Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 36 (9.5.1887)
- Date
- 1887-05-09
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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634 Tem hohen Verdienste gegenüber sind die Preise | für die unumgänglichsten Lebensbedürfnisse mäßig zu nennen. Ein lediger Arbeiter zahlt z. B. in einem Privatkosthaus für Wohnung und volle Verpflegung pro Woche 21 Sch. (Frc». 26.25.) Verhcirathete mit eigenem Hausstand können sich natürlich noch billiger cinrichtcu, da Viktualien und Flcischprcise nicht hoch sind. Das Pfund Rindfleisch z. L. kostet 25 Pfg. (31 Etrns.) Auch in Bezug auf die Wohnungsverhältnisse ist die arbeitende Älane gutgestellt. Tie verheirathetcn Arbeiter bewohnen in der Regel mit ihrer Familie ein Häuschen ganz für sich, entweder gegen einen mäßigen MicthszknS, oder sie erwerben da» Haus als Eigcnthurn durch allmähliche Abzahlung. So weit die Einzclnhcitcn. Wie cs aber weiter bekannt, ist Australien, bczw. dessen verschiedene Bcstandtheile englischer Kolonialbesitz und vielleicht noch toleranter als das Mutterland. Wenn wir un» gegenwärtig halten, daß bei dem Wechsel des Wohnortes in erster Reihe der materielle Nutzen und speziell für uns Israeliten auch die moralische Seite in Betracht zu ziehen ist, so ist beide» in Australien vereint und es kommt hinzu die selbst im Verhältnis; zu den bcwohnungssähigen Landgebieten nicht bedeutende Ziffer der Gcsammtbrvölkcrung, daher für größere Kolonisirung noch Platz genug vorhanden. Ein andere» lohnende» Feld der Thäligkcit ist die Landwirthschaft (bekanntlich die Schafzucht). Was einer Einwanderung hinderlich ist, das könnte nur da» tropische Klima und die weite mit, gegen Amerika, noch größeren Kosten verbundene Entfernung sein. iviir die rumänischen Israeliten habe ich diese Einzclnheitcn aus dem am Schluffe des dritten Aussatzes angegebenen Gründen nicht zusammengestcllt, sondern im Allgemeinen für solche, gleichgültig aus welchen Ländern, die jemals die Absicht und die Möglichkeit hätten zu wandern, als Hinweis, daß man in Australien eine geeignetere Zufluchtsstätte aufsuchen kann, als cs Spanien je werden könnte. Für die Rumänischen steht meine Ansicht, daß sie nach dem Orient gehen sollen, seit Jahren ebenso fest, wie meine Meinung über die Natur der rumänischen „Indensragc" und über das System der Behandlung derselben. Und in Rnmänien ist selbst der weiteste Orient, bis Indien, gar nicht unbekannt. Man ist im Einzelnen schon vor dreißig und mehr Jahren dahin gegangen und man bat, wenigstens damals, Rcichthümer gesammelt. Wer aber für die Kolonisirung Palästina» * sich interessirt — und ich bin darunter Einer — der wird umso lieber nach den verschiedenen Ländern des näheren oder weiteren Orient gehen, vorläufig mit Ausnahme des unzweckmäßigen, mit Hindernissen aller Art verknüpften Ursprungslandes. Die Niederlassung in den umliegenden Ländern, wie angegeben, von Bulgarien und Serbien angefangen, würden, — man erkennt es auf den ersten Blick, — die Bedeutung von Etappen, Vororten haben, die dazu dienen werden, sich die völlige Kenntniß der orientalischen Sprachen und Lcbensgcwohnhcitcn anzucigncn, um sie dann in Palästina vcrwenhen zu können. Während die jetzigen rumänischen Auswanderer in ihrer Armuth zu allem greisen müssen, was Brod verspricht, also selbst Handwerker zum Handel, zu dem die Aufsuchnng von Städten nochwendig ist, während ein Einwanderung en w as s e in Palästina, namentlich bei den jetzigen Umständen, weder opportun noch ausführbar ist — werden dieselben Rumänischen oder ihr junger Nachwuchs nach längeren oder kürzeren Aufenthalten in den Ländern oder Provinzen der palästinensischen Umgebung bte Erfahrungen und bei gefundener Ruhe vielleicht auch einige Mittel gesammelt haben, um, well ohne Zwang im Einzclnen, nach Palästina zu gehen und sich dort dem Ackerbau zu ergeben. Tie Belehrungen, die sie in der Rahe de» endlichen Wanderungszicle» schöpfen werden, können natürlich nur von größerem Werth sein, als man sie von weiter Ferne empfangen kann. Caewrum ceuseo: wofür ich schon oft kn Privatgcsprächcn und kn meinen vorjährigen Aufsätzen über die Wanderung der Israeliten cingerreten bin, das lege ich nochmal» an's Herz: man wandere nicht nach den Hauptstädten; man wandere nicht nach dengrößtmoglichen Städten; man wandere nicht in Masse nach den Städten; Tiefen aufrichtigen, wie ich glaube, nützlichen Rath gebe ich für Ausbczw. Einwanderungen im Allgemeinen und für die nach Australien, von welcher dieser Abschnitt handelt, im Besonderen. In den Städten herrschen in Australien in Bezug auf Handel undfreie Gewerbe dieselbe — Uebersüllung und deren Folgen — wie in Amerika und, bei der modernweltlichen Tendenz der Stävtevcrgrößcrmig, wie in der ganzen Welt. Tie tramkgen Zustände aber sollen eben vermieden werden» darum sei das heilbringende Losungswort allezeit und allerorten: »Tecentralisatiou!"