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Der Israelit · 1887-05-05 · Heft 35 (5.5.1887) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 35 (5.5.1887)
Date
1887-05-05
Page
– (sequence 3)
Language
German
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611 auch stets in Liebe ergeben waren nnd sich bei raffender Gelegenheit dankbar zeigten. Spindel war in Lantenbach in Baicrn geboren. Nachdem er sich gründliche Kenntnisse im Talmudischcn und Hebräischen beim seligen Naabincr Kunrcuther in Gelnhausen, sowie bedeutende Kenntnisse im Deutschen durch Autodidaxic verschaffte und in Folge dessen ein glänzendes Lchrercxamen ablcgte, nahm er die Lehrcrstelle in Bergen an, die er wie bereits gesagt, säst volle 50 Jahre mit Ruhm bekleidete. Lp. war nicht nur ein sehr gebildeter, tüchtiger Lehrer, er war auch durch und durch.ei» edler Ebaraktcr. Seine Bescheidenheit und Anspruchslosigkcft sowohl, wie seine Friedfertigkeit liegen zwischen ihm und seiner Gemeinde keinen Hader, keine Disharmonie aufkommen. Nur Irene Pflichterfüllung war sein ganzer Stolz. Sowie bei seiner Gemeinde wußte er sich auch bei seinen Kollegen durch ein leutseliges Benehmen, durch Unterweisen ohne jegliches Erheben, Liebe und Achtung zu verschaffen. Tics zeigte sich denn auch bei seiner am i'8. v. M. stattgefundcnen Beerdigung. Biele Lehrer von Nah und Fern, sowie seine christlichen Kollegen, der Bürgermeister des LrtcS rc. bezeugten ihm durch die Begleitung zu seiner letzten Ruhestätte die lebte Ehre. Eine vom Provinzial- Aabdincr Tr. Korcf mHauau gehaltene mcistcrbasre Rede schilderte denen Tugenden und Lcrdicnstc und gab den Gefühlen der zur Trauer gestimmten Anwesenden Ausdruck. Mögen ihm seine vielen Schüler und Freunde ein gutes Andenken bewahren, mögen seine Eollcgcu sich ihn stets als Muster und Borbild nehmen. Er ruhe in Frieden! Lp. Rumänien. I>r. C. Bukarest, im April. Bor vielen Jahren als die Negierung das Geschäft der brutalen Verfolgung der Israeliten, dem durch fremde E husten anfgcstachcltcn rumänischen Volke abnahm, kühne sic als Ersatz dafür die Verfolgung durch Ordonanzen, Regulative und Gesetze ein. Von Zeit >u Zeit nur ließ sic im Stillen das Volk aussen, um durch eine Thai plebcischer »Selbstjustiz" ürc Maßnahmen gegen die Israeliten bis dahin M r^chnertigen und eine neue Basis zu gewinnen!x tßtyc* die sic projcktirtc. Es scheint, daß der runäuischcn Regierung ihre bisherige Arr des Borbsennicht mehr genügt, denn wie ein neue- . Lrt Beispiel zeigt, läßt sie nunmehr durch ihre Verwaltungsorgane direkt und onen Skandale nicht .lot hcrausforderu, sondern auch auSführen. das nicht etwa tief in der Moldau, wohin die Verfolgungen stets geleitet werden, sondern in der Hauptstadt Bukarest, selbst, wo man sich doch noch .vor den Vertretern der Mächte, auswärtiger Zeitungskorrcspondcnten und zufällig anwesender Fremden bisher geschämt hat. Ich berichte nach dem Dukarcstcr »RtSboiul*, einer Zeitung, die zwar der Regierung oppositionell, aber wegen Parteinahme für die Israeliten sicher nicht in Verdacht kommen kann. ES versieht sich ja übrigens, daß von den regierungsfreundlichen Zeitungen die Wahrheit nicht zu erfahren ist, weil sie dergleichen Vorkommnisse entweder gar nicht melden oder aberbeschönigen. »Ein großer Skandal, meldet der »Rcsboiul", hat am Freitag in der Ealea Vakarcfchti stattgefundcn. Wir haben vorläufig Nachstehendes iu Erfahrung gebracht: Ein P oli ze i-Unt erkommissär von der 15. Sektion (Revier) hat sich in Bezug auf die Israeliten eine provokatorische Haltung »angewöhnt." Ta bei den Letzteren augenblicklich die Lstcrfeiertage stattsiudc», so schien ihm dies die bcstgcwählte Zeit, um seine Lüste zu kühlen. Ein jüdischer Militär, Unterossizier im 2. Jägcrbataillon mit zwei seiner Konsilien spazieren gehend, wurde von ihm angchaltcn und mit obscöneu Redensarten belästigt, lvas den Militärsman» empörte und zu Verweisen veraulaßte. Ter Subkommissär drehte nun die Sache anders um und wollte durchaus wincn, ob der Unteroffizier ein Freibillct (Erlaubnißfchew) habe. Ter Letztere verweigerte die Auskunft mit der Bemerkung, daß cS nicht Sache der Polizciagenten sei, dergleichen zu untersuchen. Darauf fühlte sich der Unterkommissar in seiner »Würde" verletzt und ohne viel zu überlegen, versetzte er dem Militär einen Backcnstrekch. Dank dieser raschen That, hat der Agent der öffentlichen »Unordnung", wie »Nesboiul" ihn nennt, eine solche Tracht Hiebe bekommen, daß er sie wohl; lange Zeit nicht vergeben wird." So weit würde sich freilich nur die Willkührlichkcit eines einzelnen Mannes erkennen lassender gerade höherer Polizcimann ist. »Rcsboiul" fährt aber fort: »Es vergingen drei Tage, ohne daß man erfahren konnte, wer dem beleidigten Militär in seiner Gcnugthuung beigestandcu hat. Vorgestern proklamirte die Polizei (also das Präsidium) einen wahren Belagerungszustand in der Kalea Vakareschli. GenSdarmcn zu Fuß wurden der Länge der Straße nach ausgestellt und jeder Jude, der das Unglück halte dort vorbeizukommen, wurde zwischen die Bajonette genommen und nach dem Revier abgcführt. Uedcr 80 (nach anderen Zeitungen 86) Israeliten sind verhaftet und mörderisch geschlagen worden, um vielleicht von diesen (der Sache ganz

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