Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 36 (9.5.1887)
- Date
- 1887-05-09
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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- Odesa 2× ep/1000834
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629 von dem Bahnwächter, welcher den Vorfall bemerkt I;atic, nach der Wächterbude gebracht, wo er bald darnach seinen Geist aufgab. Hierauf begab sich der Unmensch nach der Station, wo gerade ein Zug angelangt war, der nach Odessa ging, trat in die Bahnhofsrcstanration 1. Klasse und verlangte ein Glas Thee. Als zum ersten Male geschellt wurde, rief er den Kellner, um zu zahlen. Als dieser kam, zog er jedoch wieder sein Messer hervor und führte einen Stich nach dessen Bauch. Ter Kellner parirte den Stich jedoch mit seiner Hand und rief laut nach dem Gendarmen. Als dieser hinzukam, zog der Mörder mit einem kräftigen Ruck sein Messer aus der Hand des Kellners, wobei er demselben die Hand halb durchschnitt, so daß die eine Hälfte nur noch an der Haut und den Knorpeln hängen blieb. Endlich gelang es, den Rasenden zu fesseln. Jcvt liefen aber die Juden hinzu und nur mit Muhe konnten dieselben zurückgchalten werden, an de»! Mörder Lynchiln'liz zu verüben. Trotzdem die Gendarmen die Andringcnden zurückhieltcn, gelang cs dennoch einem Juden , dem am Boden gefesselt Liegenden eine Lhrfeige zu versetzen; ein Fnßnoß gegen den Magen war die Antwort hierauf, welcher so kräftig war, da« der Jude ohnmächtig zufammenbrach und fort* getragen werden muhte. Tic Verwundeten wurden mit dein Zuge nach Odessa gebracht, wo der Bahnarzt Baranowski ihnen die erste Hilfe crthcilte und ihre Uebcrführung nach dem Spital vcranlaßte. Türkei. Salonichi, im April. Die amtliche „La Turquie* veröffentlicht folgende ihr von hier aus zugcgangene Korrespondenz: „Sic werden wohl winen, daß für die Juden das Pcßachfcst, das sie eben feiern, das feierlichste des ganzen Jahres ist, da es sich aus ihre Flucht anS Egypten bezieht. Verfolgt uud gehext, hauen sie in ihrer Unruhe und Ncberstürzung nicht einmal so viel Zeit gehabt, jmi ihr Brod, bevor sic es backten, gährcn zu lauen, und zum Andenken an dieses historische Ercigniß csien sic noch heute während des genannten Festes nur ungesäuerte Brode. Während dieses Festes Nt nun jede Arbeit verboten; nun haben Snccursalen Wiener Geschäftshäuser, die hier ctabliri sind und sich zumeist mit dem Kleiderhandel abgeben, dieser religiösen Verordnung keine Rechnung getragen; sie hielten ihre Gcschäftslädcn offen und rerkauften ungestört, und dies um so mehr, als beim Herannahcn der griechischen Feiertage (Ottern) rbr Absatz gewöhnlich ein sehr großer ist. Der Obcrradbmer und die Vorsteher der hiesigen Gemeinde waren höchst empört über diese Entweihung des '«»es. Sie wollten sogleich die Intervention der türkischen Behörden anrufcn; sie kamen jedoch bald znr Einsicht, daß Letztere gegen fremde Staatsangehörige nichts ausrichlen werden, und so beschlossen sic, die Schuldigen vor ihr eigenes Gerichtstribunal zu laden. Ton nun, nach langen Unterhandlungen, wurde endlich vereinbaN, daß die erwähnten GeschäftSlädcn geschloffen bleiben werden. DieGeschästSführcr dieser Succursalen theilten diesen Beschluß mittelst des Telegraphen ihren Chefs in Wie» mit, von denen nun einer, Herr Mayer, sogleich zurücktelegraphiere, daß er seinen Geschäftsführer für all' den zu erleidenden Schaden verantwortlich machen würde, selbst, wenn bicfcr nur für eine halbe Stund« das Geschäft geschloffen halten sollte. Letzterer sah sich so gezwungen, sein dem Obcrrabbincr gegebenes Ehrenwort zu brechen, und dieses um so mehr» als er bemerkt hatte, daß sein Gcschäftsnachbar, der sich gleichfalls durch sein Ehrenwort verpflichtet hatte, nicht im Geringsten zögerte, im Stillen noch weiter zu verkaufen. In Folge dieses Vorganges berief der Obcrrabbincr für heute Freitag Abends (15. April) die Mitglieder des Eultusvorstandcs und sämmtlichc Rabbiner Salonichi's zu einer Berathung, in der er nun bcanttaglc, alle diese Gcsevesverrälher und alle Diejenigen, welche bei ihnen kaufen werden, in den Bann zu legen. Jndcß gelang cs doch einigen der Anwesenden, den Lbcrrabbincr auf die Tragweite eines solchen Vorgehens aufmerksam zu macken, denn nicht nur würde die österreichisch - ungarische Regienrng gegen eine religiöse Verdammung ihrer Untenhanen Protest erheben, sondern die türkische Regierung selbst würde dagegen cinschrciteir, da sie nicht dulden könne, daß, nachdem sie allen ihren llnterthanen Glaubensfreiheit zngcsichcrt hatte, dieselben mit Gewalt zur Erfüllung einer religiösen Pflicht angehaltcn werden sollen. Der Oberrabbiner sah ein, daß sein Antrag ein übereilter war, und nahm er daher denselben sogleich wieder zurück. Da ich nun eben von den Israeliten hier spreche, so will ich zugleich crivähncn, daß nach einem uralten Gebrauche, wenn ein neuer Statthalter hier ankommt, der Oberrabbincr ihm die Schlüssel der Stadt mit der Bitte überreicht, er möge den Israeliten hier gestatten, noch weiter in der Stadt zu wohnen. Dieser Gebrauch stammt noch aus der Zeit her, als die aus Spanien vertriebenen Juden sich hier anzusicdeln begannen und hier min auch Synagogen erbauten. Damals war Salonichi noch von Mauern umgeben, deren Tbore mit Sonnenuntergang geschlossen wurden. Tie Juden konnten damals die Stadtthore nur mit Erlaubniß der Behörden passircn und hing eS auch von diesen ab, wie und wo die Juden hier ihre Häuser erbauen konnten. Unter dem 18. April wird dem genannten Blatte von hier geschrieben: „Eine junge tsraeli-