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Der Israelit · 1887-05-23 · Heft 40 (23.5.1887) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 40 (23.5.1887)
Date
1887-05-23
Page
– (sequence 3)
Language
German
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rung die Gutachten prüfen wird, sie wird zu demselben wunderbaren Resultate wie alle Fachautoriräreu gelangen, daß davor Jahrtausenden den Israeliten gebotene Schächten noch heute das humanste Tödlungsvcrsaßrcn genannt werden niünc. Hätte Herr v. GoldsuS vielleicht noch dem Hause mitgetheilt, da» die Thierschutzvcrcinc noch in lcprcr stunde vergebens sich bemühten, den Passus gegen das Schächten z u rück zu ziehen, und da» Fürst Bismarck am 26. Juli 1^6 dem Kissingcr Rabbiner sagen ließ, da» die deutsche Reichsrcgicrung niemals dem Verlangen der Thierschutzvereine Folge leisten werde, die Debatte wäre überflüssig geworden, Cs ist gut, da» die Debatte zu tnrdc geführt wurde, denn sic hat in den die thicrschüplcrischcn Bestrebungen cinmüthrg vcrurthcilenden und unsere Gewissensfreiheit verfechtenden Reden der Wortführer des Hauses den stritten BeivciS gtlicfen, da» die Tage des modernen Judenhanes gezählt sind und da» ein rancuanriscutitifchcr Abgeordneter heute seinen Beruf verfehlt hat, der gestrige Dag hat gezeigt, da» zwei mal zwei vier ist und da» die Weltgeschichte sich doch bewegt. — Ad. Bl. Wir lassen nunmehr den Bericht über die Verhandlung folgen: Ans der Tagesordnung stehen Pclitioucrr, zunächst die des Verbandes des Ddierfchuvvcrcins des deutschen Reiches betr. den Mißbrauch bei dem schlachten der Schlachtldiere (Schächrcn.) Tie Kommission beantragt drcsclbe dem Herrn Reichskanzler zur Erwägung zu überweisen, ob und aus welche Weise insbesondere durch Abänderung des Rcichsstrafgcsckbuckcs den in den Petitionen geltend gemachten Mißständen entgegcnzulrcteu ist. Abg. Win dt Horst beantragt, über die Petition, soweit sic das Schächten bcirifit. zur Tagesordnung überzugehen, eventuell hinter den Worten: „des Ncichssirasgcsckbllchcs" cinzuschalten: „unter rhunlichstcr Schonung religiöser Gebräuche." Referent Abg. Gold fuß: Tie vorliegenden Petitionen haben dein Reichstage bereits in der vorigen Session Vorgelegen. Der Beschluß der Commission hat in den jüdischen Gemeinden eine große Bewegung hervorgcruscrt, so da» mehr als 2000 Petitionen in der Annahme des Antrages der Kommission eine schwerwiegende Beeinträchtigung der rituellen jüdischen Gebräuche erblicken. 15Ö Gutachten von Sachverständigen und wissenschaftlichen Autorirätcu erklären das jüdische Schächten für die möglichst schmerzlose Todcsart. Tie Commission har anerkannt, daß cs einer Verde» crung des Strafgesetzbuches bedürfe, um auf eine humanere Behandlung der Thicre namentlich auch beim Schlachten hinzuwirkcn, ohne sich jedoch für eine besondere Art des Lchlachtcns zu erklären. Der Antrag des Abg. Windthorst hat der Commission bereits Vorgelegen. Tnrch die Ablehnung desselben hat sie nichl sagen wollen, daß sie nicht bereit fei, den Bestrebungen der jüdischen Gemeinden Rechnung zu tragen, sondern nur, daß sic sich der Benrthcilung der einzelnen Schlachrarten enthalten wolle. Abg. Windthorst: Ich will nicht bestreiten, daß beim Schlachten im Allgemeinen Mißbräuche vorkornmen könncir, und würde mit Rücksicht hierauf den Beschluß der Commission nicht beanstanden. WaS mich aber bei diesen Petitionen besonders iutcrcssirt ist das jüdische Schächten, das zu meinem Bedauern mit dem übrigen zusammen gelegt ist. In der großen Anzahl von Petitionen unserer jüdischen Mitbürger und in dem Gutachten von sachverständigen, z. B. Birchow's, ist mit großer Bestimmtheit hervorgehoben, daß mit diesem Schächten keinerlei Thierquälerci verbunden ist. Wenn das aber der Fall ist und selbst wenn cs nicht der Fall wäre, so sollten wir uns hüten, in alte Gebräuche unserer Mitbürger israelitischen Bekenntnisses cinzugreifcu. Ich habe mich nach der Sache umgcschcn und mich überzeugt, daß die orthodoxen Juden ein großes Aergcrni» selbst an dem Anträge der Commission nehmen werden, weil sic in Konflikt kommen mit den Anschauungen, die sic von Jugend auf gehabt, die aus der mosaischen Zeit herstammcu und sich auch in der ersten Zeit des ChriftcnthnmS wieder sinden. Man sollte auf das Zarteste die Gewisse» der Untcrthancn schonen. Was das heißt, wenn dies nicht geschieht, haben wir zu allen Zeiten auch in neuerer Zeit genügend erfahren, und wenn ich immer dafür gekämpft habe, daß man Jedem nach seinem Glauben zu leben gestalten soll, so will ich auch denselben Grundsatz den Juden gegenüber zur Geltung bringen. Aus diesem Grunde wäre ich der Meinung, daß wir über die Petitionen einfach zur Tagesordnung übergehen, so weit sie sich auf das Schächten beziehen, und die übrigen Petitionen nach dem Beschluß der Kommission der Regierung zur Crwägung überweisen. Darauf richte ich zunächst meinen Prizipalantrag. Lolltc er aber wider Crwartcn abgelchnt werden, dann bitte ich, mindestens meinen Cvcnrnalantrag in den Kommissionsantrag hineinznredigkren. Ich betone nochmals, esist eine große Agitation und Beunruhigung unter den' jüdischen Mir'bürgcrn entstanden, und cs hat nicht an Deputationen bei mir gefehlt, welche mir die Bcdrängni», in welche sie kommen würden, falls

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