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Der Israelit · 1887-05-09 · Heft 36 (9.5.1887) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 36 (9.5.1887)
Date
1887-05-09
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen. Deutschland. Berlin, 5. Mai. In der heutigen Sitzung des Reichstags bemerkt bei .Kapitel 25, „Naturalven'slegung der Truppen", Abg. Dr. Böckel: Ich möchte diesen Etatstktel nicht vorübcrgcbett tasten, ohne einen energischen Protest gegen das jüdische Licfcrantcmvescn in der Armee anSzusprechen. Die deutsche Armee ist nicht dazu da, daß Inden sich an ihr bereichern. Im Offiziersstande mag man die Juden nicht, aber als Lieferanten heißt man sic willkommen. DaS ist doch ein schrcienvcr Widerspruch. In Staffel wohnt ein Jude, Ascher, der an Armee-Lieferungen im Jahre 1870 ein Vermögen erworben hat. In Marburg ist ein Jude, Simon, Lieferant des dortigen Jägcrbataillons. Für die Leiden der Landwirthschaft behauptet mau stets ein warmes Herz zu haben; warum wendet man die Millionen dieses Kapitals nicht unsetcm nothlcidcndcn Bauernstand zu? Ter stellt die Truppen, schlägt die Schlachten, zahlt die Steuern; wenden Sic diesem die Lieferungen zu, die Sic den Inden geben, so haben Sie ein gut Stück sozialer Frage gelöst. Kriegsministcr Bronsartv. Schellcndorf: Ich must den Borwurf, als ob in der Armee das jüdische Licferanlcnwesen bevorzugt würde, als ganz unzutreffend zurückwcisen. (Beifall.) Es ist das Bestreben der Aroiccvcrwaltung überhaupt, soviel als möglich, sofern dadurch nicht Nachtheile erwachsen, direkt vom Produzenten zu kaufen. Ter Abg. Bökkcl scheint die Bcrhältniffc wirklich sehr wenig zu kennen, sonst müßte er doch auch erfahren haben, daß gerade in der neuesten Zeit durch ganz hervorragende Maßregeln dem Grundsatz, auf den er hinauszukommen scheint, bereits Folge gegeben wird. Ich spreche natürlich nicht vom jüdischen Licfcrantcnwescn, sondern vom Licferantcnwescn überhaupt. Daß vielleicht früher einmal ein Lieferant, selbst wenn cS ein jüdischer ist, durch große Lieferungen, etwa im Jahre 1870, reich geworden, ist ja möglich. Es kam damals vor allen Trugen darauf an, die Armee unter schwierigen Verhältnissen überhaupt zu verpflegen, und wenn wir da die Lieferungen rechtzeilig dahin bekamen, wo wir ne brauchten, dann haben wir eigentlich auch keine Veranlassung gehabt, m dem Augenblick zu fragen, wer sie unS bringt, sondern der Soldat soll gesättigt werden, damit er für seine Aufgaben brauchbar bleibt. In solchen Fällen muß man übrigens immer ziemlich theucr bezahlen. Daß da Mißbräuche vorgekommen find, daß durch mangelhafte Anordnungen hier und da vielleicht mehr bezahlt worden ist als sonst, will ich gern zugebcn. Ick» bin aber überzeugt, daß «ach den Auordnungen, die auch für diesen Fall getroffen worden sind, die aber dem Herrn Abgeordneten nicht bekannt sein können, auch für den Fall eines zukünftigen Kriegs Vorsorge getroffen werden wird, daß nicht in einer wirklich mißbräuchlichen und über die Gebühr hinauSgehenden Art ein illegitimer Verdienst, »venn ich so sagen darf, gewonnen wird. Aber iw Ganzen ist der Vorwurf, daß in der Militärverwaltung jüdische Lieferanten bevorzugt werden, ein ganz unberechtigter. Abg. S t r u ck ni a n n: Ich glaubt, es ist daS erste Mal, daß in so nackter Weise bei dieser Gelegenheit hier konfessionelle Gegcgensätze in die Debatte gezogen werden. Der geringe Beifall, den der Abg. Böcke! gefunden, läßt es uns nicht nöthig erscheinen, ausführlich auf feine Bemerkungen einzugehc». Ich habe nur den düngenden Wunsch, daß cS uns erspart bleiben möge, ferner konfessionelle Gegensätze in dieser Art hier in die Berhaudlungen gezogen zu sehen. (Lebhafter Beifall.) Abg. Tr. Böckel: Ich muß mich sehr darüber wundern, daß Herr Struckmann die Iudeufrage noch als eine konfessionelle ansicht. Die Iudcnfragc ist eine Najscnfrage. Nicht wegen konfessioneller Rücksichten, sondern als Nasse werden die Inden von uns bekämpft. Abg. St ruck mann: Dann erwidere ich dein Abg. Böckel, daß die Juden ganz dieselben staatsbürgerlichen Neckte haben, wie wir Deutsche»; sie sind gerade so Neichsangehörigc wie wir, und cS ist Niemand berechtigt, ihnen direkt oder indirekt diese 'Rechte zu bestreiten. Ich hofft, daß auch dieser Gesichtspunkt Vertretung auf anderer Seite nicht finden wird. Präsident v. Wedel!: Von einer allgemeine» Debatte über jüdische Angelegenheiten möchte ich doch abznschen bitten. (Große Heiterkeit.) Ich würde eine solche nicht dulden können. Abg. Kalle: Tie Frage des Liefcrantcnwescns ist wiederholt verhandelt worden; der Kriegs- Minister hat schon damals die Versicherung gegeben, daß die Verwaltung cs sich angelegen sein lassen werde, so weit als möglich die Lieferungen direkt von den Produzenten zu beziehen. Abg. Tr. Böckel: Die Thatsache ist doch nicht zu leugnen, daß für das Jägerbataillon in Marburg der Jude die Lieferungen wieder bekommen hat, und ich denke, wo die Katze ist, da sind auch mehr dergleichen. Ein Vorwurf soll cs auch nicht

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