Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 37 (12.5.1887)
- Date
- 1887-05-12
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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642 das Gepräge seines Geistes trägt. — Einst ging einer seiner Schüler ins Ausland und widmete sich dort dem Handel. Mit großen Rcichthümern kehrte er in die Hcimath zurück. Ta wurden seine ehemaligen Genossen von Gewinnsucht ergriffen nnd wollten ebenfalls dem Studium entsagen und Reick - thümer erwerben. Rabbi Schimcon erfuhr cs und führte seine Schüler in eine weite Ebene; dort betete er zu Gott, daß die ganze Ebene sich mir (Mb bedecke» möge. Und es geschah also. „'Beilen Herz am Golde hängtsprach der Rabbi, „der möge nehmen, soviel ihm beliebt; aber wisset, daß der, welcher jetzt von dem Golde hier nimmt, seinen Antheil am ewigen Leben verscherzt." — Keine Hand streckte sich nach dem Golde aus, nnd die Schüler gaben den Gedanken aus. das köstlichste Gut, die Thora, um schnödes Gold cinzutauschcn. (Midrasch Nabbah Pcraschath Pckude). Wer den Ausspruch Rabbi Schimeons aufmerksam liest, der wird sofort erkennen, daß in demselben gar Vieles der Erklärung bedarf. Zunächst ist zu fragen, warum der Weise sagt: „Drei, die gegessen haben an einem Tische :c." Wäre dasselbe nicht auch bei zweien der Fall? — Zum Zweiten muß man erklären, warum er sagt: „die gegessen Haien;" wcßhalb spricht er nicht in der Gegenwart: „drei, welche essen an einem Tische." Zum dritten muß man erörtern, wieso und wcßhalb durch das Fehlen der Worte der Thora das genossene Mahl einem Götzcnmahle ähnlich wird oder gar gleich zu achten sei. Zum Vierten muß man verstehen, wie aus dem angeführten Verse oic ausgestellte Behauptung erwiesen sei. Ter Prophet spricht von ganz etwas Anderem; er schildert vorher die traurigen Zustände, da sogar Priester und Propheten sich im Weine berauschen und dadurch Irrthümlichcs lehren und Falsches weissagen, »voraus er in dem in Rede stehenden Verse die Folgen des Rausches beschreibt, da ja, wie bekannt, die Berauschten die Tische, an denen sic sitzen, zu beschmutzen psicgen. — Zum Fünften bedürfen die eäthsklhaftcn Wolle 272 ~2, „ohne Crt" der Erklärung. Wohl übersetzt man „ohne Gott," da im Talmud der Heilige, gelobt sei Er, mit dem Ramen ,Makom" bezeichnet wird; in der heiligen Schritt jedoch findet sich keine Analogie hierfür. — Ebenso wscheint — zum Sechsten — auch der Schlußsatz ncht aus dem angcsührtcn Bibelvcrse erwiesen. Ter Prophet Iccheskel spricht gar nicht vom Thoraredcn »ach dem Enen. — Zum Siebenten erscheint cs wssällig, warum Rabbi Sckiimcon nicht, dem Bci- Pie'e Rabbi Ehananja's und dem Rabbi Ehalapha's Mischnah v) folgend, ansügt, daß auch Zweie, daß auch Einer, wenn sie oder er sich nach dem Esse» mit der Gotteslehre beschäftigen, gleichsam an der Tafel Gottes gespeist habe«. — Zum Achten muß noch erklärt werden, wieso das Unterlassen des Thorarcdcns oder das Thoraredcn auf die schon vollendete Mahlzeit eine Rückwirkung üben können, so daß das bereits Geschehene in dem einen Falle einem Götzenopfer und in dem andern Falle dem Anthcile an der Tafel des einzigen Gottes verglichen wird. Es sind große Wahrheiten, die uns hier Rabbi Schimcon in Bezug aus die Tinge offenbart, die vielen Menschen als höchster Lebenszweck erscheinen, in Bezug aus Essen und Trinken (r^orr rrrr), und wir werden unter göttlichem Beistände versuchen, an der Hand der weisen Erklärer unsrer Maßechtha die erhabenen Grundsätze darzulegeu, die uns zur richtigen Auffassung unsres Lebenszweckes führen. Mit deren Darlegung werden alle von uns aufgeworfenen Fragen beantwortet sein. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspoudeuzeu. Deutschland. Mainz. Wir gestatten m:s, unsere Leser aus die im Znseratcnthcil unseres Blattes enthaltene Bemerkung unserer Expedition besonders aufmerksam zu mache», wonach unbemittelte Restaurateure, sowie solche, welche nur privatim "seo Speisen verabreichen, ohne Eimraggebühr in das jüdische Hütcl- Adrcßbnch ausgenommen wcrvcn. Im Interesse des reisenden Publikums, das selten weiß, wohin es sich in diesem Falle zu wenden hat und dessen häufige Anfragen auch wir zu beantworten nicht stets in der Lage sind, wäre es dringend zn wünschen, daß Jeder der Herren Hoteliers uns seine Adresse in deutlicher Schrift schleunigst aufgebe. Freinsheim. (Bäurische Rheinpfalz.) Durch Wegzug ist die hiesige isracl. Gemeinde derart klein geworden, daß es bereits an rrr? pro zur Abhaltung des Gottesdienstes gebricht. Sollten ärmere Israeliten hkerherzuzichen sich entschließen, so dürsten sie auf die Unterstützung ihrer hiesigen Glaubensgenossen rechnen. — Es wäre erwünscht, wenn zn de» Feiertagen vier arme Israeliten hierherkämen, um den öffentlichen Gottesdienst zu ermöglichen. —