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Der Israelit · 1887-05-19 · Heft 39 (19.5.1887) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 39 (19.5.1887)
Date
1887-05-19
Page
– (sequence 11)
Language
German
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695 leichter und besser zu erhalten und zu ernähren, j Wells um die große Masse Menschen und Pferde s wenigstens auf kurze Zeit auS einer von Leichen i mrciictm Arhmosphärc und einer Gegend, in der j ünstcckende Krankheiten herrschten, zu entfernen, anf f ein weiteres Terrain verthcilt, allein wie es General r Klein voransgeschcn hatte, fand er es nach kurzer s .'feit wieder für zweckmäßig, die Truppen zu con- ' ifRirirni; entweder nach dem alten Grundsätze r-i - vj? i«u*em para bellum: ober um in der Thal - bei einem Ausbruche der Feindseligkeiten mit großen ' Massen operiren zu können. General Klei» und Sara Brack kamen, wie cs - roransbcstimmt worden, tvar in Brünn zusammen - und schon am ersten Tage ihrer Ankunft hatte jener; üinc Verlobte, welche bei der Familie Goudckraud ' wohnte, in einem Vagen abgeholt, um sie seinem i Urcundc und Chef, General Graf Nansonty, vorr- Mellen. Brünn glich einem großen Feldlager. Tie bürgerliche Bevölkerung war zum großen Thcile! flüchtet: die Zurückgebliebenen hatten sich schon in | ihre Wohnungen zurückgezogen. Gin Erlaß des : sranzösischcn Gouverneurs, Graf.vullin, hatte zwar 1 unter Androhung empfindlicher Geldstrafe«! augc- , ordnet, daß alle Gcschäftslokalitäten, die Eafe's, l alle Wirrhs- und Gasthäuser geöffnet bleiben müßten und hatte die Versicherung crthcilt, daß Niemand an feiner Person oder seinem Eigenrhum gc- - schädigt werden würde; allein diese Proklamation darre wenig praktische Erfolge, die Kaffeennd Wirrh-häuser blieben leer, ja sogar die Promenaden wurden von der heimischen Bevölkerung ge- I? mieden; wen eben nicht die äußerste Nolhwcudrgkcit dazu trieb, der vermied es die Straßen zu betreten. — ■ Trotz alledem waren diese außerordentlich belebt. T Man sah des Tages über fortwährend größere h oder kleinere Adthcilungcn Soldaten durch die; Ersten marschircn, Offiziere lustig plaudernd, die Säbelscheiden mit großem Geräusche aus dem Straßcni dstastcr nachschleppcnd, in größeren oder kleineren j ' Truppen in den Straßen und aus den Plätzen - derumslaniren, Geschütze, mitunter auch eroberte ■ russische Kanonen raffelnd dabinsahrcn, oft wurden j} Gerangene, die in der letzten Schlacht gefangen wor- « waren, namentlich Außen, von größeren Truppen- , übchtilungen escorrirt, in den Kasernen, wo sie ini ^mrr wurden, abgeliefert; dazwischen rollten Mnr miions- und Brodwagcn, welche den einzelnen f _ _ sowohl des französslchen Cldes verbündeten Heeres befanden, welche in die Spitäler gebracht wurden. Dazwischen sah man Patrouillen, Infanterie oder Eavallcrie-PiketS, um die Ordnung zu erhalten und die Reiter hielten wie diein Feindesland Brauch ist. die Finger schußbereit an den Hähnen der Karabiner. Tie vielen bunten Uniforme», das rege verschiedenartige Treiben der französischen Soldaten boten ein farbenreiches kaleidoskopisches Bild, das Sara in hohem Grade erregte, und da cs ein schöner, frischer Wintertag war, fuhren sie, trotz der ziemlich niedrigen Tcuiperatur doch in einem offenen Wagen. Sara ließ sich von Michael Vieles, das ihr unbekannt war, erklären. Er nannte ihr nach den verschiedenen in der damaligen französischen Armee sehr mannigfaltigen Uniformen, die verschiedenen Truppengattungen, die verschiedenen Grade der Offizier und Soldaten, und ließ, wenn sich ihren Blicken etwas Besonderes, Interessantes Warbst, da? eine längere Explication erforderte, den Wagen balten. Tie Verlobten hatten, um an das Ziel ihrer Fahrt zn gelangen, einen ziemlich weiten Weg zurnckzule'gcn. Gondchaud, bei welchem Sara wohnte, war in der Mitte der Stadt cinquartirt, während General Nansonty, mit seinem Stabe in der Vorstadt Kröna lag, und nebst den erwähtcn freiwilligen Verzögerungen konnten sic sich auch nur langsam durch das bunte Gclvirr durchwinden, obwohl sich jedermann, sobald er in dem Jnsaffcn des Wagens einen französischen General erkannte, beeilte so rasch als möglich Raum zu geben. — Endlich harten sie ihr Ziel erreicht, General Nansonty bewohnte ein großes weirläufigcs Gebäude, in welchem sich auch die Adjutanrur nnd die Kanzlei befanden, und dessen ebenerdige Räume zu Kasernen und Stallungen adaptirt rvorden waren. Vor dem Thore standen zwei riesige Grenadiere Wache. Das Gebäude Iefaß auch zwei Höfe. In dem ersten fanden sie Kavaleristen der verschiedensten Regimenter: Earabiner, Kürassire, Dragoner, Lanciürs, Chasseurs, Husaren, damit beschäftigt ihre Pferde zu striegeln, Waffen. und Montourcn zu putzen, oder zu rauchen, zu plaudern. zu singen. Eine Abthcilung saß in Bereitschaft zu Pferde. — Als Michael und Sara die breite Treppe emporstiegcn, begegneten sie hinauf- und hernntcrgehendcnOffizieren, Ordonanzen, welche alle den General salutirten und nicht ohne Berwunderung die Anwesenheit einer Dame, deren ungewöhnliche Schönheit ihre Bewunderung erregte» in diesen Räumen bemerkten. Im ersten Stockwerke vor der Dorzimmcrthür standen zwei Ltürassire mit blanker Waffe als Wache. Im Borzimmer fanden sie Nansonty'« Adjutanten, der ihnen eilig entgegenging und sprach:

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