Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 39 (19.5.1887)
- Date
- 1887-05-19
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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694 in das Gemeindehaus. Die Menge folgte schreiend und bewarf die in gesegneten Umständen befindliche Frau Pollaks mit einem Hagel von großen Steinen. Tie Unglückliche wurde so hart betroffen, daß sie bewußtlos zusammcnsank und fortgetragen werden mußte. Tie Familie und die Verwandten Pollaks wurden noch im Laufe der Nacht aus freien Fuß gesetzt, während Pollak weiter in Haft behalten wurde. Der Kompagnon Pollaks, Adam Bleuer, begab sich heute nach Buda-Eörs, wo er eine beträchtliche Kaution erlegen wollte, damit Pollak auf freien Fuß gesetzt werde, welchem Verlangen jedoch nicht ftattgegebeu wurde. Heute Nachmittags erschien der hauptsrädischc Advocat Geza Polonyi in Buda-EörS, um die Freilassung Pollaks zu erwirken, was jedoch auch ihm nicht gelang. — Andern Berichten zufolge harte der sonntägige blutige Exceß in Luda-EörS antisemitische Färbung. Prcßburg. Dem XVIII. Gebahrungs-AusweiS des in Prcßdnrg besiehenden fauctiouirten Vereines vtP rens (Seelenheil) für daS Jahr 1885—1886 entnehmen wir: Tie hohe Ziffer und Zahl der vom Vereine verköstigten, erquickten, in ihrem religiösen Gewipen beruhigten Kra:.'en verkündet überzeugender als jede beredte Lobeserhebung, das höchst heilsame Wirken dieses humanen, frommen Institutes. Der vorliegende Rechenschafts-Bericht documentirt, daß die Vercinsleitung nicht auf's Eapitalsammeln, sondern auf die Erweiterung des Wirkungskreises und die heilsame Ersprießlichkeit des heiligen Vcreinszweckes ihr Augenmerk richtet, indem auch durch die Versorgung mit Frühstück und Nachtmahl, zum Wohle der Leidenden, ein Fortschritt angcstrcbt und rcsultirt lmirdc. ^Mügen von der Vorsehung gesegnete Männer mit ihrem Einfluß auf Andere, mit ihren edlen Spenden, mögen Gemeinden und edle Körperschaften diesem jungen, seiner großen Aufgabe ohnmüchrtigen Vereine ihre Unterstützung znfticßen lassen, damit das edle Werk des Vereines zur Linderung und Beruhigung leidender Menschen fortcrhalten werde." Der VercinSvorstand sieht sich nothgedrungen, die auswärtigen löblichen Gemeinden, besonders die nachbarlichen, welche in den ersten Jahren der heilsamen Wirksamkeit des Vereines, dessen heiligen Zweck cirrfcbend und würdigend ihre Unterstützung dem Vereine.angedeihcn ließen, aber seit einigen Jahren znrückbttebcn, — ciudringlichn auzurmen und zu bitten, daß sie diesem gottgefälligen und leidenden Menschen wohlthuenden, nach außen und innen wohl und heilfördernden Institut — ihre spendende und schützende Hand nicht entziehen. Tiefbctrübend wäre es für den Vorstand, den kranken ans nicht beisteuernden Nachbar-Gcm.i'ndm die Koschcr-Kost versagen zu müssen und dem Getvisscn der Gemeinden zu übertragen — weil er sonst gegen die'zu Unterstützenden, feiner PstiLr nicht Nachkommen könnte. Eingenommen-wurden 876 fl., die bis am .'»2 fl. verausgabt wurden. In Pflege waren l«o Krankeo n. Wichaet. Erzählung von S. Kvh», Pnsaffrr von Gabriel. (Fortsetzung.) Sechsunddreißigstes Kapitel. Tic Friedcnsunterhandlnngen zwischen den kriegführenden Mächten hatten sofort nach der blutigen Schlacht bei Austerlitz — als «Drei Kaiserschlach!- wird sie in der Weltgeschichte bezeichnet — begonnen und wurden mit großem Eifer fortgeführt: allem der Abschluß derselben, verzögerte sich trotzdem in einer für die Bevölkerung höchst unangenehmen Weise. Diese Verlangsamung war zum Theilc dadurch eingetreten. daß die Interessen der beiden verbündeten Mächte, Oesterreich und Rußland, sehr verschieden waren. Dieses besand sich in einer weil günstigeren Lage als jenes, das von feindlichen Truppen überschwemmt, in der Hand eines öbermürhigen Siegers lag. und den Frieden mit namhaften Gebietsabtretungen bezahlen sollte. Allein noch weit mehr wurde der Abschluß des Friedens durch die Einmischung Preußens verhindert, welches ans der Niederlage Oesterreichs Gewinn ziehen wollte und zu diesem Zwecke unter dem Anscheine dienstfertiger Vermittelung, einen seiner feinsten Diplomaten, Grasen Hangwitz, an Napoleon gesandt hatte. Während der Unterhandlungen war ein eigenthümliches Provisorium eingctrctcn. Es waren alle Feindseligkeiten eingestellt worden, jede Partei erkannte, ohne dies offen cinzngestchen, daß man umer allen Verhälrnipen zu einem Friedensschlüsse gelangen müsse; aber in dem Publikum, welches über den Gang der Unterhandlungen im Dunkeln gehalten wurde, war doch die Befürchtung vorherrschend, dieselben würden sich zerschlagen, die Hostilitären würden wieder beginnen. Napoleon hatte feine Armee, thells um sie i