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Der Israelit · 1887-05-19 · Heft 39 (19.5.1887) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 39 (19.5.1887)
Date
1887-05-19
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXVHL Jahrgang. Berlage zu Ur. 39 -es Israelit. Zcitungsnachrichtcu und Correspondeuzen. Deutschland. Frankfurt a. M., 15. Mai. Wenn die zahlreichen hiesigen jüdischen Wohlthätigkeitsanslalten und Vereine, über deren schönes und umfassendes Wirken der „Israelit" ja auch regelmäßig berichtet, den Wohlthätigkeitssinu der Israeliten Frankfurts in glänzendem Lichte zeigen, so stehen die allgemeinen Humanitären Einrichtungen hier, die dem Zusammenwirken Aller ohne Unterschied des religiösen Bekenntnisses ihre Entstehung und ihre Bestehen verdanken und auch größtentheils den Armen und Türftigcn aller Eonfcssionen zu gute kommen, nicht viel hinter den spccifisch jüdischen zurück. Ein Verein. dessen recht menschenfreundliche Bestrebungen nicht genug anzuerkcnncn sind, ist z. B. der Lcrein für Ferienkolonien armer kränklicher Schulkinder, der soeben seinen neunten Jahresbericht ausgicbt. Ungefähr zweitausend Kinder hat dieser Verein seit seinem Bestehen während der Sommerfcrien in ländliche Aufenthaltsorte geschickt und ihnen dadurch zu Jugendkraft und Jugcndmuth verholfen. Hauptsächlich durch die Erträgnisse eines im vorigen Jahre zu diesem Zwecke abgchaltcuen Wohlthätigkcirsjahrmarkts, hat der Verein einen Fond von nahezu hunderttausend Mark gcsannuelt, und thcilweise mit Hilfe der Zinsen desselben, theils aber aus den regelmäßigen Beiträgen der Mitglieder wird im Sommer eine große Zahl armer schwacher Kinder in die Ferienkolonien geschickt, im vorigen Jahre im ganzen 365 Kinder. Außerdem wurden 200 Kinder, deren Gesundheitszustand nicht unbedingt die Aufnahme in eine Kolonie erforderte, aber doch geschwächt war. unter Aufsicht zuverlässiger Hehrer täglich mehrere Stunden in den Frankfurter Wald geschickt, wo denselben dann inuner an geeigneten Stationen ein aus Butterbrot und Milch bestehendes Frühstück gereicht wurde. _ Was uns noch spcciell als Juden an der Thätigkeit dieses Vereins Interesse gewährt,. das m das gerechte und vorurthcilssrcie Verfahren, welches in demselben jüdischen Kindern gegenüber geübt wird, um dieselben unbeschadet der strengen Beobachtung der religiösen Vorschriften jm den Wohlthalen des Vereins thcilnehmcn zu lauen. So! wurde im vorigen Sommer eine bcsoudcrc Eolonic I aus 14 israelitischen Knaben und 17 Mädchen gebildet, die unter der Führung eines israelitischen Lehrers nach Beerfelden im Odenwalde geschickt wurde. Solch schöne und echt humane Art von Wohl» thätigkeit ist gewiß doppelt geeignet, das Herz jedes Menschenfreundes zu erfreuen. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Budapest, 10. Mai. In Buda-Eörs, einer Ortschaft nächst Budapest, fanden gestern, anläßlich deS Umstandes, daß der dortige Kalkbrcnnereien-Besitzer Samuel Pollak fremde Arbeiter ausgenommen hatte, blutige l?-xcesse statt. Ein Trupp von Bauern machte den Versuch, die Fabriksgebäude zu stürmen. Der Besitzer der Fabrik sah sich genöthigt, sein Gesinde sowie seine Arbeiter mit Revolvern und Jagdgewehren zu bewaffnen. Anfangs ließen sich die Tumultuanten durch blinde Schüsse in die Flucht jagen. Als sie aber merkten, daß keiner unter ihnen verwundet worden war, kehrten sie wieder zurück und versuchten aufs Reue gewaltsam in die Fabrik zu dringen. Nun feuerten die Arbeiter in die Menge, wobei fünf Arbeiter schwer vewundet wurden. Einer derselben starb wenige Minuten darauf an den Verletzungen. — Nachträglich werden über die nächtliche Revolte noch folgende Details gemeldet: Nachdem es der Menge gelungen, das Thor zu stürmen, stürzte sie in das Innere des Hauses und bedrohte die Bewohner mit dem Tode. In dieser äußersten Gefahr schoß Pollak*) auf die Angreifer und Einer von ihnen stürzte blutüberströmt zu Boden. Pollak schoß noch einmal und verwundete einen zweiten Angreifer schwer. Tie Angreifer hoben den Leichnam ihres mittlerweile gestorbenen Kameraden auf, zogen schreiend vor die Wohnung des Ortsrichters - und forderten ihn auf, Pollak zu verhaften. Der Richter weigerte sich anfangs, als die Leute jedoch drohten, daß sie ihn aushängcn würden, und seine Wohnung zu erstürmen begannen, begab sich der Orlsrichier mit dem Kleinrichter und zwei Knechten, von der Menge gefolgt, zur Wohnung Pollaks. Ter Ortsrichter erklärte Pollak und sämmtliche Insassen des HaufeS für verhaftet und führte sie •) Vir vir bereits in voriger Nummer gemeldet, war d nicht Herr Pollak, sondern sein Lerksührer, du geschossen hat. #

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