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Der Israelit · 1887-05-02 · Heft 34 (2.5.1887) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 34 (2.5.1887)
Date
1887-05-02
Page
– (sequence 5)
Language
German
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597 behauptete, die Juden hätten geschricn: Es lebe Italien! In den Lokal-Zeitungen ist die Thatiache auf ihren wirklichen Sachverhalt zurückgcführt. ES scheinen in der That einige italienische Juden : viva Iltalia geschricn zu haben, obgleich dies ein italienisches Blatt in Tunis formell bestreitet. Im Ganzen war cs ein ganz bedeutungsloser Wirrwarr, dessen Folgen längst vergessen wären, wenn nicht inmitten der Unruhen ein Jude, NamenS Salomon Eohen, einen Pistolenschuß in den Unterleib bekommen hätte. Man hatte zuerst behauptet, daß ein anderer Jude den Schuß auf den Polizcicommissarius Santini abgefeucrt, der den aufständischen Cohen festgenommcu hatte, und daß dieser letztere nur durch die Ungeschicklichkeit des Schützen getroffen worden sei; aber diese Auslegung ist entschieden falsch, und es scheint gewiß, daß ein eingeborener Bolizciagent ans den Cohen gezielt. Einige der Ruhestörer wurden zu geringen Strafen oder Geldbußen vcrurtheilt. Tie Richter haben eingesehcn, daß wenn die Anführer der Unruhen auch Unrecht thuten, zur Gewalt zu greifen, um gegen Maßregeln zu protcstiren, die gewißlich anfechtbar sind, so war dennoch ihr Gebühren zu entschuldigen und verdiente eine wohlwollende Bcurthcilung. (Schluß folgt.) M a r o c c o. Marocco. Nach einer Ordre des französischen Gesandten in Marocco werden diejenigen Israeliten, welche der französischen Jurisdiction nnterstchcn und gegen welche seitens der Araber Ncclamalioncn sich erheben könnten, fernerhin nur von den Rabbincn und nicht mehr von den Eadis abgeurtheilt. Gegen diese Maßregel hatte die maroccauische Regierung Einwendung erhoben, aber der französische Gesandte hat seinen Beschluß auftecht erhalten. Tanger. Verschiedenen Nachrichten zufolge tollen zwei Engländer grobe Ausschreitungen gegen .einen Israeliten, Namens RSubeu Tourgcman sich erlaubt haben, den sie am verflossenen Pcßachscfte mit Ketten beladen nach der Hauptstadt schleppen ließen, so daß selbst der maroccanische Minister des Acußern sich veranlaßt gesehen, dcffew Freilassung sofort zu bewerkstelligen. Tie Sache ist noch wchr aufgeklärt und sind weitere Meldungen hierüber abznwarten. Mesopotamien. Mofsul (Niniweh) am Tigris, 27. Mnllnfere Stadl gehört unstreitig zu den ältesten der Erdeurunde und durfte sic blos um einige Jahr- -chnte später als ihre Schwester Babel am Euphrat erbaut worden sein. Ihr Erbauer war bekanntlich Aschur, ein Sohn des Lander Schinear (heute: Singar auch Sindfchar), also Chaldäer, der, dann, was auch natürlich ist, feine Muttersprache auch tu der von ihm ncugcgründeten Stadt zur allcmhcrrschenden machte. Zu Ehren seines Götzen Nin (bei den Griechen: Ninos) nannte er die von ihm gebaute Stadt Ninivch d. h. Residenz des Nin (m heißt bekanntlich im Hebräischen und Ehaldäischm: Wohnung, Residenz). Tie Wahl dieses Platzekonnte eine glückliche genannt werden, da die auf demselben ncuerbauete Stadt im Norden und Osten von dem quellen- und waldreichen armenischen Gebirge (tm« ->n), im Süden und Westen von der fruchtbaren mesopotamischcn Ebene begrenzt wurde. In der Mitte der Stadt floß der in dem armenischen Gebirge entspringende Tigris (bp’rt). Die Bewohner der neuen Residenzstadt erfreuten sich daher, während der heißen Sommermonate der erkühlenden Frische, die von den benachbarten, mit Eishügcln gekrönten Bergen herabströmte, während sie andererseits einen strengen Winter gar nicht kannten, da die mesoporamische Ebene eine fast afrikanische Hitze besitzt. Auch lieferten die benachbarten Gebirge viel Wildpret und zahlreiche Obst- und Wcingattungen, während die mesopolamische Ebene viel Korn, Gemüse und Geflügel spendete. Tie Bewohner Ninivehs befanden sich so in der Mitte einer reichlich ausgcstattcten Speisekammer und betrieben dabei zugleich auch eine lebhafte Schifffahrt auf dem Tigris, der später durch zahlreiche heute leider wieder verschüttete oder auSgetrocknete Kanäle, welche von den Babyloniern gemeinsam mit den Assyrera gegraben wurden, mit dem Euphrat verbunden ward. Ob die Sage, daß Noah hier in Ninr'vch feine Grabcsstätte gefunden, auch eine berechtigte ist, dies wollen wir hier nicht unrerfuchen: jedenfalls aber dürfte er die von einem feiner Enkelkinder angelegte Stadt noch gesehen, vielleicht sogar auch bewohnt haben, da er bekanntlich nach der Sündfluth noch 350 Jadre gelebt bar. während welcher Zeit sowohl Babel, wie auch Ninivch erbaut wurden. AuS den noch erhaltenen Ruinen unserer Stadtmauern läßt sich noch deute erkennen, daß Ninivch ursprünglich aus der linken Seite des Tigris, also auf armenischem Boden erdaut wurde, später aber, wahrscheinlich in Folge deS schnellen Anwachsens seiner Bevölkerung bedeutend erweitert und wurde daher auch ein Thcil des rechten UferS iu die Stadt milhincinbczogcn. Auch dieser neue Stadttbeil wurde mit Mauer und Graden umgeben, so daß mm ganz Ninivch befestigt war. Wahrscheinlich wurde die Stadt später noch einige Male er-

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