Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 39 (19.5.1887)
- Date
- 1887-05-19
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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690 imb über olle Jene, die mit ihnen in Geschäftsverbindung treten werden, den Bann anSzusprechcn. Um aber, weder der türkischen noch der österreichisch» ungarischen Negierung irgend welchen Anlast zu einer Beschwerde zu geben, wurden in dem Banne keine Rainen genannt und derselbe nur über alle jene Personen verhängt „welche, trotzdem sie dem Zudcnthnme angehören und daher wissen müssen, dast, wer den Labbat entweiht, als mwi bs yys rna (Verleugner des ganzen Gesetzes) betrachtet werden must, dennoch sich nicht enthalten können, diesen heiligen Ruhetag zu entweihen und so zugleich auch ihren übrigen Glaubenslnüdern, die den Labbat noch strenge halten, großen Kummer und großes Acrgcrnist bereiten." Dieses energische Mittel hat diesmal seine Wirkung nicht verfehlt und am nächstfolgenden Labbatc waren alle Bcrkaufslädcn der Wiener wieder hermetisch geschloffen. Sogar Herr Mayer hatte sich bußfertig an die Brust geklopft und reuevoll: Tyrs »my Tuen (Ich habe gesündigt, gefehlt und gcfrcvelt) ausgerufen. Das Motiv, daS Herrn Mayer zur Buße gezwungen, wird vom hiesigen Amtsblatte folgendermaßen geschildert: Dein l’un des conpatdes dmit 1« nom esl Mayer, si je ne nie trompe, avant vu. dit-il. en me son defuut pere menarant et lni repruehant sa conduite scandaletise envers la nation, a fait sa somnission et a ete graeie par le grand rahbin; vraisemblablement les aut res ne tarderunt pas ä 1‘etre ä condition ponrtant qu’a Tavenir ils snirront les prescriptions de la religion. Cela fait l’eloge du cour paternel du gl and rabbin et tont 1h monde ici sait l'amour qu*il porte ä tous les fideles croyants. „Schon hat einer der Schuldigen, dessen Name Mayer ist, wenn ich mich nicht irre, nachdem er, wie er sagt, im Traume seinen verstorbenen Vater ihm drohen und Vorwürfe machen wegen seiner scandalösen Führung gegen seine Ration gesehen, sei,re Unterwerfung bewerkstelligt und wurde er vom Oberrabbincr wieder in Gnaden aufgenolninen. wahrscheinlich werden die anderen auch bald (begnadigt) werden, jedoch nur unter der Bedingung, dast sic die Vorschriften ihrer Religion befolgen werden. Dieses gereicht dem väterlichen Herzen unseres Lberrabbiners mir zum Lobe, da die ganze Welt hier die Liebe kennt, die er für feine treuen Gläubigen hegt." Wir aber, rufen unfcrm allgemein verehrten Seelsorger und Oberrabdiner mit weithin schallender Stimme ein: pn (sei stark und fest.') zu, damit er noch weiter murhig und unerschrocken für unseren heiligen Glauben und dessen Gebote kämpfe und streite. r~c2 cyr. nr* er» wr t£ 'irs Nup pro njrn r-vr mj? cro .nrsr. zrr ,rn ur tt: nr rtz?? jm np vb (P. S.) De» betreffenden Bann hat unser geehrter Lberrabbiner -2 erst ain Donnerstag, 2l. d. M. ftcrc :"2) ausgesprochen, da an diesem Tage der minn rsrnp halber, die Synagogen hier besonders stark besucht zu sein pflegen und finden sich an einem solchen Tage auch die jüdischen Hausirer, Packträgcr. .Hafenarbeiter :c. zum Gottesdienste ein. Auch mußte früher noch der Ehacham-Bafchi in Konstaminopel, Rabbi Moses Levi Effendi -z, von diesem bevorstehendcit Schritte unseres Lbcrrahbiners telegraphisch verständigt werden, und so verschob Letzterer die Ausführung feines Vorhabens bis auf den bczckchnctcn Tag. Feuilleton. Are ßonverlttm. Boa Friedrich Rott. (Fortsetzung.) Seit jenem Tage nahm Manna, ohne dast die Kinder oder deren Lehrer eine Ahnung davon halten, den regsten Antheil an dem Religionsunterricht, namentlich am Sabbat, wenn Herr von Lilienfeld ihn enhciltc. Lbwohl sic sich zu dieser Zeit nie im Zimmer blicken liest, entging ihr doch kein Wort von Alexanders geistvollen Erläuterungen. Gewöhnlich wußte sie cs so cinzurichtcn, dast die Berdindungsthür nicht vollständig geschlossen war; geschah cs jedoch einmal, daß eines der Kinder sie in's Schloß drückte, so schob sie den Rachriegel vor und lehnte kniccnd das Lhr an das Schlüsselloch. Ter Winter verging unter Arbeit und heiterer Unterhaltung. Marina fühlte sich innig zufrieden durch die Liebe ihrer Schülerinnen, sowie durch die achtungsvolle Aufmerksamkeit, mit der Frau von Lilienfeld und ihr Sohn ihr begegneten. Das UebcrschreitungSscst nahte; schon viele Tage vorher plauderten die Kinder davon und auch im Hause sah Marina ihr seltsam erscheinende Vorkehrungen trcsscu. Es war am Vorabend des Rüjttages zum Feste, Marina befand sich mit den Kindern in ihrem eigenen Zimmer, da im Arbeitszimmer gegen Abend nochmals aufgeräumt worden war; die Verbindungsthür war geöffnet und staunend gewahrte die Gouvernante, wie Alexander in das Zimmer trat, in der einen Hand ein WachSkerzchcn und eine offene Schachtel, in der andern eine Sttclfcber mit langem Ban; wie suchend durchschritt er das ganze Zimmer, leuchtete in jede Rische und in jeden