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Der Israelit · 1887-05-02 · Heft 34 (2.5.1887) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 34 (2.5.1887)
Date
1887-05-02
Page
– (sequence 11)
Language
German
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603 Mittel-Asien. Khiwa, im Marz. Gestatten Sie mir, bevor ich mit meiner heutigen Gorrespondcnz beginne, einen kleinen philologisch-orthographischen Vortrag zu halten. Immer, wenn der „Israelit" eine titorrcfpondcnz aus Mittelasien oder auS dem Oriente überhaupt veröffentlicht, so finden wir dieselbe schon wenige Tage nachher in einer der im Äbcndlande erscheinenden hebräischen Zenschristcn, dem „Hamagrd", „Hamcliz" u. s. w. übersetz! und zwar mit derselben geographischen Orthographie, wie im Originale selbst, so das; cs einem mittelasiatischen Inden iiniflidj grosse Mühe verursacht, diese geographischen Namen zu cnträthscln. Nehmen wir den Fall an, das; hier in Khiwa eine hebräische Zeitung erschiene und ein schlichter deutsche Jude würde in derselben Korrespondenzen vorfindcn ans: r;-2 c-r,:r> *r.*e*rrj*. 2i'ic würde sich nun der Arme sein Gehirn abmarrcrn, um die eigentlichen Namen dieser vier Städte hcranszunndenV (Sr würde dieselben gewiß überall, nur nicht in Temschland suchen. Und doch find dies vier deutsche Llädtenamen, nämlich: Stuttgart, Mannheim, 5t An und Mainz, und sind sie nach der Orthographie geschrieben,' so wie wir sie von den persischen, türkischen und arabischen Geographen überliefert erhalten haben. Was soll nun scr-i ein simpler, khiwcsischcr Jude dazu sagen, wenn er in irgend einer europäisch-hebräischen Zeitschrift, Namen wie: s-,n~n2 u. s. w. vornndet. •jcrjc, Nrp. Tic Städtcnamcn haben nämlich die Europäer zumeist von französischen, italienischen und englischen Geographen mitgctheilt erhalten, die sie selbstverständlich so nicdcrgcschricbcn haben, wie cs der Orthographie ihrer Muttersprache zusagt. So heim 5t hiwa in Wirklichkeit: Ehiwa und wird cS nach unserer mittelasiatisch-jüdischen Orthographie: n-.-t geschrieben. Bokhara heißt eigentlich Buchara, und wir schreiben es: <Tcr erste Europäer, der den Namen „Bokhara" nach dem Abendlande gebracht haue, war der vcnctianische Reisende Marco Bolo im l-1. Jahrhundert, der aber selbstverständlich denselben so schrieb, wie es die italienische Orthographie erfordert.) „Balkh" wird wieder von uns rurrtclasiatischen Juden ~r2, Ticsiis ttbokand Bombay 22-2, .Kalkutta --.--222, Bagdad ->':2. Aden siairo r'rr.sp-rs, Aleppo 2m, Lnmrna Teheran •jx-rrc, Heral Tanger.0 :c. geschrieben. Ich wenigstens werde midi von mm on befleißen, bei jedem neuen geographischen Namen, ~cn ich in meinen Korrespondenzen erwähne, zugleich Luch die hebräische Schreibweise desselben anzusühren, und mögen meine übrigen Kollegen im Oriente dies nachahuren, damit die jüdischen Zeitungen dann diese geographischen Namen so wiedcrgcben können, daß auch der orientalische Jude dieselben verstehen soll. Aus den europäischen Tagcsblättern werden die geehrten Leser des „Israelit" gewiß schon erfahren haben, daß unser Emir (rnn dt 'i) sich vorbereitet , d. h. wenn die politische Lage in Mittelasien es gestatten wird, noch im heurigen Sommer eine längere Reise nach dem Abendlande anzutrcten und auf derselben zugleich auch die Höfe von Petersburg, Berlin, Paris, Wien, Nom und Konstantinopcl zu besuchen. Bon diesem seinem entworfenen Rciseplanc hat der Emir durch unseren Muchtar i'Indenmcistcr) auch unserem Gemeindcvorftand Mitthcilung machen lassen, zugleich mit der Versicherung, daß er in allen diesen Residenzstädten Informationen über die sociale, materielle und kulturelle Stellung der Inden daselbst einziehen werde, um darnach die Slellnttg der Juden in unserem Khanade umzugcstalten. Unsere Parnassim (Vorsteher) haben nun dem . (ymir durch den Muchtar ihren tiefgefühltesten Tank für seine edlen Absichten ansdrücken lagen und demselben zugleich die Bitte hinzugcfügt, er möge vor seiner Abreise den .Kronprinzen,: der während seines Vaters Abwesenheit als Reichsrcgcnt fungircn wird, ermahnen, den Inden dcS Khanats seine Gnade und seinen Schutz zuzuwenden, was der Fürst auch zu thun versprach. Unser Vorstand hat auch den Beschluß gefaßt, dem Emir bei seiner Rückkehr aus Guropa ein kostbares Geschenk zu überreichen, dessen Wesen erst bestimmt werden soll. Auch werde» während denen Abwesenheit von uns in allen Synagogen des .Khanats Gebete für dessen glückliche Rückkehr abgehalten werden. Tem Kronprinzen wird unser Borstand anr Tage der Regentschaft seine Glückwünsche darbringen und aus dicscnl Anlässe bei ihm uni die Gunst ansnchen, den Grasch (Thron, vom arabischen: cnj?) küssen zu dürfen, d. h. von ihm eine Audienz verlangen. In unserem Iudcnvicrtel, das fast durchweg? aus Holzbauten besteht — sind doch auch unsere Synagogen nur cinsachc hölzerne Häuser, die auf steinernen Unterlagen ruhen, da man gebrannte Ziegel Irrer noch nicht kennt, während Bausteine erst aus Bokbara oder dem südlichen Afghanistcn herbeigcschassr werden müssen — soll nun jetzt eine neue Zierde in Form von zwei cifcmcn Häuschen, die ans England mit der Kaspibahn hichcr kamen, erhalten. 'Man zweifelt jedoch sehr, ob cifcnte Häuser bei unserem Klima und unserem schlammigen Boden

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