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Der Israelit · 1887-05-05 · Heft 35 (5.5.1887) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 35 (5.5.1887)
Date
1887-05-05
Page
– (sequence 5)
Language
German
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613 bultuS und die Schulen vor Noth schützte, geschah nichts für den israelitischen CultuS, sogar seine fast einzige Hilfsquelle, da? Monopol des Fleischverkauss in den israelitischen Schlächtereien, ist schon dcdeu. tend geschmälert worden und scheint noch anderseits bedroht durch die neuen Verordnungen für die Schlachthäuser. Daher ist der sich selbst überlassene israelitische EultnS, ohne Verwaltung, ohne genügende Mittel, die Quelle zahlloser Schwierigkeiten geworden. Um auf die KirLhofSfrage zurückzutommcn, so bin ich der Ansicht, das; die Stadtbebörde richtig gehandelt, daß sie die Juden lieber aus gleichen Fnß stellte mit den Europäern und nicht mit den Arabern; aber zngcbcn muß ich, da» sie bei dieser Gelegenheit weder Tact noch Maß bekundete. Sie har nicht die Rücksicht walten lassen, die eine Bevölkerung verdient hätte, welche so lange unter arabisch!r Herrschaft gelebt, ja nicht einmal die Vorsichtsmaßregeln, welche man den.Katholiken gegenüber genommen. Als cs sich darum handelte, den katholischen Gottesacker zu einem städtischen zu machen, hat die städtische Verwaltung zuerst lange mit Dir. Lavigcric unterhandelt, bat ihm alsdann den Kirchhof abgckauft und bezahlt, hat ihm alle Garantien, die er forderte, gewährt; dann hat sic den Dienst übernommen, so da» die Gasse der Gemeinde vollständig entschädigt wurde, und hat endlich, trotzdem der Handel abgeschlossen, die katholische Kanzlei damit bcaufttagt, sich mit dem Publikum zu verständigen, um vorsichtigerweise eine plötzliche Störung in den Gewohnheiten der Bevölkerung zu vermeiden. Was die Juden betrifft, so hat die Behörde über sie bestimmt, ohne sic zu befragen; man hat den Kirchhof nicht gekauft, der doch das Eigenthum der Juden ist; man hat der jüdischen Gemeinde den lostspicligen Thcil des VecrdigungSdicnstcs überlassen und hat sie deS Thcklcs beraubt, der sie nicht« kostete, sondern für sie eine wichtige Einnahmequelle bildete, und jetzt durch die Bccrdigungstare schwer belastet ist. Ich bin der lleberzengung, daß wenn die Behörde den gesammten Beerdig,mgsdicnst übernommen, wie sic cS für den katholischen GuktuS gethan, diese Maßregel nicht so unpopulär geworden. Ich will die an die Zeitungen gerichteten Telegramme nicht rectinciren, ich will nur die in einen! Telegramm des Matin vom 23. März enthaltene Mmheilung, welche besagt, daß die ganze europäische Bevölkerung die Juden tadelt, als durchaus ungenau bezeichne. Ich kann Ihnen versichern, daß die Zustimmung eine viel allgemeinere war als der Tadel, und daß die Israeliten Parteigänger selbst unter den Stadträthen gefunden. > Paris. Anschließend an die bekannte That. sacht, daß der verstorbene Lberrabbinrr und Reichs» rathsmitglicd Schreiber aus Krakau in einem Nebensaat des ReichStagsgebäudes stets v» machte, erzählen die „Matinecs du Samcdi" folgende Begebenheit: Eines Tages kam Herr Gerfbccr in Versailles an, um Ludwig den 16. eine Vorstellung zu Gunsten der Juden in Elsaß-Lothringen zu machen. Ter Wartesaal war überfüllt, cs wurde Nachmittag und E. wurde immer noch nicht zur Audienz zugclasscn. Ta er befürchtete, die vorgeschriebene Zeit des Nachmittaggebets zu versäumen, fing er an zu bete»; »litten im Schemonc-Esre wurde er zur Audienz aufgerufen. Eers blieb ganz ruhig, stehen und trotz der Warnung des Kammerdieners vollendete er sein Gebet. Unerschrocken trat er dann in das Kadinel und redete den Fürsten mit den Worten an: „Es gibt nur einen größeren Monarchen als Ew. Majestät, cs ist Gott, vor welchem ich mein Gebet verrichtet, wodurch ich verspätet hier ciugctrctcn bin!" Der König nahm die Anrede C.'S und sein Gesuch bezüglich der Israeliten in Elsaß- Lothringen gnädig an. Marseille, 21. April. Wir habe» heute einen sehr braven Menschen und einen eben so eis» rigcn Sohn unseres Vi'lkes begraben. Dario Alla» tim, Associü des bekannten Geschäftshauses „Allatini Frörcs" in Salonichi, das hier und in London Filialen hat, ist gestern hier im Alter von 66 Jahren gestorben. Derselbe war durch mehrere Jahre hindurch Präses des hiesigen italienischen WohlthLtigkcits-VcreineS (bic AllatiniS stammen aus Livorno und sind sie erst in unserem Jahrhundert nach Salon ichi ausgewandert) und Vorstandsmitglied noch anderer italienischer, französischer und jüdischer Wohlthätigkeits-Vercine, in denen er überall Beweise seines edlen Herzens und seiner alle Konfessionen und Nationalitäten umfassenden Menschenliebe lieferte. An feinem Leichenbegängnisse, das sich zu einer wahren Traucrfcicr für unsere Stadt gestaltete, bcthciligten sich alle hier bestehenden fünf italienischen WohllhLtigkcits-Vcrcine mit ihren Fahnen, dann der italienische General-Konsul, Eommeudarore Spagnolini mit seinem Amtspersonale, und die Spitzen unserer Stadt und unserer Gemeinde. An seinem Sarge sprachen dann der hiesige Grand- Rabdin, Alexander Weil und der italienische General- Konsul. Tie Wittwe de« Heimgegangenen glaubte das Andenken ihrcS thcueren Gatten nicht besser ehren zu können, als durch die Zuweisung von be-

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