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Der Israelit · 1887-05-16 · Heft 38 (16.5.1887) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 38 (16.5.1887)
Date
1887-05-16
Page
– (sequence 4)
Language
German
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stimmige, daß der Freiburger Rabbiner, der ja zugleich Sulzburg „mit verwaltet-, nicht der geeignete Mann für die hiesige Gemeinde sei. Zwar kennen die einfachen Männer de» Bezirkes die tiefgreifenden Unterschiede der Parteiennicht, aber instinktmäßig haben sie sofort hcransgefühlt, daß der Rabbiner von Frciburg, in Frei bürg mit allen dortigen Reformen einverstanden ist. für uns, die wir an einen Mann wie Reb Mendel gewöhnt sind, nicht paßt. Gicbt cS hier auch sehr Biele, die aus dem Tragen am Sabbat sich nichts mache», so hat es doch überall ein unangenehmes Erstaunen hervorgcrufcn, als der Herr Rabbiner bei seinem hiesigen Aufenthalte sich über den Cmito lustig machte! Wenn das der Hirte lhut, so sagt man mit Recht, was muß dann der — Herde erlaubt sein! Noch viel mehr böses Blut machte aber und mit Recht die schwankende Behandlung der ^m-.-rr'-Fragc in Sulzburg seitens des Freiburger Rabbiners; wenn irgendwo, so erwartete, in einer außerordentlich wichtigen Sache die Gemeinde von ihrem religiösen Führer Konsequenz und Festigkeit, doch sie sah sich bitter getäuscht; mit seinem schwankenden und zur Unzeit nachgiebigen Haltung in dieser Frage hat sich der Freiburger Rabbiner, selbst für feine bisherigen Freunde unleugbar gezeigt — daß gerade die Eigenschaften, die ihn für Freiburg zu empfehlen scheinen, ihn für uns unmöglich machen. Tcßwegen entspann sich allmählich eine immer kräftiger sich entwickelnde Bewegung, auf alle Fälle einen eigenen Rabbiner, aus eigenen Mitteln anzustellen, bellen Händen man ruhig die Verwaltung der religiösen Angelegenheiten anvertraucn könnte. Doch da die Gleichgültigkeit in religiösen Angelegenheiten hier wie säst überall eine ziemlich große ist, so hatte die Agitation zuerst nur geringe Erfolge. Ta goß ein Ereignis; Tel in das Feuer. Aus Sulzburg stammt ein Rabbiner, der nicht nur in orthodoxen Kreisen, sondern überall hochgeachtet und wegen seiner unbestechlichen Rechtlichkeit und wegen seiner Gradheit überall verehrt wird, I>r. Eahn in Wiesbaden. Tie Gemeinde von Sulzburg ist natürlich stolz auf ihn und auch dieses Jahr, als er zum Besuche der Gräber der Scinigcn nach Sulzburg kam, wurde er ausgefordert, in der Synagoge zu predigen. Kurz darauf erhielt der Vorstand vom Oberrath in Karlsruhe amtlich eine'Zustellung, in der er ausgcfordcrt wurde, sich zu vcramwortcn, warum er — man höre und staune — warum er einen Unberufenen (!) in der Synagoge habe predigen lasten. Wer hier den Angeber gemacht hat, da- 672 rüber kann man nur Bcrmuthungen aufftcllcn, die jedoch wahrscheinlich das Richtige treffen. Tie Erregung in der Gemeinde war natürlich eine außerordentlich große. Wer ist berufener, auf dem Platze des Reb Mendel hs zu predigen, ein Mann, der seine Gcsctzcsrrcue und Eharaktcrfcstigkcit oft genug durch die Thar bewiesen, oder ein Rabbiner, von besten rcligiöscu Principicn man nur weiß, daß sie recht dehnbar und schwankend find und den Ansichten wie man sie hier gewohnt ist, entschieden zuwidcrlaufcn? Die nächste Folge des Karlsruher Ukascs war daher, daß sich eine feste Vereinigung bildete, welche auf lO Jahre sich verpstichrete, eine bestimmte Summe lährlich zur Anstellung eines Rabbiners zu zahlen. Tic Summe ist zwar nicht zu groß, dürfte aber mit den Zinsen eines vorhandenen Kapitals :c. genügen, die Berufung eines Rabbiners zu ermöglichen. Bereits ist ein außerordentlich tüchtiger, vielseitig gebildeter, als Prediger wie als Lehrer gleich hervorragender junger Rabbiner für die Stelle in Aussicht genommen. Schreiber dieser Zeilen ist ein Mensch, der den Frieden über alles liebt. Aber hier kann von Nachgiebigkeit nun und nimmer die Rede sei». Es handelt sich um das höchste Gut des menschlichen Lebens, um die Religion. Sie ist gefährde!, wenn nicht an der Spiee der Gemeinde ein gesekestreuer, principienfcstcr Rabbiner steht. Und einen solchen zu gewinnen, dafür möge der Sulzburger Gemeinde kein Opfer zu groß fein. Tas ist eine Saat, die reichlich lohnet. Im Anschluß an den obigen Bericht, thcilen wir ans einem, uns aus Müllheim (in Baden) zugegangenen Privalbriefe die folgende Stelle mir: Müllheim, 8. Mai. In dem benachbarten Salzburg regt cs sich eifrig, man beabsichtigt dorr, einen eigenen Rabbiner anzustcllcn. Freilich glaube ich, daß, wenn die Gemeinden des Bezirks Sulzburg energisch vorgingen, — wie z. B. erst kürzlich die Gemeinde von Gailingen, welche, durch ihre Trohung aus dem israelitische» Verbände auszutrclcn, dm Lbcrralh gezwungen hat, den Rabbinatssitz, der nach dcni durch eine Orgel ausgezeigncten Eonstanz verlegt werden sollte, in Gailingcn zu belassen — sie auch jetzt den Oberrath veranlassen könnten, ihren gerechten Anforderungen Genüge zu leisten. So aber, ist immerhin der Beschluß der Sulzburger Genreindc, einen eigenen Rabbiner zu cngagircu, ein außerordentlich lobcnswcrther, und es ist nicht chrmwcrrh für die bedeutend größere und reichere Gemeinde von Müllheim, daß hier nicht der gleiche Eifer zu Tage tritt. In beiden Gemeinden herrscht

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