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Der Israelit · 1887-04-25 · Heft 32 (25.4.1887) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 32 (25.4.1887)
Date
1887-04-25
Page
– (sequence 4)
Language
German
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564 Kapital, seine Produktivität und seine (in Spanien erdrückenden) Stenern zu vermehren, daß er auf sein Risiko in Spanien Handel und Wandel wiederbelcbcn soll, um dann nach vielen Jahren von Mühsal und Verlusten diese seine Verdienste. wie z. B. in Rumänien, vergessen und mit Füßen gcrrctcn zu sehen, einen solchen Idealismus kann man ihm um so weniger znmuthcn, als er sich um seine eigenen, armen Glaubensgenossen nicht kümmert. Ter Anne also ist cs-, der auswandert, und eine liebe Heimath verläßt, weil er kein Vrod mehr auftrciben kann. Herr Lapmia aber verlangt äußere Eleganz, gesellschaftliche Bildung, hervorragende F-achkcnntnisse, Beherrschung der spanischen Sprache. Kapital, große Verbindungen mit dem Ausland, lauter Sachen, die der Arme nicht leisten kann, und — — daß man sich in religiöser Beziehung niöglichst verberge. Ans diesen Punkt komme ich noch einmal zurück. So viele gegen die Israeliten gerichtete rumänische Niederträchtigkeiten ich in diesen Blättern der Welt schon bekannt gegeben habe, muß ich bekennen, daß die rumänischen Israeliten in rein religiöser, d. h. rcligionsgebräuchlichcr Beziehung sich nicht nur nickt zu beklagen haben, sondern sogar sich beglückwünschen können. Tie vollste Freiheit, wenn nicht geradezu Ungcbundcnhcit, ist darin herrschend. Gefällt dies auch nickt immer den christlichen Mitbewohnern und Behörden, und kommen dann und tvann Acußcrungen des Mißfallens vor in Form von Ausschreitungen, so bleibt cs doch stets beim Altherkömmlichen. Tirckte Verbote in Ausübung religiöser Gebräuche, oder was dem asiliirt ist, giebt cs nicht. Was den unvermögenden Thcil der rumänischen Israeliten bedrückt, ist eben blos und gerade die ökonomische Seite des Lebens, die diesbctrcffendcn Maßregeln der — jedesmal liberalen — Machthaber, nicht auch der konservativen. Und dies kommt daher, weil Bratianu zum Ncgicrcnkönncn in seiner Art die Beunruhigung der Gcmüthcr und das Verborgene braucht: sodann weil er bei seiner notorischen Mißwirthsckast Jemanden braucht, um ihn dafür verantwortlich zu machen, dem er die Schuld zu» sckicbcn kann, daß durch sein Regicrungssystcm das Land immer mehr verarmt. Tie wehrlosen, überall gehegten Israeliten erscheinen ihm dazu — als Regicrungsminel — am geeignetsten und es werden zu diesem Zweck gegen sie Vorwürfe erhoben, die dem Anslande nackkovin, in Wirklichkeit aber bei den rumänischen Israeliten noch weniger und gar keine Berechtigung haben, veil ihre Geschichte eine ganz andere ist, als die sämmtlicher ausländischer Israeliten. Tie rumänische „Iudcnfrage", eine erfolgreiche Erregung des Neides und der niedrigsten Leidenschaften, ist darum eine religiöse, weil alle die Maßnahmen und alle Verbote sie in ihrer Eigenschaft als Israeliten und nur darum treffen, während die „Fremden", die in der Form vorgeschoben werden, in der That davon unberührt bleiben. Sonst aber können sie in religiösen Gebräuchen* *» thun und lassen, was sie wollen. In Spanien aber sollen sie sie nicht öffentlich ausüben dürsm und sich nach Herrn Lapva damit trösten, daß auch die Protestanten ihre Kirche nach dem Hof verbaut haben und daß deren kirchlichen Bekanntmachungen „öffentlich" — nach dem Hof — ausgehängt sind. Nach dieser beschränkten Religionsäußcrung zu urtheilcn, müssen die Einwanderer auf wirkliche Eeremonien und Feierlichkeiten, die sie bisher unbclästigt begehen konnten, verzichten und man muß sagen, daß während in Rumänien nur ein von Regierung« wegen aufgestacheltes religiöses Vorurthei! herrscht, hat man cs in Spanien mit einem wirklichen, lief eingewurzelten religiösen Fanatismus des Volkes zu thun. der um so inehr zu fürchten ist, als er durch die Masse und durch die Rohheit verkörpert wird. Zu diesen nicht einladenden „Vorbedingungen" treten noch andere Erwägungen hinzu, die vielleicht noch ausschlaggebender sind. Zunächst verdient die ganz merkwürdige, aber statistisch leicht fcstzustellendc ThatsaÄe in Betracht gezogen zu werden, daß in allen Ländern lateinischen Ursprunges, sowohl in Europa als in Amerika, — nur mir Ausnahme Rumäniens, — die israelitische Bevölkerung eine ganz verschwindend geringe ist, nicht nur im Berhältniß zur Landcsbevölkcrung. sondern, was daran das Aunällige, im Vergleich zu den isr. Bevölkerungen der meisten slavischcn und germanischen Länder. Sb dies auf eine israelitische Tradition noch von Rönlerzeiten her zurückzuführen ist, ob die slavischen und germanischen Länder früher gastfreundlicher waren, oder irgend cm anderer Beweggrund dafür zu suchen ist, lasse ich dahingestellt. Tre Thatsache steht fest**). Ich glaube nur nach meinen persönlichen Erfahrungen in Ländern lateinischer Abkunft konstaliren zu können, daß ich dort euren •) Ich bebake mir vor. bei nächster Eelegenbrit diest Gebräuche speziell;n beschreiben. •) Anrn. der Red.?it Juden sind in den Ländern vemZ zablreich, aus welchen ne während des Miuetakrrs verbans wurden, wie aus England, Frankreich, Spanien, PonuZ^ Schwei; x., oder wo ihre Zulassung nicht gestattet war. in Schweden , Norwegen. Belgien, Schottland. Irland x. i» Rare hat nicht» damit zu schaffen.

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