Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1887-05-19 · Heft 39 (19.5.1887) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 39 (19.5.1887)
Date
1887-05-19
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2449697-2449736--26461-2516284
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

691 i;!-j Winkel. Gabriele eilte ihm entgegen und schloß! f die Schränke auf und auch dorthin ließ er den I Lichtschein fallen und blickte forschend hinein. »Was sucht Herr von Lilienfeld?" fragte Marina ■ - befremdet. I: i »Gr sucht eigentlich gar nichts," erwidette Io- J ' fefine, »er geht nur heule Abend durch das ganze j j Haus, durch alle Räume vour Boden bis in den;j | itdlcr und überall sicht er nach, ob nichts Gej säuerte» mehr da ist. Ich glaube, er wird auch; I bierher kommen. Haben Sie hier nichts Gesäuertes, i;.j Fräulein?* m' Marina verneinte lächelnd, aber mit unverholcncm Erstaunen beobachtete sie das ihr so seltj; fnnie Gebühren des Hausherrn. Joscfine hatte recht; als er feine Schwestern drinnen sah, kam er auch in das Zimmer der Gouvernante, jedoch j - ohne wie sonst sich achtungsvoll gegen sic zu verneigen. Auch hier leuchtete er in alle Ecken. Plötzlich fuhr er zusammen, er batte das lebensgroße Bild, das an der Wand hing, wahrgcnom- I men. Ohne ein Wort zu reden, entfernte er sich, um die Durchsuchung des Hanfes fortzufetzen; nach-! i. dem er diese beendet, kam er wieder in daS Kindcrzimmer. »Ich muß ersuchen, Fräulein Lwobada, daS Bild drinnen von der Wand cntfcrucn zu wollen, cs ist uns Juden nicht gestattet, derartige Bilder in unteren Wohnungen zu halten." Marina crröthctc. »Ich bedauere außerordentlich, — aber wollen Sic sich gefälligst überzeugen, das Bild ist mir zu schwer, ich bin nicht im Stande, cs herunter zu nehmen, wüßte auch nicht, wo ich cs lassen könnte." Alexander zog die Stirn in Falten, eine heftige Anwort schwebte ihm auf die Lippen, doch er bezwang sich. [1? , »So können Sie nichts dagegen haben, wenn [; : ich das Bild durch meine Leute culferucn laste." j:j: , »Verfügen Sie nach Belieben. Ich erlaube |;; mir nur noch zu erwähnen, daß ich das Bild hier [ vorgcfunden habe, meine Pathe hatte es mit der t; ■ gnädigen Frau so vereinbart. Ta ich weiß, daß | j Ihre Religion es alS Acrgerniß betrachtet, hätte ich es längst entfernt, doch, wie gesagt, es ist mir \v zu schwer. Wenn Sie cs jedoch herunter nehmen ||i lasten wollen, so bitte ich sehr, lasten Sic es gc- M fälligst entfernen."; ji 13. Kapitel. Es war am ersten Fesiesabend. Obgleich Frau von Lilienfeld selbst nicht viel darauf hielt, um chres Sohnes willen sah sie doch darauf, daß im Hause Alles streng nach Vorschrift gehalten wurde, und hielt auch aus diesem Grunde eine streng religiöse Haushälterin. »Es dürfte Ihnen heute Abend zu langweilig bei uns werden, Fräulein," sagte sie zu Marina, »wenn es Ihnen gefällig ist, bleiben Sie in Ihrem Zimmer, ich schicke Ihnen das Souper hinauf." »Ach, bitte nein, Mama," rief Gabriele, »laß* Fräulein nicht oben csten, cs wird ihr gewiß nicht langweilig bei uns fein." »Thun Sie, wie es Ihnen angenehm erscheint, Fräulein, an unferm Tische sind Sie, wie Sie es ja wissen, stets willkommen; nur in Ihrem eigenen Interesse habe ich meinen Vorschlag gemacht. Tenn wenn die Kinder auch all den Firlefanz des heutigen Abends interessant finden. Sie dürften sich trotzdem dabei langweilen." »Tie Kinder haben mir schon sehr viel davon erzählt," entgegnete Marina lächelnd, »ich gestehe, meine Neugierde ist erregt, und wenn ich nicht fürchten niüßte, durch meine Anwesenheit zu gegenircn —" »Keineswegs Fräulein, ich wollte nur nicht, daß Sie sich verpstichtet halten, sich mit uns zu ennmiiren. Aber wenn es Sie imeressirt, so find Sie von Herzen willkommen." »So werde ich mir erlauben, wie gewöhnlich an Ihrem Tische Theil zu nehmen, gnädige Frau." Frau von Lilienfeld nickte ihr freundlich zu und entfernte sich. »Wir werden heute im Salon speisen, Fräulein", sagte Joscsiue; »kommen Sie, wir wollen Ihnen alles zeigen und erklären, ehe Alex au» der Synagoge kommt, denn dann setzen wir uns gleich zu Tische." »Aber wir essen noch lange nicht", fiel Gabriele ein, »zuerst erzählt und erklärt Alex —aber Sie werden schon sehen." Sic zogen die Gouvernante hinein in den bereits glänzend erleuchteten Salon, in dem eine lange Tafel gedeckt war, überreich mit silbernen Geräthen besetzt. »Erwartet Frau von Lilienfeld Gäste?" fragte Marina. »Vielleicht bringt Alex einige arme Durchreisende mit auS der Synagoge", sagte Gabriele, »aber alle unsere israelitischen Leute essen heute mit uns am Tisch. Tie Haushälterin kund die Köchin und das liüchenmädchen, der Buchhalter und vielleicht auch einige junge Leute aus dem Eomptoir und —" ..Alex ist schon da," rief Josefiue und sprang zur Thür,. dem Bruder entgegen, der eben, wie

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.