für den Jüngling ein höchstgesährlicher und dazu geeignet, ihn aus die Wege des Lasters zu führen. Wer vom Schlafe gesättigt ist. soll rasch ausstehen, sich waschen, anlleiden, die Snnagoge besuchen und dann sein Tagewerk beginnen. Wer aber bei Nacht erwacht; er kann nicht ausftehen. weil es ihm an Licht oder Feuer fehlt, der soll seine Gedanken mit dem beschäftigen, was er Tags zuvor oder früher gelernt hat und seinen Geist nur ernsten Dingen zuwenden. 2i>er aber statt dessen jenen lüsternen Phantasien nachhängt, der ist selbst schuld an dem llntergauge seiner Seele. An einer andern Stelle (Mischle E. 4. V. 23) ruft der weise König dem Jünglinge zu: „Vorzüglich wachsam sei aus dein Herz; es ist die Quelle des Gebens." 2L'ic mancher Jüngling muss das elterliche Haus verlassen und in die fremde ziehen, um seine .Kenntnisse zu vermehren und für seinen künftigen Lebeusbcrus sich vorzubereiten! Allen Verführungen, allen bösen Leidenschaften ist der allein auf seinem Lebenswege Wandelnde ansgesetzt. Nur Eines kann ihn schürzen: er muss den Ernst des Gebens mit aller Macht erfassen und darf sein Herz nicht eitlen und nicht unnützen Dingen zuwenden. Wenn ein Jüngling, der fern von den Seinen in der Fremde weilt, sich einen Lehrer sucht, der seine Thorakenntuiss fördert, sich einen Genossen erwirbt, mit dem er gemeinschaftlich in der Lehre unsres Gottes forscht, dann wird er geschützt sein vor Verführung und vor der eigenen Leidenschaften Macht. Wenn er aber nur aus Eitles sinnt, Wirthshäuser und lose Gesellschaften besucht, überlegt, ob er seinen freien Abend im Theater oder im Eireus zubringen soll, der wird gar bald von dem Strudel des Lebens erfasst werden und selbst schuld sein an dem Untergange seiner Seele. Wende daher, o Jüngling, dein Herz der Gotteslehre zu: sie wird dir die beste Stütze fein; daun wirst du sicher wandeln deinen Weg, denn der Ewige wird fein dein Beschützer, wird bewahren deinen Fuß vor jeder Schlinge! — (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und (Korrespondenzen. Deutschland. Aus der Provinz Ltarkenbnrg, 12. Mai. Ein Akt grosser Rohheit, welcher die religiöse Duldsamkeit in trübes Licht zu setzen geeignet ist, wurde auf dem israelitischen Friedhose zu Groß-Gerau verübt. Es wurden nämlich eine Anzahl der schönsten Grabdenkmäler umgeworfen und beschädigt. Es wäre sehr zu wünschen, daß man die Tbäter, denn Einer kann diese Rohhen allein nicht verübt haben, ausfindig machen und einer gerechten Bestrafung entgegensühren könnte. Blankenburg. H. M. Glaser wurde zum unbesoldeten Stadtrath auf fünf Jahre gewählt, nachdem derselbe 15» Jahre als Stadtverordneter thätig war. Es wohnen hier nur 2 Juden. Forbach (Elsaß). Am is. April wurden auf dem hiesigen isr. Friedhofe sieben Grabsteine demolirt. Die isr. Gemeinde hat eine» Preis von 40 M. auf die Entdeckung der Thäter ausgesetzt. Vor einigen Jahren wurde eine gleiche Rohheit auf demselben Platze verübt. Frankreich. Paris. Bei den jüngsten Stadtrathswahlen gingen die Herren Strauß und Mayer siegreich hervor; Herr Nareisse Lcven kommt in Ballotagc. Ter Bruder des Letzteren wurde zum Mitgliede des Gcueralrathes des Eantons St. Denis gewählt. Feuilleton. Michael. ^krrLhlung von S. Lohn, Ansager vor» Gabriel. (Fortsetzung.) „Sie sprachen, von einer peinlichen Unterbrechung, Eapitäu," meinte der General, „worin bestand dieselbe?- „Kürassier-Major Ealincourt, welcher die für uns unglückliche Affaire in W., wo unsere Truppe» von einer bedeutenden Uebermacht unter Fürst Tolguruky angegriffen und nach tapferer Gegenwchr mir großem Verluste aus der Stadt gedrängt war-