Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 37 (12.5.1887)
- Date
- 1887-05-12
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XXVIir. Jahrgang. Erste Beilage zu Ar. 37 -es Israelit. Leitender Artikel. Pie Mne-Nritö und das orlöodore Zudentstum. ui. Frankfurt a. M., 3. Mai. Verschiedene Artikel deS „Isr." haben in der jüngsten Zeit die in derUcbcrschrift genannte Frage eingehend beleuchtet, zwei ans Berlin sich gegen die V'nc-Bnth-Logcn vom Standpunkt des orthodoxen Iudcnthums ausgesprochen. Obwohl eine Eorreivondcnz von hier in Nr. 31 des „Isr." die gegen dieselben erhobenen Bedenken schon widerlegt hat, gestatten Sie wohl, gcehrtester Herr Redakteur, in Anbetracht der hohen' Wichtigkeit der Sache, zu deren abseitiger Besprechung Sie darum mit Recht auch aufgesordert haben, daß ich hiermit nochmals darauf znrückkomme. Tie Abhandlung kn Nr. 23 besonders schildert die Gefahren, die dem orthodoxen Iudcnthum durch die Logen drohen sollen, in warmen und beredten Worten, meiner Ansicht nach nur allznbcrcdtcn, denn die Begeisterung für unsere nach der Meinung des Verfassers gefährdete heilige Glaubenssache hat dem Gefühle desselben eine allzugroße Vorherrschaft eingcräumt und sein objektives und unbefangenes Urrhcil in dieser Sache bceinträchtigr: r'?r':Trrrwn r.Trn» kann man in diesem Falle sagen. Tic Wärme, mit der der Verfasser schreibt, ist ja geeignet, auch andere zu bestechen und zu blenden, und als ich die von Liebe für unser heiligstes Erbgm durchglühtcn Worten las, die alle Kämpfer auf die Warte rufen, war ich ebenfalls einen Augenblick nachdenklich geworden; einen Augenblick jedoch nur war ich geneigt, in meinen Sympathien für die B.-B.-Logcn schwankend zu werden, da gewann alsbald der Gedanke in mir die Oberhand: Haben jene übcrzcugungstrcncn orthodoxen Männer, die unter den Kämpfern für der Väter unverfälschtes Erbe in den ersten Reihen stehen, ganz und gar kein Auge für die angeblich am Horizonte so finster ausstcigcndcn Wolken? Lessen sie fich auch -von den hohen gleisnerisch schimmernden Signallichtcrn* täuschen? Nicht doch, sagte ich, es waltet hier nur ein Mißverständniß, und dies liegt, wie ich glaube, in erster Linie in der llebenreibung, die auf beiden Seiten hier plasgcgriffen har; denn weder ist die B.-D.-Loge an sich etwas so Erhabenes» daß, wie die schwärmerischen Anhänger derselbe« in allerdings oft gar zu lüut tönenden Phrasen behaupten wollen, alles Hell und die Erfüllung all unserer Ideale von ihr allein zu erwarten sei, noch kann fie für das orthodoxe Iuderrthnm, wie die Gegner behaupten, so verderblich werden, daß eine Gefährdung aller Errungenschaften, die dieses in der jüngsten Periode gemacht hat, durch sie zu befürchten sei. Es ist aber ein Jrrthum, wenn man glaubt, daß alle B.-B.-Logen in der Weise eng verbunden wären, daß fie eine einzige Gesellschaft mit gleichen, für alle Zweiglogen verbindlichen Statuten wäre. Allen gemeinsam ist vielmehr nur ausschließlich die gewiß schöne und erhabene Idee der Verbrüderung 511111 vereinten Schaffen und Fördern von guten Werken. Tic Form nun, in welcher diese Vereinigung zur Darstellung kommt, und die Art und Weise, wie die erstrebten Ziele zur Ausführung gelangen, können von unserem orthodoxen Standpunkt aus verwerflich und können ebenso überaus empfchlenswerth sein. Es ist darum unberechtigt, über die Loge als solche ein allgemeines Unheil zu fällen; vielmehr ist bei jeder einzelnen Loge zu prüfen, ob von orthodoxer Anschauung aus der Eintritt in dieselbe sich empfiehlt oder nicht. Tamii fällt auch von selbst der Vorwurf, der gegen die Loge aus dem Grunde erhoben worden ist, weil irgendwo in den Statuten einer Zweigloge ein Passus vorkommt, oder weil ein Einzelner, der dazu berufen oder nicht berufen war, in einer Rede Ansichten geäußert, die dem orthodoxen Israeliten anstößig erscheinen müssen. Tics sind eben nicht zu billigende Fehler oder Taktlosigkeiten dieser oder jener Zweigloge, oder dieser und jener Person. Tem Geiste und dem Gesetze der Loge entsprechen, wie ich nnch an maßgebendere Stelle genau informirt habe, Reden, wie z. B. ein Tr. Gutmann bei Jnstallirung einer Loge eine gehalten haben soll, durchaus nicht. .Aber aus eben diesem Gnrnde wird je nach den lokalen Verhältnissen der orthodoxe Israelit zu prüfen haben, ob seine Bcthciligung an der Loge fich empfiehlt, ob erdort vielleicht seinen Einfluß geltend machen kann, damit die Loge nur in echt jüdischem Geiste ihre Thäligkcil entfaltet, und wo dies nicht zu erwarten ist und etwa gar Handlungen Vorkommen, die gegen das jüdische Gesetz