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Der Israelit · 1887-05-19 · Heft 39 (19.5.1887) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 39 (19.5.1887)
Date
1887-05-19
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXVM. Jahrgang. Jfö AA ■ Der ’■ . S1> Zentral - Hrgan für das ortßodoLe Iudentyum. Herausgegeben von Br. Lehmann in Mainz. Donnerstag, de« 1». Mai 5647 (1887). Leitender Artikel. Me Sprüche der Fäter. Drittes Buch. X. Mainz, 16. Mai. Ter Autor der folgenden Mischnah ist Rabbi Chanina den Chachinai, welcher einer der dcdeutendsien und vorzüglichsten Schüler des großen Nabbi Akiba war. Er wurde von seinem Lehrer gewürdigt. iu die tiefsten Geheimnisse der heiligen Gottcslchrc (roa'.cn rryo) cingeführt zu werden (Chagiga 14 d.). Als junger Ehemann, nachdem ihm eine Tochter war geboren worden, war er im Einverständnissemit seiner jungen Gattin nach der Stadt D'ne Berat gereist, um ssch den Schülern des damals dort lehrenden Rabbi Akiba anzuschließen. Viele Jahre blieb er daselbst, sich unablässig mit dem Thorastudium beschäftigend. Eines Tages erhielt er von seiner Frau ein Schreiben, in welchem sie ihn ersuchte, nach Hause znrückzukchren, um für die Verheirathung seiner untcrdetz hcrangewachsenen Tochter Sorge zu tragen. Allein.?o lehr hing sein Herz an der Thora, daß er selbst letzt keine Anstalten zur Rückkehr traf. Ta lehrte eines Tages Rabbi Akiba im Dortrage, daß es Jedermanns heilige Pflicht sei, für die Verheirathung lcmer Erwachsenen Töchter zu sorgen. Nun erst nahm sich Rabbi Chanina bei seinem Lehrer Urlaub und kehrte in die Hcimath zurück. Als er dorthin kam, war ihm fein Heimarhsort so frenid geworden, daß er sein Haus nicht fand. Er ging vor dre Stadt an den Brunnen, wo die Mädchen Wasser halten, und hörte dort seine Tochter beim Namen nennen. Ohne sich zu erkennen zu geben, folgte er dem Mädchen, und als er fein HanS betrat, cr- Mckte ihn feine Gattin und ward ^vom freudigen Schrecken so ergriffen, daß sie leblos niederstürztt. Rabbi Chanina sing laut an zu weinen und rief aus: Herr der Welt, soll diese Arme dreizehn Jahre in heißer Sehnsucht auf mich gewartet haben und nun dahinsterben, ohne sich des Wiedersehens erfreut zu haben! — Gott erhörte fein Gebet, und feine Gemahlin erwachte wieder zu einem lange» und glücklichen Leben (Rabbah, Paraschath rvo nrw). Ta in dem AuSspruchc des Rabbi Chanina ben Chachinai sich zwei Lesarten vorfinden, von denen jede einen ganz andern Sinn ergibt, so wolle» wir zunächst den Wortlaut der Mischnah hier wiedergcbeu: yro fr.am nM>a myn nsw ’srcn p w'jn *i - ynro nr nn wd rusont »*m» „Rabbi Chanina den Chachinai pflegte zu sagen: Wer bei Nacht wacht, und wer allein sich auf den Weg begibt, und wer sein Herz dem Müssiggange zuwendet, der ist schuld an dem Untergänge seiner Seeles Rach dieser Lesart, wie sie sich in unsren Mischnajoth und in den ältesten Handschriften vorfindet, zählt Rabbi Chanina drei verschiedene Dinge auf, welche den Untergang der Seele herbeiführcn. Rach der andern Lesart soll statt.iw-ni gelesen werden n:22i. Dann lautet die Ueberseyung folgendermaßen: „Wer bei Nacht wacht oder wer allein reist, und er wendet sein Herz eitlen Dingen zu, der ist schuld an dem Untergänge seiner Seele.* Diese zweite LcSort haben schon Rasch! und Bartinora vor sich gehabt; aber trotzdem scheint sie eine Correctur zu sein, weil man die erste LeSart nicht verstanden har. Deutlich ersieht man das auS den Worten des Rabbi Joseph Jabez, den man gewöhnlich den Chaßid nennt. Auch er hat die ersterwähnte Lesart vor sich gehabt, erklärt sie aber für fehlerhaft, „da - kein Künstler vorhanden, der sie zu erklären verstände," rrj'pis-i »iH,. Nun, dieser Künstler hat sich gefunden; er hieß Radbenu Menachem Mein; er erklär: die Mischnah, wie wir

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