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Der Israelit · 1887-05-09 · Heft 36 (9.5.1887) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 36 (9.5.1887)
Date
1887-05-09
Page
– (sequence 3)
Language
German
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627 Frankfurt a. M , 6. Mai. Dem diesjährigw Jahresbericht der israelitischen Waifrnanstalt dahier entnehmen wir überaus erfreuliciic Mitthcilunge» über die immer gedeihlichere Entwickelung und die höchst erfolgreiche und segcnsrolle Wirksamkeit dieser so schönen und edlen Institution. Tie Llnadenabtheilung hat gegenwärtig Zöglinge, welche, nach Berücksichtigung ihrer Befähigung, theils durch Volkstheils durch Realnnterricht die Vorbildung für ihre zukünftige Bestimmung erhalten. Frau Tr. Spier hat sich aus Gesundheitsrücksichten rcranlaßt gesehen, ihre bisherige Stelle als Verwalterin des Hauses in dieser Abtheilung der Anstalt aufzugeben, und Herr F. Sondh eimer, der bereits früher die erziehliche Ucbcrwachung der nnabcn-Arrsralt leitete, wird nach feiner dcmnächstigcn Verhcirathung auch die wirthschaftliche Verwaltung der Anstalt führen. Aus dem Moses und (5lara Schiff'schen Fond wurden im Laufe des Jahres acht der Anstalt ent* wachscnc und in den bürgerlichen Beruf cingctretene Lehrlinge nach Maßgabe des Bedarfs unterstützt. In der Müdchenabthcilung befinden sich jetzt Zöglinge. Eines dieser Mädchen bereitet sich durch Bcth'ciligung an einzelnen Kursen der Fortbildungsschule für den zukünftigen Beruf vor, während die übrigen den Unterricht in der Volksschule geniesten. An Geschenken und Legaten erhielt die Knabcn- Anstalt im verflossenen Jahre 38,728 Mk. 70 Pf. Tarunter befindet sich die Spende eines Ungenanni reu mit 1500 M., ein Legat des fcl. Herrn Mich.! 2üm. Alainz mit 25,000 M., ferner noch von dessen \ Hinterbliebenen 600 M. und eine Gabe der Frci- > trau Ä. Earl v. Rothschild mit 3000 M. 77 Pf. j 2k Gcsantmtsumme der Einnahmen belief sich auf! -'>6.610 M. 18 Pf. austcr einer Einnahme von 3733 M. 34 Pf. für den Moses und Elara Schifffchen UnterstüLungsfond. l Die Geschenke und Zuwendungen für die » Rädcherrwaisenansralt betrugen 8046 Mk. 76 Pf., j worunter zwei Gaben von je tausend Mark und \ aus dem Legate des sel. Freiherrn Baron Meyer s Earl von Rothschild 3000 Mk. An jährlichen Bcif trägen erhielt die Mädchenwaisenanstall 2788 Mk. Pf. und austcrdcm noch 1200 Mk. Beiträge - für gewisse Zöglinge. Die Gcsammteinnahmc wa-; rrn 14600 Mk. 44 Pf. Wenn dies auch außerordentlich glänzende Rciultote sind, so ist doch der am Schlüsse des Berichtes Seitens des Vorstandes ausgesprochene Wunsch, dast eine stets wachsende Thcilnahme es ermögliche, der Anstalt eine noch umfassendere und segensrelchcrc Wirksamkeit zu geben, gewiß berechtigt, und mit vollem Herzen wird jeder Menschenfreund 1u denselben einstimmen. Lestcrr. - Ungar. Monarchie. Wie«. Bei den letzten Wahlen in den Wiener Gemcinderath wurde ein antisemitischer städtischer Mittelschullehrer gewählt. Diese Wahl wurde von dem Gemcinderathe der Residenz annullirt, weil der Gewählte als Gememdebcamter kein passives Wahlrecht besitzt. Im Verlaufe der Tiscussion wurde auch der Antisemitismus dieses Mittelschullehrers berührt. Tics vcraulastte daS „N. W. Z* vom 22. April die Frage zu erörtern, ob ein ausgesprochener Antisemit als öffentlicher Lehrer in Wien überhaupt zulässig und möglich sei und die Argumente wie die Worte, welche dieses Journal in der Behandlung dieser hochwichtigen Frage gebraucht, sind so bchcrzigenSwcrlh und so überzeugend, daß wir es für unsere Pflicht halten, sie zur weitern Verbreitung mitznthcilcn. Das betreffende Blatt schreibt folgendes: Behält ein solcher Lehrer seine Gesinnung für sich, dann ist gegen ihn nichts ciuzuwenden, denn Gedanken sind zollfrei. Ganz anders aber stellt sich die Sache, wenn er sich öffentlich, sei es in Bcrcilicii oder Versammlungen, bei der Bewerbung um ein Mandat, oder gar in seiner Schule als Antifcmit bekennt. Tie Wiener Eommunal-Mittclschulen werden zahlreich von Juden besucht; in der Lcopoldstadt bilden diese sogar die Majorität. Wie sollen sich mm die richtigen, liebe- und vertrauensvollen Beziehungen zwischen Lehrer und Schülern, ohne welch ein gedeihlicher Unterricht unmöglich erscheint, entwickeln, wenn der Lehrer entweder die Eonfession oder die Racc, welcher die Schüler angchören, hastt und verfolgt, und wenn die Schüler sich über diese seine feindliche Gesinnung aus jedem Zcitungsblatt unterrichten können i Und kommt ein solcher Lehrer auch wirklich mit der ernsten und festen Absicht zur Schule, vollkommen unparteiisch und objektiv vorzugchcn und keinen Unterschied zu machen zwischen Ehrist und Jude, so ist er doch auch nur ein Mensch und wird durch die menschliche Schwäche nur allzu leicht dazu verleitet werden, das in dem kleinen Kreise seiner Schule praktisch zu üben, was er in den Bersammlungen seiner Partei als das neueste Testament gepredigt hat. Die Schule ist eine heilige Stätte; in ihr wird, über das Glück oder Unglück von Generationen entschieden. In der Schule kann nur jener Lehrer segensreich wirken, vor dcffcn Herzen alle Schüler,

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