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Der Israelit · 1887-04-28 · Heft 33 (28.4.1887) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 33 (28.4.1887)
Date
1887-04-28
Page
– (sequence 4)
Language
German
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580 gelesensten Zeitungen Europa würden genügen, statt einer auf falscher Basis gestellten und vorzeitigen Agitation zur Maffcneinwanderung. Hält aber Herr Lapuya gerade Israeliten für die „Wohlfahrt Spaniens" nöthig. dann mag er sich in erster Reihe dafür verwenden, daß denselben ofsiziell garantirte Vorthcile und Vergünstigungen gewährt werden, wie es ja sämmtliche Länder des Amerikanischen Kontinents (durch Landverthcilungcn, Steuerfreiheit für eine gewisse Zeit, bedeutend ermäßigte internationale Reisegclegenheitcn u.- s. w.) zur Animirung der Einwanderung thun. Diese Mittel wären sicher einladender, als die Unvermöglichen nach Kuba zu weisen, wo sie eventuell — Plantagcnsklaven sein sollen. Es wäre nur Recht, daß die Kosten einer israelitischen Einwanderung Spanien trage, wenn es die Israeliten braucht; cs möge dabei für's Erste mit der israelitischen Intelligenz, Nntcrnchmungsgcist, Ausdauer, mit ihren sittlichen und den anderen Eigenschaften, die an ihnen gelobt werden „fürlicb" nehmen. Diese Eigenschaften werden mit der Zeit in langsamer Entsaltunng ganz dasselbe bewirken, was Herr Lapuya, ich weiß nicht, mit welchem Recht, schon jetzt ganz fertig beansprucht. Möge man es scherzweise nehmen, cs könnte aber sicher mit mehr Recht beansprucht werden, daß Spanien den einwanderndcn Israeliten, namentlich den Nachkommen der Vertriebenen, die Herr Lapuya par preference wünscht, eher Entschädigung für das ihren Vorfahren geraubte Leben und Eigenrhum in irgend einer Form gebe, als daß diese Nachkommen noch nach 400 Jahren die spanische Ruthe küssen sollen! Ich habe bis hierher über „Auswanderung" im Allgemeinen und nach Amerika und Spanien im Lesondern meine Ansicht dargelegt; in Wahrung der Interessen meiner rumänischen Glaubensgenossen muß ich noch ein Spezialkapitcl für diese anhängen. Wie ich schon voriges Jahr in diesem Blatte auseinaudcrgcscyt habe, müßte bei dem Wechsel des Wohnortes ganz zuerst maßgebend sein, daß man nach Ländern gehe, die mit denjenigen, welche man verläßt, in Sprache und Leben verwandt sind. Tics halte ich noch jetzt aufrecht und es erfährt nur eine Alteration für Spanien mit Rücksicht auf seine spezielle Beschaffenheit, sowie auf die Art, wie man von da aus zum Kommen, — abschreckt. Wenn ich indeß mit Uebcrzeugung eigens einen Weg weisen soll, der für die rumänischen Israeliten der einzig passende und vortheilhafte ist, so glaube ich behaupten zu können, daß dieser nur der Orient ist, von Bulgarien und Serbien angefangen bis Egypten. Tie Auswanderer auS Rumänien reifen größtcnthcils nnr mit der fi!r die Reisekosten, wer weiß wie schwer aufgebrachten Baarschaft, sie können also keine groben Reifen machen und keine großen Untcrnehonmgen ins Werk fetzen. Sie gehen entweder als Handwerker und Vermittler oder als Kleinkrämer um vorläufig ein trockenes Brod — und Ruhe — z« suchen. Darum. aber müssen sie die nach svan,' nicht übermäßig bevölkerten und nicht wett entwickelten Länder in'sAuge fassen, wo das, was sie zu bieten im Stande sind, noch verlangt wird, nicht aber wo es in Ucberstuß vorhanden. Von Rumänien am nächsten gelegen, ist der Orient, dieser hat noch Raum und Bedürfnisse. Und sind auch von jenseits der Donau an andere Sprachen, so sind die Lebensgewohnheitcn- und Bedingungen, ganz die nämlichen, in Rumänien, bezw. in Rumänien herrschen dieselben, da und dort nur übertünchten Süten wie im Orient. Ein Zurechtsindcu ist daher sehr leicht. Was aber den Rumänischen weiter zum Vonhcil gereicht, ist, daß sie, natürlich relativ, mehr Bildung besitzen als die Orientalen, von denen sie der äußerste Theü sind. Es ist eine längst gemachte Erfahrung, daß im Osten alles, was vom Westen kommt als etwas Besseres und Ueberlegeneres angesehen wird und dadurch Verwendung findet, während umgekehrt im Westen, das was vom Osten kommt, abfällig ausgenommen wird und darum verkümmert. Ter Grund liegt einfach in dem Unterschiede der Bildung mrd da diese eben gefordert wird, so ist es klar, daß sic wohl bei der Unbildung gedeihen kann, aber nicht umgekehrt. Tie Verschiebung der Völkergruppirungen muß daher — cs ist auch sonst natürlich — von oben nacb unten, nicht von unten nach oben stattfinden. Freilich können die Balkanstaaten bei den gegenwärtigen unstcheren Zuständen für eine Besiedelung, wenigstens in größerem Maßstabe, jetzt nicht in Betracht kommen; allein nur jetzt. Nach Eintritt von Ruhe und Ordnung, die doch zu erwarten sind, werden die rumänischen Israeliten am besten thun ihre Schritte für's Erste nach den Balkanländern und dann nach dem weitesten Orient zu lenken. Sie werden dort noch brach liegendes Land zum Bebauen, Handel und Handwerke zum Einrichten, sowie andere Thätkgkciten auszuübcn, weitgehende Toleranz und, so viel mir bekannt, entgegenkommende AE nähme finden. Was der wicdercrwachte Trieb nach Palänmr anbclrim. so habe ich im Eingang dieser Austc-e kurz darüber gesprochen. Ich will nur noch hinmsügcn, daß hier ganz besonders der Ackerbau das

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