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Der Israelit · 1887-05-02 · Heft 34 (2.5.1887) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 34 (2.5.1887)
Date
1887-05-02
Page
– (sequence 2)
Language
German
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594 Das sind uralte Redensarten, wie sie zu jeder Zeit die Kleingläubigen . im. Munde geführt haben und wie sie in unserer Zeit so recht in Blüthe schießen. Wie oft muß man es hören, daß nnr Diejenigen, welch mit dem Strome schwimmen, welche den Ideen der Neuzeit huldigen, emporkommen. daß die Beobachtung der Sabbatvorschriften und der Spcisegesetze keinen Gewinn bringe, daß Diejenigen aber, welche in Gottes Wege» wandeln oft der Arinulh, der Noth, dem Elende, der Krankheit preisgegcben find! Woher stammen nun alle diese thörichten Redensarten? Lediglich aus dcrUnkeuutniß, ans der zu geringen Bekanntschaft mit der heiligen Kehre unseres Gorres. llud dafür gibt cs nur ein Heilmittel. Tie wahrhaft Gottesfürchtige» müssen sich aufrassen und den Geiß der Gotteslchre zu erfassen suchen. Aber auch diese kranken nur zu häufig an einer schweren Krankheit. ES fehlt ihnen vielfach die wahrhafte Temnth und Bescheidenheit, so daß sic sich Einer dem Andern nicht nnterordnen. Ein gemeinsames Handeln wird dadurch unmöglich. Wer sich nicht dazu verstehen kann, sich seinen Genossen unterznordnen, um nur für die heiligt Sache unseres Glauben» zu streben, wer vielmehr nur will, daß seinem eigenen Ich von den Andern stets Weihrauch gestreut werde, der wird in Verbindung mit Andern nie etwas wahrhaft Gutes zu erwirken vermögen. Daher sagt der Prophet: ru-o (rrrs crv rtt vot ’r), daS wahrhafte Heil kann nun dann erblühen, wenn die Gottesfürchtige» sich einander — gegenseitig — unterwerfen, wenn ihr einziger Zweck ist, die Wahrheit zu suchen und sich von einander belehren zu lassen. Wenn auf diese Weise die Gottesfürchtige» sich zusammensindcn, gemeinsam in den Geist der Thora cindringen, um demgemäß zu leben, 't xrjn, dann wird Gott zu ihrer Hilfe sein und machen, daß ihre Worte Gehör finden. So gering sie sich selber achten, so groß wird Gott sie in den Augen ihrer Mitmenschen machen und sie beglücken, daß ihr Beispiel, ihr Leben, ihre Lehre vom größten Einflüsse aus die Mitwelt sein wird. Und wenn auch das schon Lohn genug wäre, so bestimmt ihnen doch der allgütige Gott reichen Lohn für die Zukunft ms rnpn, Er selbst wird hören, was sie reden, und eS wird eingeschrieben in dem Buche der Erinnerung vor Ihm isr* ,mi -kV? für die GottcSfürchtigcn und die Seinen Namen achten. — Tie Gottcsfürchtigen haben dadurch, daß sie sich einander nnterordnen. um nur die Wahrheit zu erforschen und vom GotteSgeiste sich zu durchdringcn, bewiesen, daß sic den Namen Gottes achten. Welches ist der Name Gottes? Alle Namen, die wir Ihm beilegen, beziehen sich bis auf de» euren uns unbegreiflichen Namen, auf einzelne Eigenschaften. Wir nennen ihn den Allmächtigen, den Allweisen, den Ewigen. Aber eS gibt einen GorreSnamen, der allumfassend und dennoch unserem Lerständnisse zugänglich ist. Tie ganze Thora ist der Name Gottes. Wenn ich das Streben habe, die Thora zu erlernen, zu erforschen, in ihr Wesen, in ihren Geist einzudringen, wenn ich jede Redewendung derselben, jeden Ausdruck, jeden Buchstaben in ihrer Wahrheit zu erfassen mich bemühe, über jede Vorschrift nachdcnke und ihren Sinn mir klar zu machen suche, dann beweise ich damit, daß ich Gottes Namen achte, und daher sögt der Prophet hinzu: „Und für die, so Seinen Namen achten." Nach dieser Auseinandersetzung werden wir verstehen, was es heißt: „der Abglanz der Majestät GortcS 'ruht zwischen ihnen." Es ist dies so aufzufassen wie die Worte im Priestcrscgcn *7 -je ns leuchten wird lassen der Ewige Sem Antlitz zu dir. Die Erfüllung keines Gottesgebotes, hat ans den Menschen einen so mächtigen Einfluß wie das Studium der Gortcslchre. Durch dieses Studium werden unsere Gedanken geläutert: wir erkennen den Vorzug der Weisheit vor der Unwissenheit, wir betrachten mit unserem geistigen Auge des Allmächtigen Wunderthatcn und Seiner Gnaden unendliche Licbesfülle, wir werden Wohlgefallen finden an Seinen Wegen und an de» Wegen der Thora, die wir als gerecht und billig kennen lernen, auf denen wir zur Gottesfurcht, zur Menschenliebe und zur Golteserkenntniß gelangen, und in diesem Sinne nähern wir uns unserem Schöpfer derart, daß gleichsaut der Abglanz der göttlichen Majestät auf uns ruht. (Fortsetzung folgt). «Literarischer Bericht. Wissenschaft!. aus dem Nabbiuer-Seminar. VI. Hebräische Poesien des Me»r be« Eliad aus Norwich (E. 1300). Aus einer Handschrift in der Vaticana herausgcgebc» und erläutert von Tr. A. Berliner. London, David Nutt 1887. Dl. Tr. A. Berliner hat für die Londoner Ausstellung die vorliegenden interessanten Dichrnngen eines unbekannten Autors cdirt, die er in dem vodcr Nr. 402 in der Vaticana aus rohen, gerade und schief geschnittenen, halben und ganz« Berga-

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