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Der Israelit · 1887-04-25 · Heft 32 (25.4.1887) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 32 (25.4.1887)
Date
1887-04-25
Page
– (sequence 3)
Language
German
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563 Jeues zur israetitischen Auswanderung aus Rumänien. Von I)r. Elyfen N. Eormann. (Fortsetzung.) Freilich spricht Herr Lopuna im erwähnten Briefe auch schon von pekuniären llntcrstütznngcn an rrwa cinwandcrnde llnverniöglichc. Allein dies geschieht erst nach dem unangenehmen Aufsehen, welche die unbesonnen-cholerischen Ergüsse des Herrn Gueballa in London hcrvorgemfcn haben, der die «Auswanderer aus Brody" sammt und sonders als Bettler dczcichncte. Die Inaussichtstellung pekuniärer Unterstützung ist denuiach nur eine goldene Brücke für die Wanderer, ein versuchter Rückzug des fSomhOi und, genau genommen, eine Finte. Ueberdics sollen ja gerade zu diesem Zweck «die Israeliten der Well" beitragen mit ihren Geldern, damit Spanien ja kostenlos zu seiner Wohlfahrt* gelange, deren Verlust cs eben durch die Vertreibung und Berandung der Israeliten verschuldet hat! Was hierfür aber den Israeliten alsGeg enleist un g geboten wird, das hat Herr Lapuna in seinen bisherigen enthustastischen Acnßerunzcn zu sagen unterlassen. Er sagt nur: der religiöse Kultus soll angeblich «frei" ausgcübt werden dürfen — sofern er sich mit der „christlichen Bi oral" vertragen und nicht öffentlich geschehe-, es stehe jedem Israeliten frei zu kommen. — sofcrst er auch Kapitalien und große Verbindungen mit dem Auslände ganz stnig nnrbringt. Ja, wer die verborgene Ausübung seiner religiösen (Gebräuche der vorher völlig freien vorziehr. wer cs für gut findet, fein Kapital aus schon vorhandenen, sicheren Geschäften zu ziehen, mn cs nach einer kostspieligen Umsiedlung von kielen hundert Meilen in ein ittiib zu stecken, dessen ^olkscharakler, Geschäfts- und Lebensweise ihm völlig unbekannt sind, wer überhaupt Keptital hat nnd sich über Religiosität hinwcgsctzt. für den braucht f* nicht erst einer lärmenden Agitation und der kann schon allein in die Falle des verfassungsmäßig ..freien" Kultus- und RicdcrlassnngsrcchtcS und des durch Interpretation, aber nicht durch ausdrückliches Gcgcncdikt widcrruscncn Answcisnngsediktrs gehen. Herr Lapuna übersieht, dast in den heutigen Zritläunen die Staaten sich nicht mehr vom lirchlrchen^ Standpunkt regieren, sondern nur von dem des Sraarswohlcs, nicht nur eine christliche, sondern eine Humanitätsnnd eine Staatsmoral gibt, das nicht mehr Ubrificn, Israeliten u. f. v. ein -'°nd bewohnen, sondern nur noch Staatsbürger, die in allen Lebensäußeruugen eine gleiche Berech. tigung beanspruchen dürfen, also auch in der religionsgcbräuchlichen. Haben sie sic in der letztem nicht, dann ist die Stellung der betreffenden LandcSbewohner unreine geduldete, und diese Position ist wahrlich nicht einladend. Herr Lapuya und die israelitischen Zeitungen, die sich für ihn begeistern, haben ferner keinen Augenblick darübernachgcdacht, aus welchen Klassen sich die „Auswanderung" aller Länder überhaupt und besonders die Rußlands und Rumäniens, die von ihnen in's Auge gefaßt und augenblicklich in Fluß ist, sich kontingentirt, nnd aus welchen Gründen überhaupt gewandert wird. Die verschiedenen Klaffen der prononcirtcn und nichtprononcirtcn Armnth, die unteren Stände sind es, die wandem, die ans dem Grunde und in der Sehnsucht nach Beffcrung ihrer Lage, den Ausweg eines Wohnortswechscls („mcschanch mofoui, mcschaneh masol") ergreifen» in dem Glauben und der Hoffnung, daß „dorr" in der unbekannten, fernen Gegend das Geheimnis; ihres Glücke« sich offenbaren wird. Tie Reichen und Vermöglichcn haben cs überall gleich gut, selbst in Rumänien und in Rußland, ja sogar ganz besonders in diesen Ländem und im ganzen Lsten, weil ihr goldncs Handwerlszeug ihnen olle Thore öffnet, alle Wege ebnet, im Widerspruche mit allen Paragraphen, die sonst mit ganzer Schwere den Armen und "Wehrlosen treffen. Ein Reicher, der den Wandcrstab ergreift, rvcil er in seinem Lande nicht reich genug werden kann, ist wohl noch nicht vorgekommen. sondern nur noch solche, deren ausgedehnter Geschäftsbetrieb mit Gravitirung in gewissen Ländern, Zrvcigniedcrlaffung in beweiben nothwcndig macht. Daran eben leiden die israelitischen Dcrhältniffc z. B. in Rumänien «und auch in dem diesbezüglich cngvcrwandtcn und zum Verwechseln ähnlichen Rußland), daß der israelitische Reiche in öffentlich israelitischen Angelegenheiten zu allen Zeilen ans seine Börse klopfte mit den selbstbewußten Worten: «was. Rechtes Hier sind meine Rechte;* Gt bat sie eben osffzic! gerade so wenig nöthig, wie ihm die Sorge um's tägliche Brod unbekannt ist. Er verlangt auch nicht nach Rechten, denn er kann privatim doch Alles erlangen, wonach fein Herz trachtet, und geistig steh: er ja meist nicht auf dem höheren Niveau, um gesetzlich anerkannte Rechte aus Gründen der Moral und von :H cchtswegcn als das WünschenSwerlhe zu halten. Ter Vermögliche hat es also nicht nöthig, «auSzuwandern,* daß er aber blos darum nach Spanien gehen soll, um dessen Nationalreichthum durch sein

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