Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 39 (19.5.1887)
- Date
- 1887-05-19
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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i 1 •3 687! auf dcn rechten Weg, damit sie dein Grcifenalter i beglücken und dir im Jenseits zum Ruhme gereichen. | (Fortsetzung folgt.) I --Ll------- - j Zeitungsoachrichte« and Korrespondenzen. i | Deutschland. ■ Kaiserslautern, 12. Mai. Gestern früh! flattere die kgl. Staatsanwaltschaft dem Berlags-; buchhändlcr Aug. Gotthold hier einen Besuch ad und confiScine die Schriftchcn: „Ercrc'rcr-Reglemcnt für das zukünftige vcrmauschctle Deutschland", : „Tic 16 Stämme der Juden", das „altisraelinschc ' 1't'cnu" und das „Mauschcllied". Berlin, 16. Mai. Herr Dr.Rosenzweig. . Rabbiner in Drplitz. hat am lctztvcrganaencu Sab- .. dar in der Neuen Synagoge Probe gepredigt und rbcilwcisc lebhaften Beifall gefunden. Dr. Rosenzwcig ist ein Zögling der Berliner „Hochschule" und huldigt in religiöser Beziehung der radikalen Reform. Ter Wahl dcS Genannten dürste demnach nach keiner Richtung hin ein Hindernis; im Wege suchen. Nachschrift: Soeben geht uns von sonst nwhlmsormirtcr Seite die Nachricht zu, daß Herr Tr. Nosenzwcig in der gestrigen Rtpräsculautcurcrsammlung fast einstimmig zumRabbiner der »raiscrstrastensynagogc gewählt worden ist. Ocsterr. - Ungar. Monarchie. Wien. Die hier erscheinende „Oest. Wochenschrift" enthält nachstehende fast unglaubliche Mitthcilung: „Löbliche Redaktion! „Erlauben Sie mir, daß ich eine Leidensgeschichte durch Vermittlung Ihres geschabten Organes inr Kcnntuiß der weiteren Ocffcntlichkeit bringe. »Am 14. Dezember vorigen Jahres ließ mich der damals hier stationirtc Pionier - Obcrlicutcnanl Namens Hermann Haucrnis, welcher beim Bahudau beschäftigt war, zu sich rufen, angeblich um bei mir Bier für die Soldaten zu bestellen. Um « Uhr Abends zur bestimmten Stunde stellte ich w:ch ein. er war allein in seiner Kanzlei und sagte wir, ich möchte nach einer halben Stunde wicdcrkommcn.^ Als ich nach dieser Zeit nochmals bei chm vorsprach, war er mit einem Diener im Zimwcr, der sich auf seinen Wink, entfernte uud sofort f.:u 5 Soldaten wieder erschien. Der Herr Obcrucutrnant richtete an mich die Frage: „Wie thcucr geben Sie das? und mit wieviel Wayer mischen Sie es?" Aus meine Bcthcucrung, daß solchenicht meine Art sei. schrie er nüch an: »Ich kenne Euch Juden. Ihr Betrüger und Spekulanten, Ihr sollt cs wisse», daß ich hergekommen bin. Euch zu züchtigen." Zu den Soldaten gewendet, sagte er: „Machen Sic mit diesem Manne ab und dazu braucht man kein Licht." Er ging fort, die Lampe wurde abgedrehl, die Soldaten sielen über mich her, schlugen mich mit den Fäusten und schließlich mit Stöcken, ohne ein Wort zu reden. Ich schrie und flehte, man möge'sich meiner und meiner Familie erbarinen. Tic Schergen gaben keine Antwort. Nachdem sie ihre Wmh gekühlt halten, warfen sie mich zur Thür hinaus. Im Vorzimmer stand aber der Herr Obcrlicutenant, er befahl, daß man mich zurück hiueinsühre und der Marter, und dcn Schläger^auf'S Neue unterwerfe. Ich bot dem Herrn Ober-Lieutenant mein ganzes Vermögen an, er möge mir daS Leben schenken; er aber schrie, er müffe mich todt sehen, ergriff einen dicken Stock nnd versetzte mir damit einige Hiebe auf den Kopf, so daß ich bewußtlos zusammeustürztt. ES dauerte eine Weile, bis mau mich zur Besinnung zurückbrachte, oian führte mich hinaus, voll Wunde» an allen Gliedern schleppte ich mich nach Hause. „Nach meiner Genesung reiste ich nach Lemberg, um bei dem Landes-Eommaudirenden Beschwerde zu führen. Da mehrere Tage vorübergingen, ohne daß ich zur Audienz zugclasscn wurde, faßte ich.dcu Entschluß, mein Bittgesuch ihm auf der Gasse einz'.rhändigen. Am r>o. Dezember erhielt ich vom k. k. I I. EorpS-Eommando all prae.s. Nr. 657 eine Verständigung, daß das k. k.GarnisouSgericht beauftragt wurde, in meiner Angelegenheit die Erhebungen ciuzulcitcn. Ein einziges Mal wurde ich zur Einvernahme vorgeladen, ich erzählte den Vorfall, wicer sich zugetragen. Seitdem ist mir bis heute in dieser Angelegenheit nicht die geringste Verständigung zugekommcn. „Am 15. Dezember hat aber derselbe Herr Obcrlicnlcnai.t dcn Bäcker, NamcnS Raphtali Deglaubtcr, welcher ein Brodlicfcrant der Soldaten ist, zu sich rufen lassen, um ihm einen Restbetrag von 10 fl. auszuzahlen. „Ter Obcrlicutenant nahm dem Manne die Ouitnmg ab und statt des Geldes versetzte er ihm. einen Hieb ans dcn Kops, daß er blutend zusammenstürzrc. Der verwundete Bäckermeister trachtete aus dem Zimmer hcrauSzukommen und auf seinen Brodwagen zu cmsiiehcu. Allein auf Befehl des Herrn Oberlieulcnant hauen die Soldaten die Pferde zum Stehen gcnölhigt, dcn Unglücklichen vom Wagen heruntergerincn und in eine Kammer gebracht.