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Der Israelit · 1887-05-09 · Heft 36 (9.5.1887) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 36 (9.5.1887)
Date
1887-05-09
Page
– (sequence 4)
Language
German
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welchem Dolksstamme, welcher bonfcssion und welchem Stande sie auch immer angehören mögen, vollständig gleich sind. Ter Kampf umS Dasein zeitigt leider in den Menschen früh genug die bösen Leidenschaften. Wehe aber der Gesellschaft, in deren Schulen schön die Drachcnsaat des blassen- und Racenhasscs mit vollen Händen ausgestrent wird. Wenn Lehrer der Wiener bommunalschulen auf einem der benfrssion oder Rare nach exclusiven und extremen Standpunkt stehen und sich dazu öffentlich bekennen, so wird ihnen Niemand wehren nach Mandaten zu streben. Ihr Lehrcrdiplom aber läßt sich damit nicht vereinigen, und wenn sie nicht selbst Tact genug besitzen, um das einzuschcn, dann sollte cs ihnen von jenen klar gemacht werden, welche dazu berufen sind. Lemberg. 2*. Avril. In den abgclaufencn Osterscicrtagcn war die jüdische Bevölkerung Lembergs Zeuge eines neuen Schauspiels, welches allgemeine Befriedigung erweckte. Tie jüdischen Soldaten der hiesigen Garnison, ungefähr 500 Mann, rückten abtheilungsweise unter der Führung von Kommandanten in den Tempel und die hiesigen Hauptsynagogcn, um am Gottesdienst Amhcil zu nehmen. Diese neuartige und in Oesterreich vielleicht noch gar nicht praktizirtc.Kirchenparadc wurde vom hiesigen Kultusgemtinde-Borstaude veranlaßt. Seit Jahren werden nämlich die jüdischen Soldaten der Lcmbergcr Garnison während aller acht Ostcrfciertage (sowie an den Hcrbst-Hauplscicrtagcn) von dem .Kultnsgcuicindc-Vorstände mit Hilfe eines Spezialkomit^s gänzlich rituell gespeist. bine Deputation dieser Soldaten erschien vor den jüngst abgelaufenen Oftcrfcicrragen beim Mirgliede unseres hiesigen Lorstandcs Herrn Tr. Emil Buk mit der Bitte, daß den jüdischen Soldaten der Besuch der Gotteshäuser in ähnlicher Form ermöglicht werde, wie der ihrer christlichen Kameraden in den Kirchen. Unser Bercinspräsidcnt veranlaßte daher eine Versammlung der Verwaltungen des Tempels und der Hauptwnagogen. und nachdem fcstgcstcllt wurde, wie viele Soldaten jedes dieser Gotteshäuser fassen könne, richtete der Vorstand eine Zuschrift an das hiesige Korps->tonimando und brachte die Befreiung der jüdischen Soldaten vom Dienste und die ganze Maßregel der geordneten Theilnahme der jüdischen Soldaten Lembergs am Gottesdienste in Vorschlag. Mit ancrkcnncnswcnder Bereitwilligkeit genehmigte das .Korps-Kommando diese Maßregel, eben so wie dasselbe stets die rituelle Speisung der jüdischen Soldaten an den Lstersciertagcn durch Abführung der entfallenden Menage-Gelder und dergleichen unterstützt. (Lcmb. Isr.) Italien. Livorno, im Mai. er--? ram. Im Alter von W Jahren isr hier die Frau Sara de Rofsi, eine geborene Israeli-Tedeschi, Mutter des hiesigen Advokaten Biltorio de Rsssi, gestorben. Dieselbe war eine Anverwandte des vor einigen Jahren verstorbenen englischen Staatsmannes Lord Beaconsfield (D'Israeli) und war sie auch nicht wenig stolz auf diesen Sohn ihrer Familie, der cs soweit gebracht hatte. Beneidet hatte sie ihn jedoch nie, weder um seinen Ruhm, noch um seine bhrenstcllcn, noch uin sein Vermögen, da sie im Gegensätze zu ihrem hohen Anverwandten, dem Glauben ihrer Väter treu blieb und in demselben airch starb. In Mantua starb Rabbi Angela Nissim, Sohn des berühmten Rabbi Schelomo Nissim 71 im Alter von 77 Jahren. Der Verstorbene fungiric durch mehr als 40 Jahre als Hasan in der Synagoge daselbst und erwarb er sich den ehrenvollen Namen eines p«j tcs ntr. Von beiden Tobten können wir sagen: toä? cror. Das Spital der barmherzigen Brüder (Fatebene-fratelli) in Neapel hat unseren Glaubensgenoffen, den dortigen Sviralarzt, Dr.ArrigoMarroni. zu seinem Primarärzte ernannt. — Herr Emil Weiß, portugiesischer General - bonsul in Neapel, erhielt vom .König Humbert die bommandcurs- Insignicn des Lazarus- und Mauritius-Ordens. — Tic Oberstlierrtcnants Giacomo Legre und Leopold barmi wurden zu Obersten befördert. Die königliche Akademie dcrWissenschaftcn in Berlin hat den Mailänder Profenor Jsaias Ascolr zu ihrem corrcspondirenden Mitgliede ernannt. Rußland. Odessa, 30. April, bin furchtbares Drama spielte sich der „Od. Ztg." zufolge am 26. April im Marttllccken.Kryshopol, Station der Südwestbahnen, ab. bin beurlaubter Arbeiter der Südwestbahn. welcher mit einem Freibillet nach Kiew und zurück versehen, sich in .Kryshopol aufhielt, begegnete Abends, als er nach dem Bahnhofe ging, einem Inden, den er mit dem bekannten russischen Lstergruß anbiclt und ihm gleichzeitig mit einem langen Messer den Bauch ansschlitzte und ihm noch außerdem 6 gefährliche Stichwunden beibrachte. In der Meinung. daß der Jude tobt sek, ging er weiter und begegnete noch « Juden, welchen er allen ebenfalls furchtbare Stichwunden beibrachte. In der Nähe der Station Kryshopol bemerkte er einen Dauer, harmlos neben seinem Wagen hergehend. Auch diesem brachte er eine 7 Zoll lange Wunde in der Seite bei. Derselbe sank sofort um und wurde

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