Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 33 (28.4.1887)
- Date
- 1887-04-28
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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586 Zeitungsnachrichten uttb Correfpondeuzen. Deutschland. Berlin, 25. April. Heute Montag begann das neue Semester des Rabbiner-Seminars. Reu cingerreten sind in die Anstalt vierzehn de nt sehe Gymnasialabiturienten, darunter zwei Elsässer, so daß die Zahl der Zöglinge nunmehr rnnd fünfzig beträgt. Einen so hochersreulichen Beweis für das erhöhte religiöse Streben der studirendcn Jugend und für die Ancrkcnnurrg, welche die Leistungen der Anstalt weithin sindcn. diese Zahl bedeutet, so ist gleichwohl nicht zu leugnen, daß das unverhältnißmäßige Anschwellen der Frequenz der Frage» mancherlei Art wachrufcn muß. die wir später in einer Besprechung näher zu erörtern Gelegenheit finden werden und heute nur kurz berühren wollen. Tie schnellste Beantwortung dürste die Ra Umfrage finden, die vorhandenen Räumlichkeiten werden bei gleich steigender Frequenz kaum »lehr genügen, und die uuverureidliche Folge würde, falls nicht die Hälfte der Hörer sich verpflichtet, die Vorlesungen zu versäumen, was kaum zn erwarten ist, ein Neubau oder mindestens Anbau sein. Weit bedeutsamer ist die Geldfrage der Ankommenden. Tas theologische Studium mit allen seinen Schwierigkeiten erfordert neben dem Univcrsilätssludium die volle, ungeschmälerte Zeit des Studirendcn. der zu Privatstunden, die ohnedies vier selten sind, keine Muße finden darf. Tie Anstalt bat bisher den Zöglingen, soweit sie nicht wohlhabend sind, ein bestimmtes monatliches Stipcndinm gewährt, das bei beschränkten Berhältnifien die Hälfte der Bedürfnisse decken konnte, aber auch dieses Stipendium dürfte in der Zukunft nur auf die dringendsten Fälle beschränkt und zudem verringert werden, und es müßten nunmehr die Zöglinge vom Hause eine gewine Gewähr ihres hiesigen Unterhaltes, fei cs eine Unterstützung ihrer Eltern oder ein Stipendium ihrer Hcimachsgemcindc mitbringen, wenn sie ehrlich und sorgenlos studircn wollen. Tie dritte Frage, die eines eventuelle« Ucberflusscs an Kräften, beunruhigt uns weniger, und es wird der Stolz der Anstalt sein, einst Deutschland die Hälfte der erforderlichen theologischen Kräfte liefern zu können. Eines allerdings möchten wir betonen. Nur Terjenige greife zu dem theoligiscken Studium, der ungeblcndet von dem Glanze einer Fata morgana, die ernstliche Absicht trägt, dieses Studium mit allen seinen Mühen und Schwierigkeiten und eiserner Fcsshaltung an den die Anstalt beherrschenden Grundsätzen zu vollenden und vou keinem anderen Motive geleitet ist, als von der reinen Liebe zur Sache und von inniger Gottesfurcht. Man glaube nicht, daß jeder Abiturient, der im Gymnasium am Sabbat nicht geschrieben hat oder sonst gesetzestteu ist, Theologe werden mutz: ein religiös angehauchter Arzt oder Jurist ist eine weit imposantere Gestalt, als ein religiös angehauchter Rabbiner! Drnm prüfe, wer sich ewig bindet, ob er die Mittel, die Vorkenntnisse, die Lust und das Zeug zum Rabbiner und üanzelredncr hat, ob er später in seinem Berufe sich glücklich fühlen und einst die großen schweren Aufgaben seines Anltcs mit Liebe und Treue erfüllen wird. .Kann er alle diese Fragen mit einem ehrliche» Ja beantworten, daun ziehe er freudig in das Seminar ein, und freudig wird er empfangen werden. Mil diesen Gedanken begleiten wir die neue Semcstererössnung der glücklich erblühenden Anstalt. Bl. F e u i I 1 c ton. Wichaek. Erzählung ron C. «oh«. Brrsasser von Gabriel. (Fortsetzung.) In dem Momente wurden aus weiter Entfernung Trompctcnklängc hörbar, und da» feine Ohr WeckelSbachers vermochte auch den gedämpften Schall regelmäßig massenhaft aufschlagender Rosscshusr zu vernehmen. „Meine Herren!" sprach er, „die fremden Truppen nahen, cs wäre jetzt der allerungünstigste Zeitpunkt zu Zank und Streit. Herr Bürgermeister überdenken Sie nochmals, was Sie dem Befehlshaber der cinrückenden Truppen zu sagen beabsichtigen," und als der Rath bemerkte, daß Golzinger an Händen und Füßen zitterte. fuhr er fort: „Sic brauchen sich nicht zu alreriren, die Franzosen sind keine Menschenfresser, ich wollre jede Summe wetten, der französische Oifizier wird Sie nicht ungnädig anhören." „Keinesfalls wird er ihn gröber anschnavzen, als der österreichische Oberst vor sieben Jahren mich," schrie der unversöhnliche Seifensieder, der da» unhöfliche Zurückwcifcn seiner Balleinladung in den langen sieben Jahren noch immer nicht verschmerz! hatte: — „aber Sie sehen es ja, — Rath Weckelsbachcr, unser energisches Bürgermeisterlem Men wie ein nichtsnutziger Schnlbnbe, der sich vor wohlverdienten Rntbenstreichen fürchtet. Ergreifen Sic das Wort, sonst werden wir einen heillosen Skandal erleben!" „Ter Bürgermeister hat zu sprechen, und wird sprechen," entschied Rath Wcckelsbach, „stellen wir