Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 38 (16.5.1887)
- Date
- 1887-05-16
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Johann bemerken, daß in den Regierungsbezirken Düsseldorf und (Koblenz die iSr. Gemeinden ihre Lehrer ohne vorherige Genehmigung der Regierung nicht entlassen dürften. Eine längere Debatte entspann sich über den Passus des Entwurfes, daß die gleichzeitige Abhängigkeit des Lehrers von der Gemeinde und der staatlichen Aufsichtsbehörde die traurigsten folgen mit sich bringe, indem der Lehrer beispielsweise gerade durch die richtige Führung der Vcrsäumnißlistc und gerechte Handhabung der Schulzucht die einstnßrcichsten Gemciudcinitglieder gegen sich cinnebmcn und so eine Kündigung provozireu könne. Friedttiann-Illingeu will diese Eremplificirung verniicdcn wissen, weil die Regierung daraus schließen könne, wir würden in so kritischen Fällen, der Stellung zu liebe, unsere Pflicht verletzen. Aus den Vorschlag des Vorsitzenden erhält der Passus folgende» Vorschlag: „Wir werden unter allen llmsländen unsere Amtspflichten erfüllen. Aber die Erfüllung derselben wird uns durch die Art unserer Anstellung sehr erschwert re. Alle übrigen Aussetzungen beschränkten sich aus die äußere Fassung des Entwurfs und fand derselbe mit einigen unwesentlichen Abänderungen einstimmig Annahme. — Zweiter Gegenstand der Tagesordnung war ein Referat des Vorsitzenden Eppstein- Hovpstädtcn. „lieber die Pflege gottesdienstlicher Gesäuge in der Religionsschule." Referent faßte seinen gcdicgcucn Vortrag in zwei Thesen zusammen, die in folgender Faimng genehmig: wurden. 1) Es ist ein Mange! bei unfcrm öffentlichen Gottesdienste, daß die Gemeinde sich zu wenig fclbstthätig an demselben bctheiligt. 2) Es ist wünschenswertst, daß die Synagogcngesänge in der Schule geübt, von da aus in die Svnagoge eingcfüstrl und so nach und nach Eigcnthnm der Gemeinde werden. — Tie nächste Eonferenz soll an den Pfingsttagen 188S zu Trier starlsinden. Lcstcrr. -Ungar. Monarchie. Bnda-Eörs. Tie gerichtliche Untersuchung in Angelegenheit der von uns gemeldeten Baucrnrcvolre in der Gemeinde Buda-Eörs ist bereits eingelcircl worden. Behufs Anfrcchtcrhalmng der Ruhe befindet sich eine Abthcilung Gendarmerie an Ort und Stelle. Tie Familie Pollak selbst hat Buda-Eörs verlassen, da die drohende Haltung der dortigen Bevölkerung noch immer andaucrt. Tie Kugel, welche einen Bauerudurschcn tödtliÄ traf, har nicht Pollak, sondern sein Werksührer Moriz Mansried abgcfcucrt. Manfried befindet sich in Haft und wurde beute Vormittag zum Bezirksgericht in Altoscn gebracht. Als Ursache der Bauernrcvolte gilt neben dem Umstand, daß Pollak in seiner Kalkbrennerei fremde Arbeiter beschäftigte, auch die aurisemitischc Gesinnung der Ortsbevölkerung. Seit dreißig Jahren wohnt in der Gemeinde kein Jude. Vor einige» Jahren ließ sich ein jüdischer Geschäftsmann in Buda-Eörs nieder; er mußte aber, da er seines Lebens nicht sicher war, die Ortschaft bald wieder vcrlancn. Als bezeichnend für den Antiscmitismus der Buda-Eörscr „Schwaben" wird uns mitgclhcilt, vaß Briefe, die an Pollak gerichtet waren, von dort gewöhnlich als unbestellbar mit der Bemerkung: „Bei uns wohnt kein Jude Pollak" an den Aufgeber zurückgckangtcn. Feuilleton. W i ch a e r. Erzählung von S. Lohn, Verfasser von Gabriel. (Fortsetzung.) Lara hatte sich nun schon Stunden lange in einem Wonncrausche befunden. Zuerst halte die Begegnung mit dem todtgeqlaubten, geliebten Manne so machtvoll auf sie cingewirkt, daß sic geistig nur das Allerwichtigstc zu erfassen vermochte: Taß Michael lebe, sie liebe, sie als feine Hausfrau heimführcn wolle; — alles Andere auf dieser Welt war ihr glcichgiltig erschienen, war vollständig in den Hinrcrgrirud getreten! Allein der von Gott geschaffene Menschengeist besitzt eine bewundernswürdige Elasticität. Tie stärksten Eindrücke vermögen einen gcistcskräftigcn Menschen nur eine relativ kurze Zeit aus dem gewohnten Gedankenkreise zu werfen, er gewöhnt sich rasch an das, was ihm noch vor Kurzem als das Außerordentlichste erschienen, und Sara sprach wie aus einem schweren Traume erwachend: „Vor sechs und ein bald Jahren tratest Tu, doch wohl nickt gleich als Offizier, in ein französisches Regiment? Ich habe doch wobt recht gehört, und Dich auch richtig verstanden? und jetzt bist Tu schon General! __o Gott!" eine entsetzliche Angst ergrm Sara plötzlich, sie war leichenblaß geworden und schrie laut auf: „Michael. Tu bist doch Jude geblieben? Tu bist doch Tcinem Glauben nicht untreu geworden?" Aber bevor Michael noch;u autworteu vermochte, überzog wieder Pirrvurrörbe ihre Lilienwangen und sie sprach: „Verzeih'den schmachvollen Verdacht; — ein Mann, der einem todtgeglaubtcn Mädchen treu geblieben.