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Der Israelit · 1887-05-19 · Heft 39 (19.5.1887) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 39 (19.5.1887)
Date
1887-05-19
Page
– (sequence 2)
Language
German
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686 sie in unsren Mischnajoth vor uns haben, wie folgt: Es gibt drei Tinge, welche so gefährlich sind, daß sie für den, der sie thut, einem Selbstmorde gleickkommen. Das erste ist das Nachtwachen. Ter allgütige Gott hat es in der Natur so eingerichtet, daß Schlaf und Wachen miteinander abwechseln muffen, damit der Organismus sich erhole, die Vcrdauuug in geregelter Weise vor sich gehe und der Mensch ncugeftärkt am Morgen seine Thäligkeit Wiederbeginnen kan». Wer nun den »o nölhigen Schlaf sich entzieht, und sich auf ein Wunder verläßt und meint, Gott würde trotzdem seine Gesundheit erhalten, der wird seinen Organismus derart zerrütten, daß er bald dem Tode anheimfällt. — Im Altcrthum und im Mittelalter war das Reisen ungemein gefährlich. Wie noch heule in den uncivilisirten Ländern durfte man sich nur in größerer Gesellschaft und unter dem Geleite von Bewaffneten auf die Reise begeben, um vor Räubern und wilden Thieren geschüvt zu sein. Wer nun so leichtsinnig war. sich allein auf die Reise zu begeben, wer sich etwa darauf verließ, Gott würde ihn in wunderbarer Weise beschütze» und erretten, der beging gleichsam einen Selbstmord, da er sich eitler Gefahr anssetzte, der er im natürlichen Lause der Tinge unterliegen mußte. — Gott hat die Menschen erschaffen, daß sie sich einer nützlichen Thätiglcit ergeben. „Sechs Tage sollst du arbeiten und verrichten all dein Werk." Tic meisten Menschen sind zur Thäligkeit gezwungen, weil sic sich ihren Lebensunterhalt erwerben muffen. Geben diese sich dem Müssiggangc bin. so liegt cs ja klar am Tage, daß sic einen Selbstmord begehen, daß sic entweder verhungern muffen oder ihr Leben kümmerlich als Bettler und Schmarotzer fristen oder aber dem Verbrechen anheimfallcn, bis die menschliche Gerechtigkeit diesem zwecklosen Leben ein Ziel setzt. Aber auch Tiejenigen. welche so viel von ihren Vätern ererbt Haber«, daß sie ohne zu arbeiten die Bedürfnisse des Lebens befriedigen können, müssen sich eine gediegene und nützliche Beschäftigung wählen; denn der Müssiggang führt zum Wahnsinn oder zum Verbrechen, zu einem Lebenswandel, der gar bald den Tod herbeiführt. Wer also sein Herz dem Müssiggang zuwendct, selbst wenn er cs nicht nörhig hat, durch Arbeit sich feinen Lebensunterhalt zu verschaffen, der begeht gleichsam einen Selbstmord. Auch Rabbi Samuel de Oseda erklärt die von uns angeführte Lesart in seiner Weise. Gr sagt: Tas Leben des Menschen ist einem Tage zu vergleichen, die Kindheit dem Morgen, dasMarmesalicr dem Mittage und das Greiscualur dem Abende. > Viele Menschen vergeuden unnütz ihre Jugend, verbringen mit Tand und Nichtigkeit das Mannesalrer und erwachen erst znm Bewußtsein ihres verfehlten Lebens, wenn die Nacht des Greifenalters hereinbricht. „Wer erst bei Nacht zum wahrhaften Leben erwacht, bei Nacht, wenn es zu spät ist, ein neues Leben zu beginnen, der ist selbst schuld an dem Untergange seiner Seele.- — Es gibt aber auch Menschen, welche den Zweck ihres Lebens rechtzeitig erkennen und sich bemühen, das Gute zu thun und das Böse zu meiden. Sie könnten auf ihre Mitmenschen, namentlich auf ihre nächsten Familienangehörigen den wohlthätigsten Einfluß üben; aber sie sind zu indolent, zu glcichgillig, um auf Andere zu wirken; auch sie thun nicht das Rechte und muffen dereinst dafür die Verantwonlichkeit tragen, wenn ihre Kinder und Hausgenossen durch ihr Verschulden vom rechten Wege abweichen. „Wer für sich allein des Lebens Reise zurückleqcn will, ohne Rücksicht auf die. für die er verantwortlich ist, auch der ist schuld an dem Untergänge seiner Seele." Und nun gibt cs noch einen Tritten, der ebenfalls gleichsam einen geistigen Selbstmord begeht. Wer selbst das Gute will und auch auf seine Umgebung Einfluß zu üben sich bemüht, er verlegt sich aber zumeist aus nebensächliche und unbedeutende Tinge, der verschuldet ebenfalls das Mißrathen derer, die seiner Obhut anvertraut sind. ES gibt Haustyrannen, welch bei den unbedeutendsten Trugen, in welchen ihrem Willen oder ihren Befehlen nicht Folge geleistet wurde, in furchtbare Wnrh gerathen und ihre Hausgenossen auf die empfindlichste Weife strafen. Was ist die Folge davon? Tie Hausgenossen werden sich bemühen, ihr Thun und Treiben dem Hausherrn zu verheimlichen, sic werden zn Heuchlern und Lügnern und üben im Verborgenen alles Schlechte und Schlimme. — „Auch der, welcher schon am Morgen seines Lebens erwacht, der auf seine Mitmenschen Einfluß zu üben wünscht und nicht den Lebensweg einsam zurücklegt; aber er wendet sein Herz nebensächlichen Dingen zu und hat nicht das eine große Ziel vor Augen. Gott über Alles zn lieben und seine Umgebung zn gleicher Liebe zu begeistern — auch er wird dereinst die Verantwortung dafür tragen und wird selbst schuld sein an dem Untergänge feiner Seele." Tahcr erwecke dich schon früh, o Jüngling, zum wahrhaften Leben, und du, o Mann, wandele nicht einsam deinen Lebensweg, sondern erziehe die Deinigcn zu allem Gutem; aber hüte dich, deine Launen oder nebensächliche Dinge als für die Deinen ebenso maßgebend zu betrachten wie das wahrhaft Gute und Große, sonder» lenke sie mit Vernunft, mit Ncberlegung, mit Vorsicht

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