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Der Israelit · 1887-05-16 · Heft 38 (16.5.1887) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 38 (16.5.1887)
Date
1887-05-16
Page
– (sequence 1)
Language
German
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xxvm. Jahrgang. M 88, e<i KenLrak - Organ für das orthodoxe IudentHum. Herausgegcbcn von Dr. ge^ramm in Mainz. Montag, den 16. Mai 5647 (1887). ■ Leitender Artikel. Ire Sprüche der ^äter. Drittes Buch. IX*). Mainz, 12. Mai. Unter allen fleischessenden Geschöpfen ist der Mensch dasjenige, welches mehr seiner Milgeschöpfe verzehr: als irgend ein anderes. Wenn man die Zahl der Ochsen, Kühe, Kälber, Schaafe, Ziegen, Vögel und FisLe berechnet, welche ein einziger Mensch während seiner Lebenszeit verzehrt, so wird dieselbe nicht nnbcträchllich sein. Daher lehrt Nabbi SLimcon**), daß wir gerade bei der Mahlzeit zeigen müssen, daß wir cs werth find, die Herren der Schöpfung zu sein, indem wir durch die Worte der Gottcslchre bekunden, das; wir nicht in der Erhaltung und Ernährung unseres Körpers den Hauptzweck unseres Lebens finden, dag wir vielmehr stets erfüllt sind von dem Gortesgeiste, der uns befähigt, alle übrigen Geschöpfe zu beherrschen und unseren Zwecken nutzbar zu machen. — Nicht immer können wir in der Thora forschen; wir muffen auch unseren Geschäften nachgehcn, um unseren Lebensunterhalt zu erwerben, müpen cffen, trinken, schlafen und viele andere Tinge tbun. Wenn nun drei Männer an einem Tische speisen, so sind sie verpflichtet, gemeinsam das Tischgebet zu sprechen, 72-. Wer zuerst seine Mahlzeit vollendet hat, der muß auf die beiden andern Tischgcnossen, oder Zwei auf den dritten, warten. Diese Pause soll nun durch Worte der Gotrcc-lchrc und nicht durch unnüses Geschwätz ausgcfüll: werden, um dadurch Zu beweisen, daß wir nicht den Endzweck unseres Ordens in Essen und Trinken suchen, sondenr daß *) Nr. 36 soll es VII und Nr. 37 VIII hrrxrn. . **> 3x:ir sind Jn diesem iiatiul meistens fcrn iMSänmgen •pcnsig (in {einem Suche gefolgt. wir auch diesen Anlaß benutzen, um unsere göttliche Seele zu vcrvollkommenen. Man wende uns nicht ein, daß ja alle drei gleichzeitig die Mahlzeit beenden können; denn, sobald drei zusammen speisen, so haben sie doch die Pflicht, gemeinsam das Tischgebet zu sprechen, und dcßhalb, wenn es nöthig sein sollte, auf einander zu warten. Ta sie also im voraus sich dazu bestimmt haben, so ntüffen sie auch, selbst wenn sie gemeinsam die Mahlzeit beenden, einige Minuten wenigstens der Unterhaltung von der Gottcslehre widmen. Daher redet der Weise nur von drei Männern, während bei zweien diese Verpflichtung nicht vorliegt: jeder von diesen kann, sobald er mit dem Esten fertig ist, das Tischgebet sprechen und davongchcn. — Ter Weise verlangt auch nicht, daß man während des Essens Thora rede, da man überhaupt während des Essens nicht sprechen darf, damit die Speisen oder Getränke nicht statt in die Speiseröhre in die Luftröhre gcrathcn; denn dadurch könnte man leicht in Gefahr komnicn zu 'rstickcn. (Thaanith 5b.) „Wenn drei gegenen haben an einem Tische und haben nicht geredet Worte der Thora, so ist es. wie wenn sie gegessen hätten, von Todtenopfcrn." Alle, die geboren werden, sind bestimmt zu sterben; vom Tage der Geburt an schreitet der Mensch dem Tode entgegen. Ter Körper wird, nachdem die Seele entflohen ist, der Erde übergeben und ein Raub der Verwesung. Was man genießt, um den Körper zu ernähren, ist gleichsam ein Opfer, dem Tode gebracht. Nur wenn man von der Ucberzeugung durchdrungen ist, daß der Körper in Dienst der unsterblichen Seele sicht, daß der Endzweck des Körpers ist, der Seele als Werkzeug zu dienen, um das ewige Leben zu erlangen, nur dann ist unsere Mahlzeit kein Todtenmahl. Wenn man also nach der Mahlzeit von dem unS geossenbanen Gottesgeistc, von der Thora spricht, von ihr sich unterhält, so har das rückwirkend die

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