Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1887-04-28 · Heft 33 (28.4.1887) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 33 (28.4.1887)
Date
1887-04-28
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2446951-2449697-2449730--26337-2516153
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

581 Zicl fein muß, weil zu Handel und Gewerbe das Land gar zu wenig entwickelt ist und gar zu wenig Bedürfnisse hat; zum Leben von der Hand in den Mund durch zufällige und vorübergehende Thätigkeiren ist es zu arm und zu eng begrenzt in den Lcbenszweigen. Zum Ackerbau gehört indeß in Palästina noch mehr Geld als in Amerika, weil auch das Land und sogleich baar bezahlt werden muß. Handel und Handwerke könnten allerdings noch sortkommcn, wenn die Einwanderer sich nicht blos auf Jerusalem beschränken, sondern sich einzeln auch in die kleinsten Städte im ganzen Lande verthcilcn wollten. Wir wollen erwarten, daß die neubclebken Palästina-Vereine in Jassys Braila und Bukarest vorsichtiger zu Werke gehen werden als seinerzeit das Galatzer Palästina-Auswanderungseomitö. Zeitungsnachrichten und Correspoudenzen. Deutschland. Berlin, 24. April. Tie Petitionskommission des deutschen Reichstages hat in ihrer Sitzung vom Tonnerstag den 21, den Antrag der deutschen Thicrschuttvereine, daß Schlachtthierc nur nach vorangcgangcncr Betäubung durchBlutcntzichung getödtet werden dürfen, soweit er da« rituelle Schächten der Israeliten betrifft, einstimmig abgclehnt. Das ist die Freudenkundc, die ich Ihnen auf Grund absolut vorzüglicher Informationen zu melden in der Lage bin; alle anderen von hiesigen Bläncrn gebrachten Mittheilungen über den Ausgang der Sitzung sind durchaus unbegründet. Der Referent, NcichStagsabgeordnetcr v. Goldfus erstattete Bericht über die wiederholt eingebrachte Petition der Thierfchutzvercine, deren Angriffe auf die unnützen Thierquälereien zumal auf dem Laude überaus berechtigt erscheinen und gesetzliche Berücksichtigung finden müßten. Hingegen entbehrten die gleichzeitigen Angriffe gegen das rituclleSchäch- "n der Israeliten einer jeden positiver! Berechtigung, wie Redner sich in eingehendem Studium des Materials überzeugt, und wic c« auch die viel e n sausende von Gegenpctitioncn derjäd.Gemeinden Deutschlands treffend nachgewiesen hätten, ^aher empfehle sich die einfache Ablehnung dieser Forderung der Thicrschntzvcreine im Gegensätze zu einem truh-ren Beschlüsse, den die Kommission in Uukenntwtz über die tharsächlichen Berhältniffe in der vongen Session gefaßt hätte. Zn der langen, sehr lebhaften Debatte wurde zunächst von konservativer, nltramontaner und freisinniger Seite konstatirt, daß der Antrag der Thierschutzvereine ein jüdisches Religionsgesetz bedrohe, und eine deutsche Volksvertretung nie einem Gesetze zustimmen werde, durch welches weite Kreise der jüdischen Unterthanen in der Ausübung religiöser Satzungen gehindert würden. Ein Redner glaubte, daß. falls wirklich da- Schächten eine Tierquälerei bedeute, religiöse Rücksichrcu den Zntcreffen der allgemeinen Wohlfahrt weichen müßten, aber auch dieses Bedenken wurde zerstreut durch die Gegenpetition des deutschen Fleisch ervcr bandcs, der 20,000 Mitglieder zählt und für das Schächten entschieden eintrat; ganz besonders und in erster Reihe aber fiel in dle Wagschale die zermalnrcnde Wucht der unverglckchlich herrlichen G utachten der größten Autoritäten der Gegenwart, die cinmnthig erklärten, daß das Schächten der Israeliten nicht nur keine Threrquälerei, sondern im Vergleiche zu den anderen Tödtungsartcn das humanste und emp fehlen Swerthctte Schlachtverfahren genannt werden müsse. Nunmehr verlas der Referent v. Goldf.uS noch da« Gutachten des Herrn Professors Damman, und sodann lehnte die Kommission einstimmig diesen Paffus gegen das Schächten ab, während sie das übrige Material dem Reichskanzler zu überweisen beschloß. Das Votum der Kommission, welche« in nächster Zukunft im Plenum zur Berathung und sicher auch zur Bestätigung gelangen wird, bedeutet einen glänzenden Triumph der bedrohten Glaubcnssache, einen Triumph, wie er herrlicher nicht erhofft werde» konnte, und die Antwort, welche die Herren Thierschützlcr zu Köln, der Stadt am Rheine, erhalten haben, sie haben sie redlich verdient. Wir aber mögen uns freuen über den Sieg, den das einmülhige Vorgehen aller Glaubensgcnoffcn ohne Unterschied der Richtung errungen hat, und dem Himmel danken, daß er die drohende Gefahr von unseren Häuptern gewendet. — Bl. Frankfnrt «. M. Die Kaffe zur Ermöglichung de« Schulunterrichts unbemittelter (israelitischer) Kinder hat für 106 Kinder da« Schulgeld bezahlt. An Geschenken erhielt die Kaffe 613« M. An Jahresbeiträgen wurden von 114 Mitgliedern 3900 M. bezahlt. - In voriger Woche konslituirte sich dahier ein „Verein zur Unterstützung kurbedürftiger Israeliten in süddeutschen Dädcru". Den Vorstand bilden die Herren Ferdinand Kamburg, M. Mainz jr^ Leopold Rapp, Dr. Roscubauur und Daniel WormS.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.