Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 32 (25.4.1887)
- Date
- 1887-04-25
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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565 unbändigen Egoismus, einen eisigen Indifferentismus und ein. abstoßende» Wesen gegen alles, was nicht sdas Ich ongebt, ongetroffen trabe, und diese Eigenschaften scheinen mir der lateinischen Na^e crbcigcnthümlich, wenn man in den alten Massikern liest. Tie ganz unbedeutenden Vcvölkcrungsziffcrn in den romanischen Ländern aber geben zu denken und sprechen jedenfalls, wenn nicht gerade gegen die Einwanderung in jedes solches Land, so doch in der Umstand dazu angcthan, die bisher angeführten Gründe gegen eine israelitische Einwanderung gerade in Spanien zu vermehren. Tenn daraus iü zu entnehmen, daß eine solche, und namentlich in gröberem Maßstabe, nicht willkommen ist. und daß ein bedeutenderes Anwachsen der israelitischen Bevölkerung vielleicht dieselben bösen Folgen nach sich ziehen könnte, vor welchen die jetzigen israelitischen Auswanderer anderer mehr bevölkerter Lander fliehen. Es ist weiter bekannt, daß die volitischcn Parteien in Spanien in Zerfevung sich befinden, oder vielmehr, daß wirkliche Parteien — romme cIime Rous in Rumänien — gar nicht vorhanden, sondern nur noch von der Regierung künstlich Kergcstcllt find. Reben diesen grcdt cs einzelne Ehrgeizige, die sich in oft rasch aufeinander folgenden Pronunciamento's verschiedenster, politischer und socialer Richtung bemerkbar machen. Zuletzt ist nicht zu übersehen der k a r l i st i s ch e Anhang des spanischen Thronprätcndcnten. Alle dieie scheinbaren und wirklichen politischen Intcrcffcnten find Faktoren, mit welchen gerade bei dem Gegenstände, welchen ich bespreche, sehr gerechnet werden muß. Einerseits ist cS die jeweilige Regierung, die, wie in Rumänien, — vcrgl. oben — über die Pancigrupvirung mit Hilfe des administrativen Wcrhlapparatcs verfügt, daher eine solche herb e iführen kann, wie sie ihr für den gegebenen Augenblick paßt. Bei dem Umstande aber, daß in fämmtlichen Ländern lateinischer 3lare nicht um die Principicn gestritten wird, in welcher Weise die Regierten am fichcrsten glücklich gemacht werden können, sondern darum, wer das Heft in Händen, nämlich die Mach! und den Vortheil vom Regieren bekommen oder behalten soll, und weil die wirklichen Oppositionen nur persönliche Ambitionen find: ist sehr leicht zu schließen, daß die Streber auf der einen oder auf der anderen Seite in den Mitteln, um ihren Zweck rj'y suis j'y reste“ und „stehe auf, daß ich mich ^§c", zu erreichen, nickt sehr wählerisch sind. Man braucht nicht gerade Prophet oder großer Staatsmann zu sein, um vorherzusagcn, daß, wenn die c'mwandernden Israeliten sich erst um die „Wohlfahrt Spaniensverdient gemacht haben werden, auch in Spanien die Juden sehr bald als Mittel zur Parteipolitik verwendet sein werden, wie seit einundzwanzig Jahren in Rumänien und 1879 bis 188t anderswo. (Schluß folgt.) Zcitnugsnachrichterr und Korrespondenzen. Deutschland. Berlin, 22. April. (Telegramm.) In der heutige:! S'vung der Pctirionscommisfion deS deutschen Reichstages wurde die Scheckitah-Angelegen heit in uns günstigem Sinne entschieden. (In nächster Rnmmcr werden vir über die interessanten Verhandlungen ausführlich berichten. 3!ed.) Bad Soden. Ta durch die Eröffnung der Israel. Kuranstalt hier der Badcbcsuch von Israeliten in unserem heilkräftigen Bade sehr zugcnommen hat. so hat der Vorstand der hiesigen kleinen Gemeinde bcschloffen, unsere Synagoge einer gründlichen Renovation zu unterwerfen. Von Seiten Frankfurter Wohlthäter wurde ein großer Theil der .stosten übernommen und werden wir nun ein in allen Hinsichten würdiges Gotteshaus erhalten. Oestcrr. - Ungar. Monarchie. Prefrbnrg. Wieder hat der Vorstand der hiesigen orrhod.'Israel. Eultusgcmcindc den Beweis geliefert, das; cS ihm mit der Erhaltung der hier bestehenden großartigen Institutionen nicht nur darum zu iljüii ist, dem engen »reise der hiesigen Gemeinde, vielmehr den Intcreffen der Gcsammtjudcnheit so viel a!S möglich Rechnung zu tragen. Die hier seit ca. 2 Jahren bestehende Handelsschule dieser Gemeinde, welche bereits feit ihrem kurzem Bestände von 70 Zöglingen mit bestem Erfolge frequentirt ist, wird nunmehr in eine „Bürger- und Handels- Schule" llmgewandelt, welche Meta'rmophose cs den Zöglingen ermöglicht, nach Absolvirung dieser 4 »lassen in eine Handcls-Acadcmie einzutreten oder die hiesige Rabbincrschule zu besuchen, wonach sie erst dann die dieser Hochschule vom Staate eingeränmten Bonisicationen genießen können. Daß cs aber unserem rührigen Vorstände nicht darum zu thun ist, ein „Geschäft" zu machen und diese dem Iudcnthume ebenso nützliche als nothwendige Schule als eine Einnahmsqnclle zu benützen, beweist der Umstand, daß dieselbe der Gemeinde bisher große Opfer gekostet, und eben jetzt wird cm neues prachtvolles Schulgebäude aufgcjührt, welche»