Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 40 (23.5.1887)
- Date
- 1887-05-23
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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707 Len waren, mitgemacht, hatte damals einen österreichischen Offizier bei den Russen gesehen, welcher aktiven Amhcil an dem Kampfe nahm, namentlich von einer Mauerccke gedeckt, auf die unsrigcn schoß und mebrere Mann tödtcte oder kampfunfähig machte. Der Offizier war ihm nicht dem Namen, wohl aber der Person nach bekannt, und er hatte ihn an einer Schmarre, die sich über die Wange Hinsicht, wieder erkannt. Major Ealincourr hatte ihn bei lllm unter den mit Mack gefangenen Offizieren gesehen, welche gegen ihr Ehrenwort ein Jahr lang nicht gegen Frankreich sh dienen entlassen wurden. Tiefer Elende iss gewiß der Einzige der kricgsgcfangcnen österreichischen Offiziere. welcher fein Ehrenwort gebrochen. Ein solcher Wortbruch wird bei allen civilisincn Nationen als ein Verbrechen betrachtet. Wohin würde mau gelangen, wenn ein Offizier ungestraft fein Ehrenwort bräche und sofort seine Waffe gegen jene richten würde, die feiner Ehrenhaftigkeit unbeschränktes Vertrauen geschenkt'/ .... Unsere braven Soldaten, die von der Hand dieses Schurken gefallen, hat dieser nicht in ehrlichem .Kampfe gcrödtct, er hat sie ermordet! — Major Ealincourt hatte ihm damals „Schurke!" zugedonncrt und hätte ihn gerne zum Gefangenen gemacht, aber die Unsrigcn mußten sich zurücksichen, und Major Ealincourt Halle scheu die Hoffnung aufgcgebcn, den Elenden zur Verantwortung zu ziehen, und sich fest vorgcnommcn, bei darbietcndcr Gelegenheit, der österreichischen Heeresleitung die Lchandrhat eines ihrer Offiziere zur Kcnntniß zu bringen, überzeugt davon, daß das tapfere und ritterliche Offizier-Korps, ein so entartetes Mitglied nicht in seiner Mitte dulden, daß er österreichifchcrscits der verdienten Strafe nicht entgehen würde. Heute begegnete ihm Ealincourt. Ter österreichische Obcrlieutcnant hatte sich dadurch unkennbar zu tnachcn geglaubt, daß er seinen Schnurrbart abraurte, bürgerliche Kleidmag und eine graue Pcrrückc angelegt hatte. Alleist Ealincourt« scharfer Blick erkannte ihn troydcm all jener Schmarre, die ihm in seinem Gesichte, sowohl lei derKapitulation von Ulm, als bei dem UcbcrfoLc von W. ausgefallen war. Ter Major ließ ihn von einer Patrouille verhaften und vor den General Naufouty führen. Wir befinden uns vorläufig doch noch immer in Feindesland, und dürfen nicht an un-> rechter Stelle Milde und Nachsicht üben. Seine Identität und sein Eidbruch wurden rasch durch glaubwürdige Zeugen erwiesen. General Naufouty mußte ihn zum Tode verurthcilcn, und das Urtheil wird wohl in wenigen Minuten hier in dem zweiten Hofe, in welchem man durch dieses Fenster hinabsehen kann, vollstrcckt werden. Mademoiselle/ wandte sich der Adjutant höflich an Sara, „ich bemerke so eben, daß die Vorbereitungen zu der Execution vorgenommen werden. Der Major, der sie zu leiten hat, betritt von einem Peleten Chasseurs gefolgt, den Hof. Ohne Zweifel wird auch der Delinquent sofort vorgeführt werden. Wir Soldaten sind an derartige Sccnen gewöhnt, das ist der Krieg: aber Ihnen, Mademoiselle, dürfte ein solcher Anblick unangenehm sein, wollen Sie nicht die Gnade haben, einen Schritt zurückzutreten/" Michael und Sara mußten sofort errathen. daß der zum Tode vcrurthcilte Ofsizier, der sein Ehrenwort gebrochen, Lorenz Horncck-Golzinger war. Die Erinnerung an diesen regte Sara im höchsten Grade auf. Er hatte endlos schweres Unglück über sie und ihre Theucrstcn gebracht, er harte cs verschuldet, daß ihr Vater frühzeitig eines plövlicheu Todes gestorben, er hatte sic und Michael nufchilderbar unglücklich gemacht, und hätte sie noch unglücklicher gemacht, wenn nicht Gottes wunderbare Huld diesen gerettet, die beiden Trculiebenden wieder vereinigt hätte. Ein leichtes convusivisches Beben durchflog ihren schönen Körper, Lcichenblüsse überzog ihre Wangen. Michael hatte in den sieben Jahren feiner Trennung von Sara, nicht verlernt, in ihrer Seele zu lesen und erkannte den Grund ihrer Aufregung, allciu der Adjutant mußte annchmen, daß das österreichische Mädchen, wenn auch jetzt die Braut eines französischen Generales, dem zum Tode Vcrunbciltcn, wenn auch nicht ihre Sympathien, so doch mehr Mitleid, als er verdiene, zuwcnde und er sprach: „Mademoiselle, Sic schenken Ihre Theilnahme einem vollkommen Unwürdigen, seine Strafe ist nach den Kricgsgcbränchcn aller civilisirlen Nationen eine wohlverdiente. Ihr Verlobter, der Herr General, wird gewiß die Güte haben, dies zu bestätigen, und ich bin in der Lage auch noch einen zweiten Gewährsmann anzuführcn, dessen autorativcr Ausspruch Sie, Mademoiselle, gewiß gleichfalls beruhigen wird. Ter österreichische Fcldmarschall - Lieutenant Fürs! Johann Lichtenstcin, einer der ersten Edellcute Oesterreich«, ein Kricgshcld, der sich des VerttaucnS feines Monarchen und der Achtung unseres Kaisers erfreut, war eben anwesend, als der Gefangene eingebracht wurde, und war über das unwürdige Benehmen desselben empört, erklärte ihn als einen Schandfleck der österreichischen Armee, und forderte General Naufouty auf, mir der vollen Strenge des Gesetzes zu verfahren. Fürst Lichtenstcin hielt es imJntcrcne aller kriegführenden Nationen fürnothwendkg ein abschreckende« Beispiel zu stamircn."