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Der Israelit · 1887-05-19 · Heft 39 (19.5.1887) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 39 (19.5.1887)
Date
1887-05-19
Page
– (sequence 4)
Language
German
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688 Dort bemächtigten sich seiner vier Soldaten, zwei festen sich auf seine Füße, zwei hielten ihm den stopf und der Herr Oberlieutenant hat höchst persönlich dem Unglücklichen die Srockftrciche aufgezählr und zwar so lange, bis daß er ohnmächtig geworden und die äußerste Gefahr sich zeigte. Um den Mann zur Besinnung zurückznbringen, begoß man ihn schaffweise mit Waffcr. „In gleicher Weise ließ dieser Herr Obcrlieutcnant den Kutscher dieses Bäcker? behandeln. „So unglaublich diese Thatsachen erscheinen, so ist an dieser Schilderung nichts übertrieben. „In Gegenwart zahlreicher Personen hat sich dieser Herr Lbcrlicutcnant, welcher gegenwärtig in Körnen bürg bei Wien statronirt sein' soll, dieser Hcldcnthatcn gerühmt. Oporzec in Galizien, 29. April 1587. Hirsch Löw." Wien, 13. Mai. Ter hiesige Korrespondent der „Times" telegraphirt seinem Blatte unterm 10. d. Folgendes: „Das Nene Testament, welches von dem verstorbenen Nev. Jsak Salkinson, ehemaligem Miffionar der englischen Bibelgesellschaft unter den Juden Wiens, ins Hebräische ist übertragen worden, wurde hier in einer zweiten Auflage von 120,000 bopien gedruckt. Bon dieser Anzahl wurden nun 100,000 Stück, von einem generösen Schotten angekauft, damit sie unter den Juden des Eoulinents, die des Hebräischen mächtig sind, verthcilt werden sollen. Zwei Missionäre, die unlängst aus England hier eiugetroffen sind, haben nun Exemplare dieses Testaments an 300 (?) österreichische und ungarische Rabbiner versendet, von denen nun mehrere (Wer? Bitte uns Namen zu nennen!) sogleich daran gingen, dieses Buch unter ihre Glaubensgenoffen zu vcrtlieilcn. Nur wenige dieser Rabbiner weigerten sich, das Neue Testament zu lesen. In Verbindung mir dieser Bewegung darf hier erwähnt werden „daß einer der gelehrtesten und geachtetstcn der ungarischen Rabbiner (tllat one of The most learneil and respected of Hnngarian Rabbis)" Pr. (?) I. Lichtenstein, welcher durch 35 Jahre Rabbiner in Tapio-Szcle war, jüngsthin eine Broschüre veröffentlicht har, in der er für die. christliche Religion cintrin. Diese Broschüre hat große Sensation gemacht, weil ihr Autor, trokdcm er den Stifter der christlichen Religion als den wahren Messias anerkennt, dennoch treu dem mosaischen Glauben bleibt." Herr Rabbiner Lichtenstein kann sich nun überzeugen, daß e3 schon in dieser Welt eine Belohnung der guten Thaten gibt, denn nun hat ihm der Times-Eorrespondent für seine famose Broschüre den Morenutircl verliehen, indem er ihn „den gelehrtesten (???) und geachtetstcn (???) aller ungarischen Rabbiner nennt. Jetzt wissen die ungarischen Juden erst, was für einen großen Mann sie in Rabbi Lichtenstein besitzen, und wenn sie ihn nicht gleich zu ihrem Landesrabbkner ernennen» so geschieht dies nur dcßhalb nicht, weil sie nicht begreifen können, welch' ein Licht der Wissenschaft dort unten in Tapio-Szelc im Dunkeln leuchtet. Hoffentlich werden die ungarischen Rabbiner von nun an so vorsichtig sein und sich die nsnTt mr* vom Wiener Times-Eorrcspoirdenlcn holen!!! Wien. Tic Plenarversammlung des israelitischen Blinden-Institutes in Wien fand am 5. d. statt. Ter Verein des Institutes zählt 7 Stifter, 494 Mitglieder und 25 Ehrenmitglieder und hatte im leeren Jahre Ausgaben von 10,466 fl. und Einnahmen von 18,893 fl. In dem Institute, in welchem die Zöglinge außer de» Gegenständen der Volksschule auch Gesang, Musik, Modelliren, weibliche Handarbeiten, je ein Handwerk oder-Clavierttiminen erlernen, befanden sich während der fünfzehn Jahre seines Bestandes 72 Zöglinge, von denen 26 ihre Bildungszcit ordnungsmäßig abfolvirt und ihre volle Erwerbsfähigkcit erlangt haben, so daß keiner von ihnen bisher in die Lage gekommen ist. den Unterstützmrgsfonds für die entlassenen Zöglinge in Anspruch zu uchmen. Einer dieser Zöglinge legte vor der Prüsnngs-Eommission die Prüfung für das Lehramt an Mittelschulen über Elavier- und Orgclsprcl, Harmonielehre und Geschichte der Musik ab und wurde als Lehrer an Lehrer-Bildnngsanstalten im Orgclspicl für befähigt, im Elavicrspiel für ausgezeichnet befähigt erklärt. Derselbe wirkt nun als Organist, sowie in der Anstalt alS zweiter Musiklehrcr. Kojctcin. Das gestern gemeldete Einschreiten der Dragoner mit der Waffe hat die Ercedcntcn ein wenig zurückgcschreckr, jedoch gährt cs noch immer und sind nach Abzug der bewaffneten Macht wieder Exccssc zu befürchten. Tie gestern von Krcmsicr heimkehreudcn hiesigen Insassen Frau Wittwe Stern mW Herr Bick wurden zwischen Besmiran und hier mißhandelt und liegt der Letztere krank danieder. Auch eine alte, schwache Hausircrin wurde auf dem Wege nach Ehropm mißhandelt, ohne daß man den Thäler kennt. Mir dem Abendzuge ist wieder der Bczirkskommissär Graf M a r s ch a l l hier angetanst. Obwohl in den nach der Umgegend führenden Hauptstraßen größere Ansammlungen stattsauden, hat doch der vom Herrn Oderlicutcnant Woytcchovsky mit

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