Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 37 (12.5.1887)
- Date
- 1887-05-12
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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verstoßen, dann natürlich wird der Orthodoxe sich davon fern halten muffen. Aber Tharsache ist und bleibt es: es gibt heute schon Logen, die auf dem Boden des wahren Inder - thums Gutes stiften, und es lasten sich, wo eben die Vorbedingungen dazu vorhanden sind, solche orgamsiren, die segensreich wirken können. Auch hier in Frankfurt wird ohne Zweifel die Loge zu Stande kommen; sie wird auf einer Basis errichtet werden, die auch dem ängstlichsten Gemüthe nicht unsympathisch erscheinen kann, und sie wird, wie wir heute schon sagen dürfen, sich segensreich für unsere Gemeinde und vielleicht auch für das Gesammtjudenthnrn erweisen. Dafür bürgen bic Namen der Männer, die die Gründung der Loge hier in die Hand genommen haben, Männer, die zu den Zierden des orthodoxen Iudenlhums gerechnet zu werden verdienen und die gewiß nicht gewöhnt sind, gedankenlos mit dem Strome der Ze.t zu schwimmen. Ob wir unS aber überhaupt mit unseren Glaubensgenossen anderer religiöser Richtung zu einem freiwilligen Vereine verbinden sollend Tie diese Frage heute noch stellen, übersehen eine große Hauptsache. Wer seine Augen den Zeichen der Zeit nicht verschließ:, der muß eine Erscheinung wahrnehmcn» die imicrcr ganzen Zeit das Gepräge gibt. Es geht jetzt eine konservative Strömung durch die Welt, die sich auch allenthalben der Religion' bemächtigt, und auch das Judenthum bleibt nicht davon unberührt. Tie Zeit, wo mau sür eine Reform des Judenthums fchtvärmte und unter einer solchen verstand eine llmmodclung des göttlichen Gesetzes nach dem jeweiligen Geschmacke der Zeit, ist glücklich hinter uns. Jmmcrmchr bricht sich bei denen, die dem Jndenthum noch nicht ganz indiffcrenk gegenübcrstehcn, die Uebcrzeugung Bahn, daß die Rückkehr zum Glauben der Väter und das Festhalten an den ererbten Wahrheiten und Gesetzen die beste Reform des Judcmhnms ist. Dafür als Beweis nur ein eklatantes Beispiel aus der Gegenwart. Wäre cs wohl vor dreißig oder vierzig Jahren, wo die großen Apostel der Reform die Zcirströmung beherrschten, auch möglich gewesen, daß die gcsammte deutsche Judcnhcit, ohne Rücksicht auf die Schattirung der religiösen Ansicht in solch cinmülhiger Weise lauten Protest erhoben hätte gegen Angriffe auf ein jüdisches Gesetz wie die Sckcchira? Sicherlich nicht. Auch Diejenigen unserer Brüder, die lange gegen das Jndenthum sich indifferent gezeigt haben, fangen heute einzeln an, sich demselben auch mit Geist und Herz wiederum mehr zu nähern. Und den besten Beweis hiezu liefert uns gerade eso die Loge selbst. Während vor Jahrzehnte» eine Vereinigung, wenn sie auch nur den Namen einer jüdische» trug, bei unseren modernen Brüdern gar keinen Anklang zu sinden pffegte, begeistern sich heme für eine jüdische Loge auch solche, die lange vom Judenthum überhaupt nichts mehr wissen wollten. Run mag es ja fein, daß es nicht immer die reinsten und edelsten Motive sind, die den einen oder den andern wiederum mehr feine jüdische» Brüder aussuchen gelehrt haben. Viele, die ehemals am lautesten für Gleichheit und Brüderlichkeit schwärmten und daniit Nivellirung oder Abschaffung aller religiösen Verschiedenheiten meinten, kehren ja heute cultäuscht zu uns zurück, weil nran ihnen auf nichtjüdischer Seite kalt entgcgenkam oder ihnen vielleicht gar dic Thnrc zeigte. Aber das schöne Wort r.-r? so r,j:zh sör ist hier gewiß an seinem Platzt. Tie überhaupt wieder ansangen, sürJudcnrhum und jüdische Angelegenheiten Interesse zu zeigen, die überhaupt wiederum beginnen, sich ihres jüdischen Namens nicht zu schämen, sondern vielmehr stolz auf denselben zu sein, und dies dadurch zeigen, daß sie einer jüdischen Loge, nicht einer all* gemeinen bettreten wollen, werden vielleicht, wenn auch langsam und allmählich, mit der Zeit dazu gelangen, sich für die jüdischen Gesetze, die sie nicht mehr üben wollten, auf's Neue zu erwärmen. Wir orthodoxe Juden unter uns brauchten freilich die Aeußerlichkeiten, die mit einer B'ne-Brirh- Logc verbunden sind, nicht, wir würden einen Verein -on n'V'c: gründen, ebenso wie wir einen Verein sür rvrsn -n^n errichten, und in derselben Weise, wie diese Vereine zu allen Zeiten und allerwäns in cchrjüdischen 5tremn bestanden haben und bestehen. Aber weil eben die D'ne-Brilh heute diejenige Form von Vereinigung bieten, durch welche diejenigen, welche dem echten Judenthum im Laufe der Zen entfremdet worden sind, wiederum gewonnen werden konnten, und wettn auch einstweilen nur gewotmen sür -an rorej in jüdischem Sinne, darum sagen wir -na* scn. Nicht feindlich dürfen wir orthodoxe Juden uns dcßhalb gegen die B'ne-Brith-Logen stellen, sondern wir muffen suchen, daß wir den schönen und guten ft ent, den die Logen enthalten, in den Dienst des cchtetr und unverfälschrcu JndcnthumS stellen können. Nachbemerkung der Redaktion: Wir können uns mit den Darlegungen unseres geehrten Herrn Mitarbeiters nicht einverstanden erklären. Wenn wirklich die B'ne-Brith-Logen in keinem engeren Zusammenhänge miteinander stehen, sondern jede einzelne Loge ein selbstständiges Ganzes bildet.