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Der Israelit · 1887-05-16 · Heft 38 (16.5.1887) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 38 (16.5.1887)
Date
1887-05-16
Page
– (sequence 2)
Language
German
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670 t Kraft, die genossene Mahlzeit zu etwas Anderem als zu einem Todtemnahle zu gestalten. Dieser Gedanke ergibt sich aus dem von dem Weisen angeführten Bibelverse. Ter Prophet Iesaias spricht von den bethörtcn Israeliten seiner Zeit, von den Priestern, Propheten und Polkslehrern, die lediglich den irdischen Genüssen nachjagten, und schließt seine Strafrcde mit den Worten: „Tenn alle Tische stnd voll Auswurf, llnrath, ohne Ort." Ter Mensch lebt nicht von dein, was er genießt. sondern von dem, was er verdaut. Nur ein kleiner Thcil der von ihm genossenen Speisen und Getränke wird in ihm zu Fleisch, Blut oder aridem Bcstandtbcilcn seines Körpers; das Meine davon wird wieder abgcstoßcn. Jedes Ucbernmß ist vom Nebel. Böllcrci in» Enen und Trinken bewirkt Erbrechen und andere Berdauungsbcschwcrdcn. Daher sind selbst die schön gedeckten und herrlich anznschauendcn Tafeln, beladen mit den köstlichsten Leckerbissen und mit den kostbarsten Weinen, angcsüllt mit solchen Dingen, die da nichts werden als AuSwurf und llnrath. Die eigentliche Ernährung des Menschen wird nur mit Wenigem bewirkt; was darüber ist, wird nx*s werden. Rabbi Schimeon nennt solche Gastereien c*na tct Todlenopfer. In der heiliger: Schrift wird das Götzen mahl so bezeichnet. Göpenopfer sind ^-ix:.—,2 a'2'ix, zu jeglicher Nutznießung verboten; sic sind daher eigentlich gar nicht vorhanden, T.jrr Trca nro; Denn alles, was zur Vernichtung bestimmt ist, wird schon jetzt als nicht vorhanden betrachtet, selbst wenn die Bcrnichtung noch nicht vollzogen ist. Dcßhalb fügt der Prophet hinzu c-pa ~2, „ohne On", das heiße: gleichsam nicht vorhanden. Sonst kann selbst jcs N*p benützt, als Dnngmittcl verwendet tverden, während in diesem Falle es auch dazu nicht gebraucht werden darf. Wenn aber drei zusammen gegenen haben an einem Tische und haben an ihm Worte der Thora geredet, so ist cs so gut, wie wenn sie von der Tafel Gottes gespeist hätten. — Wer durste von der Tafel GottcS speisen? Das waren die Priester im heil. Tempel 1:7 rr.2: \vvrsr3 E’:rc. Nicht allein, daß sic die ihnen bestimmten Thcile des Opfers verzehren durften, cs war ihnen auch heilige Pstickr, für deren Erfüllung sic himmlischen Lohn erwarten durften. Tic Vollendung der Sühne hing vielfach davon ab, daß die Priester die ihnen znkommcndcn Thcile des Opfers verzehrten, wie unsere Weisen lehren c-^x aarerr /jra ~>:2 7. x ^2x1 c**Err.a c7y2rr. So wird auch eine jede Mahlzeit, bei welcher Worte der Thora gesprochen werden, zu einer rrss r.ryo, zu einer Mahlzeit, die nicht nur irdischen Zwecken dient, die nicht nur der Ernährung des Körpers gewidmet ist, die vielmehr den Zusammenhang unseres Geistes mit der geossendarten göttlichen Weisheit aufrecht erhält. Rückwirkend wird das Genossene in den Dienst des Geistes gestellt. Unsere Tafeln, z. B. beim Hochzeitsmahlt, wenn sie noch so reich gefüllt sind — da alles zur Verherrlichung der Mizwoh dient, sie sind nicht jx s x'p, weil sie nicht ava ^2 sind: arr?- na by 27a an? sr, sie sind begründet auf der Verherrlichung eines GottesgcboteS. Aber auch jede einfache Mahlzeit, nach welcher man sich von der Gottcslehre unterhält, wird zu einem Gott gewcihcteu Mahle, wie es heißt: Und er redete zu mir: dieses ist der Tisch, welcher vor dem Ewigen (Iechcskcl Eap. st. V. 22). Der Vers lautet vollständig: „Ter Altar von Holz, drei Ellen hoch und seine Länge zwei Ellen, seine Ecken, sein Blatt und seine Seiten von Holz. Er sagte zu mir: Dieses ist der Tisch, welcher vor dem Ewigen." — Es ist auffallend, warum der Engel, welcher mit dem Propheten spricht, nach der Schilderung des Altarcs, den Tisch erwähnt. Ter Tisch war für die Lchaubrodc bestimmt, während auf dem hölzernen, mit Gold belegtem Altäre das Räncherwerk dargebrachl wurde. ES ist doch nicht anzunchmeu, daß der Engel de» Altar Tisch nennt. Rabbi Schimeon erössuct uns einen großen 6cdankcn. indem er diesen scheinbaren Widerspruch löst. Tie Schanbrodc, für die einzig und allein der Tisch bestimmt war, wurden vollständig von den Priestern verzehrt; cs wurde nicht das Geringste davon als Opfer dargcbracht. Das Räucherwert hingegen ging ganz und gar in Rauch auf, ohne daß die Priester einen Antheil daran gehabt hätten. Der Altar diente also allein und ausschließlich himmlischen Zwecken, und dcßhalb sagt der Engel zu dem Propheten: „Dieses ist der Tisch, welcher vor dem Ewigen," das heißt: weil die Priester das Räncherwerk auf dem Altäre darbringen und damit Gott dienen ohne irgend welchen irdischen Nutzen, dadurch wird auch der Dienst an dem Tische mi: den Schaubroden, welche sie ganz und gar verzehren, zu einem himmlischen. Durch den Altar wird der Tisch zu einem Tische vor dem Ewigen. — So gleich: auch unser Tisch, an welchem wir essen und trinken, dadurch, daß wir au demselben von der Thora reden, dem Tische der Schaubrodc im heiligen Tempel. Die Worte der Thora sind gleichsam das NäuLcrwerk, welches wir unserem Gone darbringen; durch sic wird rückwirkend unsre Mahlzeit geheiligt,^:: durch das Tarbringen des Räucherwerks der Tv2 der Schaubrode wird zu einem Tische vor dem Ewigen-

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